Dr. Felix Nensa, Oberarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle...
Dr. Felix Nensa, Oberarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie an der Universität Essen.

Quelle: Universität Essen

PET/MR kardiologisch

Auf den Spuren des Zuckers

Bei der Erforschung neuer Methoden kommt den Wissenschaftlern schon mal Kollege Zufall zur Hilfe und stößt sie auf ein bisher nicht gekanntes Phänomen, das die Therapie nachhaltig verändern könnte. So geschehen im Universitätsklinikum Essen: Während der Untersuchung der Vorteile des PET-MR bei der Herzinfarktdiagnostik stießen die Radiologen unvermutet auf die Möglichkeit zur retrospektiven Messung der sogenannten Area-at-Risk bei Herzinfarktpatienten. Von dieser Entdeckung profitiert nicht nur der Patient, sondern auch die Wissenschaft, wie Dr. Felix Nensa, Assistenzarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie am Universitätsklinikum Essen, berichtet.

Report: Meike Lerner

Seit nunmehr drei Jahren loten die Radiologen des Instituts die Möglichkeiten der PET-MR in der kardiologischen Diagnostik aus – und zählen damit zu den Pionieren der Methode. „Zu Beginn haben wir geschaut, wie sich PET und MRT überhaupt zueinander verhalten und was passiert, wenn diese beiden Methoden jetzt gematcht werden. Die vermuteten Vorteile für die Herzinfarktdiagnostik haben sich rasch bestätigt. Spannend war jedoch ein anderes Phänomen: Bei einigen Patienten konnten wir beobachten, dass in den vom Infarkt betroffenen Regionen eine Minderaufnahme von FDG im PET vorlag, obwohl das Late-Enhancement in der MRT keine Rückschlüsse auf eine Narbenbildung lieferte, das Gewebe also eigentlich nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde“, erklärt Felix Nensa. Die Forscher fusionierten das PET-Bild mit einer T2-gewichteten MRT-Sequenz, die der Darstellung des Myokardödems dient, und stellten eine Übereinstimmung dieser Region mit der minderangereicherten Region fest.

Hoher prognostischer Nutzen

"Im Fachjargon sprechen wir von einem metabolischen Fingerabdruck."

Diese Entdeckung war deshalb so wichtig, weil sie die Grundlage für die Beurteilung des tatsächlich abgestorbenen Gewebes im Verhältnis zur Area-at-Risk zulässt. Zwar lässt sich diese Area-at-Risk, also der Bereich, der nach einem Verschluss potenziell von einer Narbenbildung betroffen sein kann, anhand des Myokardödems im MRT darstellen. Allerdings sind Ödeme recht volatil und die Untersuchungstechniken  artefaktanfällig. Mittels FDG-PET kann nun genau bestimmt werden wie groß die Area-at-Risk und wie groß die sogenannte Salvage-Area (vom Herzinfarkt bedrohtes, aber verschontes Gewebe) ist. Aus der Differenz lässt sich dann das wahre Ausmaß des Infarkts ermitteln – mit weitreichenden Konsequenzen für die Therapie des Patienten. Hat ein Patient einen hohen Salvage-Anteil weiß man, dass sich die Pumpleistung in den kommenden Wochen/Monaten wahrscheinlich signifikant verbessern wird. Ist der Wert niedrig, kann man frühzeitig mit therapeutische Maßnahmen, beispielsweise mit Blick auf eine Herzinsuffizienz, beginnen.

Besonders bemerkenswert bei der Bestimmung der Area-at-Risk mittels FDG-PET ist die Tatsache, dass dies retrospektiv erfolgen kann – also nach der kompletten Behandlung eines Herzinfarkts inklusive Medikamentengabe und Kathetereingriff. Felix Nensa: „Im Fachjargon sprechen wir von einem metabolischen Fingerabdruck, den die Ischämie hinterlässt und der uns wichtige Hinweise auf die Wirkweise bestimmter Medikamente oder Verfahren gibt. Bisher war deren Wirksamkeit nur schwer zu belegen, weil wir nur die Endpunkte Mortalität und Morbidität messen konnten und diese bekanntlich von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden. Im Rahmen von multizentrischen Studien mit einem vergleichbaren Patientenklientel können wir nun aber im Nachhinein beurteilen, ob eine Methode gewirkt hat, weil die jeweilige Patientengruppe dann einen höheren Salvage-Anteil innerhalb der Area-at-Risk aufweist als die Vergleichsgruppe.“

Erste positive Ergebnisse mit einer kleinen Patientenkohorte hierzu veröffentlichten die Essener Anfang des Jahres, mittlerweile konnten die Fallzahlen weiter gesteigert werden. Die Erforschung der Möglichkeiten des PET-MR zur kardiologischen Diagnostik sind damit noch lange nicht ausgeschöpft. Derzeit bereiten die Wissenschaftler eine Veröffentlichung zu den Vorteilen in der Diagnostik der Myokarditis vor. Auch hier – so viel sei verraten – liefert das FDG-PET mehr diagnostische Sicherheit und bietet wertvolle Hinweise für eine zielgerichtete und personalisierte Therapie.

13.05.2015

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