Künftige IT-Strategien – was nützt der Radiologie?

Die Anforderungen in der Radiologie sind in den letzten Jahren geradezu dramatisch gestiegen. Die Kliniker erwarten im Bereich der Bildgebung ständig neue Fortschritte für die Diagnostik und Therapie und zugleich eine Verkürzung und Verbesserung der Prozessabläufe.

Prof. Dr. Peter Mildenberger
Prof. Dr. Peter Mildenberger

Waren es die jüngsten Entwicklungen der Informationstechnologie, die diese hohen Erwartungen erzeugt haben? Die schnellere Bereitstellung von Bildern und von Befunden lässt sich jedenfalls ohne IT nicht mehr realisieren. Und die IT-basierten Trends sind noch lange nicht am Ende angekommen, wie etwa auf dem Gebiet der Mobilität festzustellen ist. Auf dem Deutschen Röntgenkongress wird es daher in diesem Jahr sowohl im Kongressbereich wie auch in der Ausstellung wieder viel Neues zu diskutieren geben. Über neue Trends und alte Probleme sprach RöKo Heute mit Prof. Dr. Peter Mildenberger, Oberarzt an der Klinik für Radiologie, Universitätsmedizin Mainz.

Wie sollte IT funktionieren, damit sie die Radiologen glücklich macht?

Peter Mildenberger: Sie sollte hauptsächlich einfach zu bedienen, leistungsfähig und flexibel sein, aber auch gut integriert über die verschiedenen Systeme und Arbeitsbereiche hinweg. Wichtig sind Anwendungen wie Terminmanagement, Leistungsanforderungen, Befundkommunikation und Bildzugriff, sowie auch Leistungsabrechnung und Wissensanalysen in Forschung und Lehre, also Data Mining.

Haben die Anbieter denn für alle diese Wünsche bereits das Geeignete zu bieten?

Peter Mildenberger: Diese Liste entspricht nur ansatzweise dem aktuellen Stand der Dinge! An vielen Stellen müssen die Hersteller erst noch ihre Hausaufgaben erledigen. Auch die Wahrnehmung der Anbieter dahingehend, wie die Anforderungen konkret aussehen, wird bei der Weiterentwicklung der IT-Lösungen eine Rolle spielen. Bei der Integration und der Interoperabilität mit anderen Systemen ist der Weg zu einer zufriedenstellenden Marktsituation noch ziemlich weit. Am Ende der Entwicklung wird jedenfalls nicht ein einzelnes, einziges System stehen, das alle Anforderungen erfüllt.

Ist denn eine einheitliche Oberfläche für Radiologie-Lösungen denkbar?

Peter Mildenberger: Das wäre vielleicht schön, geht aber an den Erfahrungen in der Praxis vorbei. Hierfür müssten sich Radiologen einigen, welche Oberfläche und Bedienphilosphie erwartet wird – und das ist nicht sehr wahrscheinlich. Wir sind schon zufrieden, wenn das Interaktionsverhalten über die Programme hinweg ähnlich ist und die Bedienungsmuster wiedererkennbar sind.

Wie sehen Sie die Rollenverteilung zwischen IT-Abteilung, Radiologie und Medizintechnik?

Peter Mildenberger: Die Bereitstellung der Infrastruktur kann selbstverständlich durch die IT-Abteilung geschehen. Der Radiologe als Arzt muss jedoch die Applikationsverantwortung für die dedizierten Systeme haben. Denn nur durch die Kompetenz in medizinischen Belangen lässt sich die Fortentwicklung der Systeme vorantreiben. Die traditionell getrennten Bereiche IT und Medizintechnik, die heute verstärkt Überlappungen aufweisen und durch gemeinsame Vorgaben und Normen geregelt werden, sind im Übrigen in etlichen modernen Kliniken bereits zusammengeführt.

Welche Wünsche haben Sie an Bildverarbeitungsprogramme und ihr Management?

Peter Mildenberger: Die Möglichkeiten enden hier nicht bei der Speicherung und Kompression der Bilddaten. Wir wollen letztlich mehr Wissen aus den bildgebenden Untersuchungen extrahieren können. So gehen die Entwicklungen etwa in der kardio-vaskulären Bildgebung und Onkologie in die Richtung neuer Algorithmen für Funktionsanalysen, wie bei der Perfusion und für andere quantitative Auswertungen. PACS-Hersteller sollten für solche Zusatz-Tools standardisierte Schnittstellen oder Konnektoren schaffen, die auf neuen DICOM-Standards aufsetzen können.

Wo können sich Radiologen und IT-Verantwortliche über neueste Entwicklungen informieren und ihre Erwartungen an die Anbieter vermitteln?

Peter Mildenberger: Neben dem Röntgenkongress bietet sich hier das 14. DICOM-Meeting inklusive dem Symposium „PACS und mehr“ an. Auch der Datenschutz bei IT-Systemen, mobile Anwendungen und papierlose Abläufe, Telemedizin und Cloud Computing stehen im Schloss Waldthausen vom 21. bis 23. Juni auf der Tagesordnung.

Welche weiteren Veranstaltungen empfehlen Sie?

Peter Mildenberger: „Management in Radiology“ (MIR) in Mailand stellt unter anderem Coaching und Persönlichkeitstraining unter dem Motto „Fit für den Radiologiemanager“ in den Mittelpunkt, aber auch Risiken und Potenziale des „Imaging Departments of the Future“ oder Benchmarking werden beleuchtet. Ultraschall, Diagnosewege und Strahlenexposition sind weitere klinische Themen, die wir in Mailand behandeln werden. Einen besonderen Blick richten wir dieses Jahr auf Osteuropa mit Vorträgen zum Stand der Radiologie in den Ländern Russland, Polen und Moldawien. Und wie bei allen anderen Veranstaltungen auch werden die Teilnehmer sicher über die wichtigste Herausforderung in unserem Fach diskutieren: Wie gehen wir mit der zunehmenden Spezialisierung um und behalten doch gleichzeitig den Überblick über das gesamte Gebiet.

 

Veranstaltungshinweis

Saal Curie
Mi, 16.05., 12:00 - 12:30 Uhr
IT-Strategie: Was nützt der Radiologie?
Mildenberger P / Mainz
Session: AGIT I – Einbindung der Radiologie in die IT des Klinikums


Bitte vormerken: DICOM Meeting vom 21.- 23.6. in Mainz

MIR vom 11.-12.10. in Mailand

 

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Im Profil

Prof. Dr. Peter Mildenberger ist Oberarzt der Klinik für Radiologie der Universitätsmedizin Mainz mit Zuständigkeit für den Bereich operativer Fächer und Leitung des Bereichs Bildmanagement. Sein besonderes Interessensgebiet liegt im Bereich der kardio-vaskulären Erkrankungen (CT- und MR-Angiographie und Kardio-CT), der abdominelle Erkrankungen (Onkologie und Notfalldiagnostik) und bei Computeranwendungen in der Radiologie (Bildverarbeitungund Bildarchivierungs- und Kommunikationssystemen (PACS), Telemedizin, eHealth, eLearning).

Seit 2005 ist er Mitglied im Beirat des Modellprojekts Gesundheitskarte Rheinland-Pfalz. Prof. Mildenberger war Vorstandsmitglied in Arbeitsgruppen für IT-Anwendungen in der DRG von 1998 bis 2010 und in der Europäischen Röntgengesellschaft (ESR) von 2006 bis 2011. Seit März 2011 er Chairman des ESR Subcommittee on “Management in Radiology” und für die ESR Vertreter in internationalen Gremien (DICOM-Komitee und IHE).


 

08.05.2012

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