Forscher testen neuen Ansatz gegen motorische Störungen

Parkinson

Forscher testen neuen Ansatz gegen motorische Störungen

Wissenschaftler haben bei Mäusen motorische Störungen lindern können, die denen von Patienten mit Parkinson ähneln. Die Tiere wurden mit einer Substanz behandelt, die sich auf Nerven- und Immunzellen des Gehirns auswirkt. Bewährt sich der neuartige Ansatz in weiteren Labortests, könnte er möglicherweise in klinischen Studien erprobt werden.

Bei der Parkinson-Erkrankung sterben bestimmte Nervenzellen des Gehirns allmählich ab. Die möglichen Folgen dieses langsamen, jedoch stetig fortschreitenden Prozesses - „Neurodegeneration“ genannt - sind vielfältig: Sie reichen von schwerwiegenden Verdauungsstörungen bis hin zur Demenz. Herausragendes Merkmal von Parkinson sind allerdings motorische Beeinträchtigungen: Patienten leiden unter Zittern und Steifigkeit der Arme und Beine. Zwar lassen sich manche dieser Symptome lindern, aktuelle Behandlungsmethoden können den Verlust an Gehirnzellen jedoch nicht aufhalten. Somit gibt es derzeit keine Therapie, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen oder gar zu stoppen.

Immunzellen des Gehirns

Die aktuelle Studie widmete sich neben den Nervenzellen auch den Immunzellen des Gehirns. Letztere – „Mikroglia“ genannt – schützen vor Schadstoffen und Erregern. Bei einer Parkinson-Erkrankung entwickelt sich allerdings eine chronische Entzündung. Infolge dieser beständigen Immunreaktion können die Mikroglia gewisse Stoffe freisetzen, die Nervenzellen schädigen und letztlich deren Tod herbeiführen. „Wir haben daher einen experimentellen Wirkstoff verwendet, von dem man aus Voruntersuchungen wusste, dass er entzündungshemmend wirkt“, sagt Prof. Anja Schneider, Arbeitsgruppenleiterin am DZNE in Bonn. „Diese Substanz ist in der Lage, bis ins Innere der Mikroglia zu gelangen und dort einen molekularen Schalter umzulegen, der die Entzündungsreaktion dämpft. Der Wirkstoff wurde bereits in klinischen Studien an Menschen untersucht, als mögliches Mittel gegen Angststörungen. Insofern gibt es zu dieser Substanz bereits Daten, die Sicherheit und Verträglichkeit am Menschen belegen.“ 

Schneider sowie weitere Fachleute aus Bonn und Göttingen untersuchten die Wirkung dieser Substanz mit dem Namen „Emapunil“ auf Mäuse. Diese Tiere zeigten Bewegungsstörungen, ausgelöst vom Verlust von Nervenzellen in der sogenannten Substantia Nigra. Dieses Hirnareal ist auch bei Parkinson-Patienten betroffen. Die Behandlung der Mäuse mit Emapunil linderte die Symptome. „Tiere, die den Wirkstoff erhielten, konnten sich kontrollierter bewegen, als die unbehandelten Tiere einer Vergleichsgruppe“, sagt Prof. Tiago Outeiro, Forscher an der UMG und Ko-Autor der aktuellen Studie. 

Die Wissenschaftler identifizierten mögliche Ursachen dafür. „Mit unserer Studie konnten wir zeigen, dass Emapunil auf Nervenzellen eine schützende Wirkung hat. Daran scheinen verschiedene Mechanismen beteiligt zu sein“, erläutert Outeiro. „Der Wirkstoff beeinflusst die Mikroglia und dämpft Entzündungsreaktionen. Das war im Grunde genommen schon bekannt. Wir haben aber nun herausgefunden, dass diese Substanz auch direkt auf Nervenzellen wirkt. Besonders in diesen Zellen vermindert Emapunil die sogenannte ungefaltete Proteinantwort. Das ist eine Stressreaktion, die zum Zelltod führen kann.“

Molekularer Rezeptor

Aus bisherigen Untersuchungen war bereits bekannt, dass Emapunil an ein Molekül mit dem Namen TSPO (Translocator Protein) bindet. Dieser Rezeptor kommt in Nervenzellen und Mikroglia vor. „Unsere  Ergebnisse deuten darauf hin, dass TSPO grundsätzlich ein Ansatzpunkt für Wirkstoffe gegen neurodegenerative Erkrankungen sein könnte“, sagt Prof. Markus Zweckstetter, Wissenschaftler am DZNE-Standort Göttingen und am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. 

Die Forscher schlagen vor, die beteiligten Mechanismen weiter zu untersuchen. „Im Labor lassen sich immer nur Teilaspekte einer Parkinson-Erkrankung nachbilden“, so Schneider. „Deswegen möchten wir anregen, die aktuellen Ergebnisse in weiteren Laboruntersuchungen und anhand anderer Krankheitsmodelle zu überprüfen. Wenn es sich bewährt, bei TSPO anzusetzen, könnte diese Strategie in klinischen Studien zur Parkinson-Erkrankung erprobt werden.“ 

Quelle: Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen

28.02.2019

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