Frauen in der Medizin

Hausärztinnen: zufrieden – und doch frustriert

Ärztinnen in 49 Ländern sind laut einer Umfrage der American University of Beirut allgemein sehr mit ihren Karrieren zufrieden. Weniger glücklich sind sie jedoch mit anderen Aspekten ihres Berufs, wie Bezahlung, Verwaltungsaufgaben und der Zeit für sich selbst. Zusätzlich berichten sie von weitreichenden sexuellen Belästigungen.

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Laut der Umfrage nimmt der Anteil von Frauen in der Familienmedizin zu, daher sei ihr Wohlbefinden und die Zufriedenheit mit ihrer Arbeit wichtig. Das gelte vor allem aufgrund der Knappheit von Ärzten, die in diesem Bereich arbeiten. Ziel der jetzt im Fachjournal "Family Practice" veröffentlichten Studie war es, die Arbeitsbedingungen und die Karrierezufriedenheit von Hausärzten in einer Vielzahl von Ländern zu untersuchen.

Der Anteil von Frauen in der Familienmedizin steigt weiter. In den USA sind 54 Prozent der Bürger in diesem Bereich Frauen. Ärztinnen in der Grundversorgung verdienen jedoch 18 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Frauen berichten auch von mehr Fällen von Burnout und sahen sich mehr Hindernissen bei Beförderung, Führungsmöglichkeiten, Unterstützung und Mentorships konfrontiert. Für die Studie haben die Forscher das "Working Party on Women and Family Medicine LISTSERV" analysiert und 315 Frauen befragt, die in 49 Ländern in einer Hausarztpraxis arbeiten. Mit 75 Prozent gaben die meisten Frauen an, mit ihren derzeitigen Arbeitsbedingungen und ihrer Karriere zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Mit 56 Prozent finden es jedoch schwer oder sehr schwer, Fortschritte in der Karriere zu machen.

Als die Ärztinnen ersucht wurden, ihre Arbeitsbedingungen und Karrierezufriedenheit mit der von männlichen Kollegen zu vergleichen, gaben nur 39 Prozent ein ähnliches Gefühl der Zufriedenheit an. Nach der beruflichen Weiterentwicklung gefragt, berichteten nur 30 Prozent der Ärztinnen, dass männliche Kollegen ähnliche Bedingungen vorfänden. Mit 151 Teilnehmerinnen gaben 74 Prozent der Ärztinnen an, dass sie allgemeine sexistische Bemerkungen und sexistisches Verhalten in ihrer Ausbildung oder der Arbeit erlebt hatten. 45 Prozent nannten unangemessene sexuelle Annäherungsversuche, 22 Prozent gaben an, dass diese Annäherungen unter Zwang erfolgten. Die Forscher konnten keine Abweichungen in der Gesamtzufriedenheit der Hausärztinnen in den Bereichen Land und Einkommen feststellen.

Laut Forschungsleiterin Jumana Antoun sind die Ärztinnen trotz aller Schwierigkeiten, vor allem wenn es um Bezahlung, administrative Belastung und das Fehlen von Zeit für sich selbst geht, zufrieden mit ihren Karrieren. "Es ist möglich, dass sie diese Fachrichtung aufgrund der ganz eigenen Qualitäten der Familienmedizin und der Verbindung mit den Patienten gewählt haben und es dabei nicht um Geld und Status gegangen ist." Das bedeute jedoch nicht, dass Arbeitgeber nicht an der Verbesserung des Arbeitsumfeldes arbeiten und es sicherer und gleichberechtigter machen sollten.


Quelle: American University of Beirut/pressetext

20.10.2021

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