Setzen sich gemeinsam gegen die Abstoßung von Spenderherzen ein (von links):...
Setzen sich gemeinsam gegen die Abstoßung von Spenderherzen ein (von links): Prof. Dr. Werner G. Daniel (Vorstand/Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen), Dr. Wilhelm Polster (Vorstand/Manfred-Roth-Stiftung), PD Dr. Christian Heim (Oberarzt und Forschungsgruppenleiter/Herzchirurgie), Dr. Annika Kuckhahn (Herzchirurgie), Klaus J. Teichmann (Stiftungsrat/Manfred-Roth-Stiftung) und Prof. Dr. Michael Weyand (Direktor/Herzchirurgie).

Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen 


Bewahren, was man hat

Abstoßungen bei Spenderorganen verhindern

Jahrelang warten sie auf die eine Nachricht, die ihr Leben wieder zum Besseren wenden soll: die Patienten auf der Warteliste für ein lebensrettendes Organ. Doch auch wer dieses Geschenk bekommt, kann dauerhaft nicht richtig aufatmen – zu häufig noch werden transplantierte Organe vom Körper wieder abgestoßen.

Neben akuten Abstoßungen gibt es auch die chronische Transplantatvaskulopathie beim transplantierten Herzen, einem ohnehin schon raren Spenderorgan. Eine Forschergruppe um PD Dr. Christian Heim, Oberarzt der Herzchirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen, arbeitet intensiv daran, die Transplantatvaskulopathie mit neuen Medikamenten zu besiegen. Zu diesem Zweck erhielten die Wissenschaftler jetzt 35.000 Euro von der Manfred-Roth-Stiftung. Auf insgesamt rund 50.000 Euro aufgestockt wird die Spende von der Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen im Rahmen ihres Matching-Funds-Programms.

Langfristig werden pro Jahr rund 12 Prozent aller weltweit transplantierten Herzen an einer Transplantatvaskulopathie erkranken. Das betrifft im Verlauf leider über die Hälfte der Patienten mit Spenderherz

Christian Heim

Transplantierte Menschen leben in Unsicherheit: Bei jedem Fieber, bei jedem Unwohlsein fürchten sie, ihrem neuen Organ gehe es nicht gut. Die Angst, zum Beispiel ein Herz wieder zu verlieren, ist leider nicht unberechtigt: „Während sich akute Abstoßungen medikamentös oft behandeln lassen, kann die chronische Abstoßung bisher noch nicht verhindert werden und stellt das Haupthindernis für ein Langzeitüberleben nach der Herztransplantation dar“ sagt PD Dr. Heim. „Langfristig werden pro Jahr rund 12 Prozent aller weltweit transplantierten Herzen an einer Transplantatvaskulopathie erkranken. Das betrifft im Verlauf leider über die Hälfte der Patienten mit Spenderherz.“ Ein Rückschlag für alle Beteiligten, den die Forschergruppe um Christian Heim nicht länger hinnehmen will. Die Wissenschaftler suchen nach Wegen, die chronische Abstoßung, die vor allem die Herzkranzgefäße betrifft, medikamentös zu verhindern. „Gerade im Hinblick auf die aktuelle Organspende-Situation muss es unser Bestreben sein, die wenigen zur Transplantation verfügbaren Spenderherzen möglichst lange funktionstüchtig zu halten“, betont PD Dr. Heim. „Da es bisher keine wirksame Therapie gibt, die die Transplantatvaskulopathie effektiv verhindern oder kausal behandeln könnte, therapieren wir die betroffenen Patienten nur symptomatisch. Sie sind also wieder herzkrank, und unter Umständen geht es ihnen so schlecht wie vorher. Im schlimmsten Fall verlieren sie sogar ihr Organ.“

Die Erlanger Forscher konnten in früheren Studien schon kleine Erfolge feiern, sogar mit ersten klinischen Anwendungen, doch die große Lösung gibt es noch nicht. Um die positiven Ergebnisse weiter auszubauen, brauchen die Wissenschaftler Spezialisten wie die langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin und frisch promovierte Tierärztin Dr. Annika Kuckhahn. Ihre Stelle zum Beispiel kann jetzt durch die Spende der Manfred-Roth-Stiftung und der Forschungsstiftung Medizin weiter finanziert werden. „Für unsere weitere Arbeit ist diese großzügige Unterstützung ein riesiger Gewinn“, freut sich PD Dr. Heim.


Quelle: Universitätsklinikum Erlangen

14.09.2019

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