Ohne Kontrast

Bitte Protokolle beachten!

Wenn es um die Anschaffung eines neuen MRT geht, entscheiden sich immer mehr Praxen und Kliniken für ein 3-Tesla-Gerät. Zwar werden mit jedem neu erworbenen Hochfeldsystem gleich auch die passenden Anleitungen mitgeliefert, dennoch kommt es vor, dass man Untersuchungsprotokolle, mit denen man bei 1,5 Tesla bisher gut gefahren ist, weiterhin verwenden möchte.

Chemische Verschiebung mit geringer Bandbreite (70Hz/Pixel; lange Auslese;...
Chemische Verschiebung mit geringer Bandbreite (70Hz/Pixel; lange Auslese; links) und mit hoher Bandbreite (350 Hz/Pixel; kurze Auslese; rechts)

Welche Protokollveränderungen beim Übergang von 1,5 Tesla auf 3 Tesla erforderlich sind, berichtet Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Olaf Dietrich vom Josef Lissner Laboratory for Biomedical Imaging, Institut für Klinische Radiologie – Großhadern, Klinikum der Universität München.

Zu den Forschungsschwerpunkten des Physikers am Münchner Institut für Radiologie gehören die Implementierung neuer MR-Techniken, die Optimierung und Anpassung von Messprotokollen sowie die Weiterverarbeitung von Bilddaten. Aktuell beschäftigt sich Dietrich u.a. mit der Entwicklung optimierter Methoden, um T1-Relaxationszeiten schneller zu bestimmen. „Bei keiner anderen Bildgebungsmodalität gibt es wohl so viele Parameter, an denen man herumschrauben kann, wie bei der Magnetresonanztomografie“, sagt er. „Das macht das Verfahren einerseits so flexibel, andererseits aber auch so kompliziert.“

Der Vorteil der neueren Hochfeld-Systeme mit einer Feldstärke von 3 Tesla gegenüber dem konventionellen MRT mit 1,5 Tesla liegt in der höheren Ortsauflösung bei gleicher Messzeit. Die Größe der Voxel kann dabei auf das halbe Volumen reduziert werden, ohne das Signal-Rausch-Verhältnis zu verschlechtern. Dadurch lassen sich etwa dünnere Schichtdicken erreichen und somit kleinere Bilddetails erkennen.

Allerdings lassen sich viele MR-Techniken bei 3 Tesla nicht in der gleichen Form verwenden wie bei 1,5 Tesla. Das liegt beispielsweise an der Erwärmung des Patienten, die dadurch entsteht, dass während der MRT-Untersuchung elektromagnetische Energie im Körper deponiert wird. Dabei ist die Erwärmung bei 3 Tesla vier Mal so hoch wie bei 1,5 Tesla. „Für den Patienten ist das völlig ungefährlich“, erklärt der Experte. „Denn das Gerät merkt automatisch, wenn bestimmte Grenzwerte überschritten werden. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass das System diese Einstellungen gar nicht erst zulässt und die gewünschten Messungen nicht durchführt. Deshalb muss man die Protokolle beim Übergang auf 3 Tesla entsprechend anpassen, zum Beispiel indem man längere Wartezeiten zwischen die Sequenzen einbaut, eventuell den Flipwinkel innerhalb der Sequenzen verringert oder etwa die Repetitionszeiten verlängert.“

Darüber hinaus gibt es Bildartefakte, die bei 3 Tesla leichter entstehen können als bei 1,5 Tesla: „In der Kopfbildgebung funktioniert die 3-Tesla-MRT bereits sehr gut, aber im Bauchraum gibt es immer wieder Signalauslöschungen, die sich als dunkle Flecken im Bild zeigen. Das hängt damit zusammen, dass die Radiofrequenzen, die man bei 3 Tesla verwendet, doppelt so hoch sind wie bei 1,5 Tesla und die Wellenlänge daher nur halb so groß. Dadurch kommt es zu Interferenzeffekten.“

Trotz dieser technischen Schwierigkeiten ist Dietrich jedoch zuversichtlich: „In den letzten zehn Jahren hat sich bereits viel getan. Die erste Generation von 3-Tesla-Geräten hat noch wesentlich mehr Probleme bereitet. Die Hersteller haben daraus gelernt und schon einige Fehler an den neueren Anlagen behoben und auch in Zukunft wird an weiteren Protokoll- und Sequenzoptimierungen gearbeitet.“

 

PROFIL:
Seit 2001 arbeitet und forscht der promovierte Diplom-Physiker Olaf Dietrich am Josef Lissner Laboratory for Biomedical Imaging, Institut für Klinische Radiologie, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zuvor war er vier Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Neuroradiologie am Universitätsklinikum der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg beschäftigt. Er erlangte 1995 einen Master of Advanced Study am Trinity College der University of Cambridge und habilitierte 2010 zum Thema „Bildrauschen und Bildqualität in der Magnetresonanztomografie: Charakterisierung und Quantifizierung“.


Veranstaltung:
Grundkurs MRT
Di, 27.01., 11:30 - 12:00 Uhr
Protokolle – Unterschiede zwischen 1,5T und 3T
Dietrich O / D-München
Session: ZNS

27.01.2015

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