Kommt jetzt die Medizin 2.0?

Die Mitwirkung der Internet-Nutzer ist - unter dem Begriff „Web 2.0” zusammengefasst - bereits zum Modewort geworden. Diese Form der elektronischen Einflussnahme hat zumindest in der deutschen Medizin noch Seltenheitswert. „Die Zurückhaltung bei dieser neuen Entwicklung ist für die Medizin typisch”, meint Professor Frank Ückert, Juniorprofessor am Institut für Medizinische Informatik und Biomathematik am Universitätsklinikum Münster.

Photo: Kommt jetzt die Medizin 2.0?

Er moderiert eine Veranstaltung des Fachforums MEDICA MEDIA, die im Rahmen der MEDICA 2008 in Düsseldorf, 40. Weltforum der Medizin – Internationale Fachmesse mit Kongress (19. – 22. November), das Thema unter die Lupe nimmt. Das „Mit-Mach-Internet“ macht dabei die Therapie nicht unbedingt einfacher: „Ich behaupte nicht, dass diese Entwicklung zwingend gut ist. Aber wir dürfen das Medium Internet nicht ignorieren. Wir müssen uns darauf einstellen, was kommt“, warnt Professor Ückert. Auch hinsichtlich der Einführung des Telefons hätten viele Ärzte die Sinnfrage gestellt, schließlich zählte für sie jederzeit nur der direkte Patient-Arzt-Kontakt.

Deshalb verwundert es auch nicht, dass der neuartige Service „Google-Health“, als eine für das breite Publikum bestimmte Internet basierte Gesundheitsakte, von vielen Ärzten lapidar als "StudiVZ für Kranke" verspottet wird. Doch eine vorschnelle Verurteilung derartiger Dienste scheint nicht geboten. Denn mit Microsoft springt noch ein weiterer Software- und Internetgigant auf den Zug auf und hat mit Partnern ein ähnliches Angebot unter dem Namen „HealthVault“ gestartet. Hauptziel: Es sollen internationale Standards gesetzt werden. Geschieht dies, dann dürfte kaum noch interessant sein, welche Anforderungen Patienten, Ärzte, Krankenkassen und Datenschützer an die elektronische Gesundheitskarte hier zu Lande stellen. Sie drohte dann veraltet zu sein, bevor sie überhaupt irgendwann eingeführt ist.

Professor Ückert selbst ist einer der Initiatoren der elektronischen Gesundheitsakte „akteonline.de“, die Patienten die sichere Ablage, Verwaltung und Weitergabe ihrer medizinischen Daten über das Internet ermöglichen soll. Er ist der Ansicht, dass in Ländern wie den USA medizinische Projekte im Sinne des Web 2.0 weiter fortgeschritten seien, weil dort die Versicherten eine größere Selbstverantwortung trügen. Aber auch für Deutschland gilt: Der Druck zu mehr Selbstverantwortung wächst – und damit das Bedürfnis, die eigenen Daten selbst zu verwalten und zu überwachen. Zudem altern jetzt Generationen, deren technische Kenntnisse größer sind als diejenigen der heutigen Alten. Wer also über das Projekt „elektronische Gesundheitskarte“ hinaus denken möchte, dem wird das Telemedizin-Forum MEDICA MEDIA im Rahmen der MEDICA 2008 als wichtige Informationsquelle dienen können.

Informationen zur MEDICA 2008 und den mehr als 4.200 Ausstellern aus rund 65 Nationen sind abrufbar im Internet unter http://www.medica.de, spezielle Informationen zum Veranstaltungsprogramm der MEDICA MEDIA unter http://www.medicamedia.de.
 

14.10.2008

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