News • Wirkstoff Silvestrol

Ein Hepatitis-E-Killer aus Mahagoni?

Gegen Hepatitis E gibt es bisher keine spezifische Therapie: Rund 70.000 Menschen weltweit sterben jährlich an Hepatitis E, eine echte Therapie gibt es bislang nicht. Jetzt hat ein internationales Forscherteam einen neuen Hoffnungsträger im Kampf gegen das Virus ausgemacht – aus einer unerwarteten Quelle.

Quelle: Pixabay/jessicuak

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Silvestrol heißt die Substanz, von der sich die Wissenschaftler einen neuen Wirkstoff gegen Hepatitis E erhoffen. Der Stoff wird von rund 400 verschiedenen Mahagoni-Arten gebildet und lässt sich aus deren Blättern extrahieren. Silvestrol zeigte bereits gegen bestimmte Tumore und sogar Ebola Wirkung, ist aber bisher nicht im klinischen Einsatz.

Auch die Effekte auf Hepatitis E sind vielversprechend: Sowohl in Zellkultur als auch im Mausmodell hemmte das Silvestrol die Vermehrung der Erreger. Ihre Ergebnisse haben die Forscher um Dr. Daniel Todt und Prof. Dr. Eike Steinmann von der Abteilung für Medizinische und Molekulare Virologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) nun im Journal „Antiviral Research“ vorgestellt.

Die Wirkung von Silvestrol war stärker als die von Ribavirin, dem bisher einzigen Wirkstoff, der gegen Hepatitis E eingesetzt wird

Daniel Todt

Beim Screening möglicher Wirkstoffe gegen Hepatitis E untersuchten die Forscher die Wirkung von Silvestrol auf das Virus. „Wir haben dazu zuerst sogenannte Reporterviren in Zellkulturen mit Silvestrol behandelt und festgestellt, dass sie sich weniger stark vermehrten als ohne die Behandlung“, erklärt Daniel Todt. Im nächsten Schritt nutzten die Forscher Stammzellen, die sie zu Leberzellen ausdifferenziert hatten. Sie infizierten sie mit Hepatitis-E-Viren – sowohl solchen, die sie zuvor im Labor produziert hatten, als auch solchen, die aus Patienten stammten und aufgereinigt worden waren. Die Forscher beobachteten den Infektionsverlauf mit und ohne Silvestrol mehrere Tage lang. „Mit Hilfe von spezifischen, gegen das Virus gerichteten Antikörpern konnten wir messen, wie häufig sich die Viren in den infizierten Zellen repliziert hatten“, erklärt Daniel Todt.

Ergebnis: Nach der Behandlung mit Silvestrol sanken die Vermehrungsrate und die Zahl der infizierten Zellen stark ab. „Die Wirkung von Silvestrol war stärker als die von Ribavirin, dem bisher einzigen Wirkstoff, der gegen Hepatitis E eingesetzt wird“, erklärt der Forscher. Das zeigte sich bei Infektionen mit allen bekannten vier genetisch unterschiedlichen Typen des Virus, die Menschen krank machen können. Um zu untersuchen, ob der Wirkstoff die Virusvermehrung auch in lebenden Organismen hemmt, testeten sie seine Wirkung bei Mäusen, denen menschliche Leberzellen eingepflanzt und mit Hepatitis E infiziert wurden. Auch bei ihnen führte die Behandlung mit Silvestrol dazu, dass sich die Viren weniger häufig replizierten. Schädliche Nebenwirkungen blieben in geringer Dosierung aus.

nora möller and daniel todt in a laboratory
Die Erstautoren Nora Möller und Daniel Todt.

© RUB, Marquard

Diese Ergebnisse wecken die Hoffnung, dass Silvestrol ein wirksames Mittel gegen Hepatitis E sein könnte. „Das klinische Potenzial muss in weiteren Studien ausgelotet werden“, so Eike Steinmann. „Unsere Untersuchungen legen dafür den Grundstein.“ Die Bochumer Forscher sind die ersten, die ein umfassendes Testsystem für Wirkstoffe gegen das Hepatitis-E-Virus von der Zellkultur über Stammzellen bis hin zum Tiermodell aufgebaut haben. 


Quelle: Ruhr-Universität Bochum

28.07.2018

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