Internationaler Austausch und Live-OPs beim 19. Endoskopie-Expertentreffen

Von Freitag, den 4. November, bis Samstag, den 5. November, präsentiert sich die Hansestadt Hamburg einmal mehr als führende Endoskopie-Metropole: Bereits zum 19. Mal heißt der ENDO CLUB NORD (ECN) internationale Kongressteilnehmer zum weltweit größten Live-Event der Endoskopie willkommen.

Von links:  Prof. Dr. Friedrich Hagenmüller, Prof. Dr. Thomas Rösch, PD Dr....
Von links: Prof. Dr. Friedrich Hagenmüller, Prof. Dr. Thomas Rösch, PD Dr. Siegbert Faiss

Rund 2.500 Teilnehmer verfolgen dabei auf der 24 Meter breiten Leinwand des Congress Center Hamburg (CCH) die endoskopischen Eingriffe in den Asklepios Kliniken Altona und Barmbek sowie dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Moderiert werden die in HDTV-Qualität übertragenen Sessions von einem international besetzten Panel. Ein großes Thema des diesjährigen ECN sind neben den endoskopischen Tumorresektionen im oberen und unteren Gastrointestinaltrakt auch verschiedene Speiseröhrenerkrankungen wie beispielsweise der Barrett-Ösophagus und die Achalasie. Darüber hinaus wird die renommierte Endoskopie-Veranstaltung nicht nur mit interventionellen Eingriffen, sondern auch mit Vorträgen wie „Hält sich der Reizdarm an die neue Leitlinie“, „Mucosal healing und endoskopische Scores“ oder zum Thema „Colorectal Cancer Screening“ die Besucher wieder faszinieren.

Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz in der Asklepios Klinik Barmbek (AKB) stellt der diesjährige ECN-Präsident PD Dr. Siegbert Faiss, Chefarzt der III. Medizinischen Gastroenterologie und Hepatologie der AKB die Themen des Kongresses vor. Von großem Interesse ist die Achalasie, eine Funktionsstörung der glatten Muskulatur des unteren Schließmuskels der Speiseröhre. Bei Betroffenen befindet sich der Schließmuskel am Übergang der Speiseröhre in den Magen in einem dauerhaften Kontraktionszustand, was Schluckbeschwerden, Erbrechen, Schmerzen im Brustbereich und letzten Endes Gewichtsverlust verursacht. Bislang angewandte Behandlungstherapien – etwa die Gabe von Medikamenten oder die Dehnung des Mageneinganges mittels eines Ballons – erbrachten keine andauernden, zufriedenstellenden Ergebnisse. Ein neuer, vielversprechender Ansatz ist die perorale endoskopische Myotomie (POEM). Hierbei erfolgt der Zugang endoskopisch durch den Mund, zwischen Schleimhaut und Muskelschicht wird dann ein Tunnel mit einem zwei bis drei Zentimeter kleinen Eingang geschaffen, der am Ende mit Clips verschlossen wird. Weiter unten wird die Muskulatur durchtrennt und die normale Schleimhaut legt sich anschließend schützend über den Schnitt. Insgesamt wurden am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf mit dieser Methode 30 Patienten operiert. „Bei der endoskopischen Myotomie gab es bisher keinerlei Komplikationen“, erklärt Prof. Dr. Thomas Rösch, Klinikdirektor für Interdisziplinäre Endoskopie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. „In mehr als 90 Prozent konnten Schluckstörungen und Schmerzen dauerhaft behoben werden.“

Ein weiterer Punkt auf der Agenda des ECN sind der EHEC-Ausbruch, der im Mai und Juni 2011 vor allem Norddeutschland in Atem hielt. Über 3.000 EHEC- und mehr als 800 HUS-Fälle zeugen von der ständigen Gefahr durch Infektionskrankheiten. Bakterien verändern sich stetig, so dass auch in Zukunft neuartige Erreger-Typen zu erwarten sind und Kliniken sowie Praxen dementsprechend gewappnet sein müssen. „Die Aggressivität dieses Bakterien-Typus setzt zukünftig eine veränderte Routine voraus, um Patienten gerade bei Folgeschäden wissenschaftlich fundiert zu betreuen“, so PD Dr. Faiss. Der ENDO CLUB NORD 2011 wird sich dieser Problematik annehmen und mit renommierten Gastroenterologen nicht nur einen Rückblick geben, sondern auch Diagnostiken und mögliche Therapieansätze diskutieren. „Derzeit werden die fast 1.000 EHEC-Krankenakten gescannt, um Schlüsse und Nutzen für die nächste Epidemie zu ziehen“, bestätigt Prof. Dr. Friedrich Hagenmüller, Leiter der 1. Medizinischen Abteilung in der Asklepios Klinik Altona. „Zukünftige Behandlungen müssen auf gesicherter Kenntnisbasis erfolgen.“
 

03.11.2011

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