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Bildquelle: Unsplash/Engin Akyurt

Nichts riechen, nichts schmecken

Stört Covid-19 den Geruchs- und Geschmackssinn?

Sie schmecken nichts mehr und sie riechen nichts mehr: In den vergangenen Wochen mehrten sich die Hinweise, dass das Coronavirus bei Erkrankten zeitweise den Geruchs- und den Geschmacksinn ausschaltet.

Das Global Consortium for Chemosensory Research (GCCR), ein Konsortium von mehr als 400 Wissenschaftlern aus aller Welt, hat jetzt eine breit angelegte Online-Studie gestartet, die erfassen soll, wie COVID-19-Patienten den Verlust von Geruch und Geschmack, aber auch eine Veränderung des sensitiven Empfindens im Mund während der Erkrankung erleben. Vonseiten des Universitätsklinikums Erlangen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) arbeiten Prof. Dr. Jessica Freiherr, Inhaberin der Professur für Neurowissenschaften der sensorischen Wahrnehmung an der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik, und Prof. Dr. Andrea Büttner, Inhaberin des Lehrstuhls für Aroma- und Geruchsforschung, an der Untersuchung mit.

„Es gibt inzwischen einige Veröffentlichungen zum mutmaßlichen COVID-19-Symptom des Geruchs- und Geschmacksverlusts. Demnach leiden wohl rund 80 Prozent der Patienten daran“, sagt Jessica Freiherr. Eine groß angelegte Studie dazu stehe bislang allerdings aus. Dabei wären valide Zahlen auf globalem Niveau wichtig, um zu bewirken, dass der Verlust von Geruchs- und Geschmacksinn offiziell in die Liste der Symptome bei COVID-19-Erkrankungen aufgenommen wird. Das würde medizinischen Einrichtungen eine Grundlage geben, auch Patienten auf COVID-19 zu testen, bei denen dieses Symptom im Vordergrund steht, die Erkrankung sonst aber eher symptomlos verläuft.


Von der Studie, an der neben den Geruchsforscherinnen auch Vertreter aus Disziplinen wie den Neurowissenschaften, der Psychologie und der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, beteiligt sind, verspricht sich Prof. Freiherr einen tiefen Einblick in ein bislang unterschätztes Symptom: „Da Geruchsverlust auch bei einer herkömmlichen Erkältung – etwa dem klassischen Schnupfen mit verstopfter Nase – auftreten kann, ist es für die Forschung wichtig, die Zusammenhänge genauer zu verstehen, vor allem auch, wie intensiv das Symptom wahrgenommen wird und wie lange und häufig es auftritt.“

Für repräsentative Ergebnisse werden noch viele Teilnehmer in Deutschland gesucht, die in den vergangenen Wochen entweder eine SARS-CoV-2-Infektion oder eine herkömmliche Erkältung (Kontrollgruppe) durchgemacht haben und bereit sind, anonym eine ca. zehn Minuten dauernde Online-Befragung zu absolvieren.


Quelle: Universitätsklinikum Erlangen

28.04.2020

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