Übersicht der neuen Plattform
Übersicht der neuen Plattform

Quelle: Siemens Healthineers

Digitale Vernetzung

Siemens und IBM starten gemeinsame Gesundheitsplattform

Siemens Healthineers und IBM Deutschland wollen die digitale Vernetzung des deutschen Gesundheitssystems vorantreiben und präsentieren ein System für Cloud-Dienste und Datenaustausch. Die von den beiden Großkonzernen in einer digitalen Pressekonferenz und einem ‚Executive Exchange‘-Webinar vorgestellte neue Plattform „teamplay digital health platform connect“ soll die Infrastruktur für die Bereitstellung digitaler Dienste ausbauen.

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Dr. Bernd Montag
Quelle: CEO von Siemens Healthineers

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Digitalisierung des Gesundheitswesens noch in dieser Legislaturperiode weiter vorantreiben. Jeder gesetzlich Versicherte soll ab 2021 über eine elektronische Patientenakte (ePa) verfügen können, die wichtige Dokumente wie Arztbriefe, Medikationsplan, Notfalldaten und den Impfausweis enthält.

Eine auf internationalen Standards beruhende Plattform für die Vernetzung der verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen gibt es bisher in dieser Form jedoch nicht. Die neue Plattform soll hier einen maßgeblichen und zugleich komplementären Beitrag zur Digitalisierungsinitiative der Bundesregierung leisten. „In Zusammenarbeit mit unserem Partner IBM haben wir eine Plattform geschaffen, die die Interoperabilität sicher stellt und den höchsten Anforderungen des Datenschutzes und der Cybersecurity entspricht“, sagte Dr. Bernd Montag, CEO von Siemens Healthineers.


„teamplay digital health platform connect spiegelt die Strategie der IBM wider, mit unseren Technologien sichere Branchenplattformen zu ermöglichen“, sagte Christian Noll, General Manager bei IBM Global Business Services, DACH-Region.

Das System

Das neue System nutzt dafür  Standards wie IHE (Integrating the Healthcare Enterprise) oder HL7, um den sicheren Austausch von Patientendaten unter Leistungserbringern zu vereinfachen. Die dafür eingesetzte Technologie nutzt Siemens bereits in der Schweiz (EPD) und Österreich (ELGA) erfolgreich und transponiert die dort gewonnene Erfahrung jetzt nach Deutschland.

Bei dem neuen Projekt handele es sich aber „nicht um ein Gegenmodell zur ePa, auch nicht um einen Gegenentwurf zur Telematikinfrastruktur“, betonte Dr. Samrend Saboor, Head of Patient Management, Siemens Healthineers. „Wir respektieren die Spezifikationen und Konzeptionen beider Systeme und auch Dienste wie KIM (Kommunikation im Medizinwesen).“

Saboor erklärte, dass die Partner sich als Unterstützer darin sähen, Leistungserbringern an diese Dienste anzubinden und dort, wo es notwendig sei, lokal eigene Mehrwertdienste in Anspruch zu nehmen. „Leistungserbringer wollen nicht einfach nur Daten austauschen, sondern es geht um use cases, also darum, sie in ihrer jeweiligen Behandlungssituation durch intelligente Lösungen zu unterstützen.“

Mehrwertdienste

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Dr. Christian Kaiser
Quelle: Leiter Digital Services Central Western Europe, Siemens Healthineers

Um den digitalen Datenaustausch voranzutreiben, ist das System auch für Angebote von Drittanbietern ausgelegt und soll es diesen ermöglichen, Apps und andere digitale Dienste in die Plattform zu integrieren. Zu den Mehrwertdiensten zählen beispielsweise das Einbinden der ePa, strukturierte oder institutsübergreifende Dienste sowie die virtuelle Visite oder Online-Therapien. „Wir wollen möglichst viele Mehrwertdienste auf unserer Plattform sehen, weil wir überzeugt sind, dass die Vielfalt unserer Plattform zum Erfolg verhilft“, sagte Dr. Christian Kaiser, Leiter Digital Services Central Western Europe, Siemens Healthineers.

Der Datenschutz

Das geplante Netzwerk, das zahlreiche Einrichtungen deutschlandweit vernetzen soll, verbindet zwei essenzielle Dienste: das Patientenregister und den Dokumentenindex. Das Patientenregister verwaltet die Identitäten (demographische Daten wie Namen oder Kontaktdaten) von Patienten, die von den Teilnehmern der Plattform angemeldet wurden. Grundlage dafür ist das Einverständnis der betroffenen Person. Die Hauptaufgabe des Patientenregisters besteht darin, die unterschiedlichen Daten einer Person teilnehmerübergreifend korrekt zu einer Identität zusammenzuführen.

Der Dokumentenindex übernimmt die Administration der Dokumente, die Teilnehmer der Plattform zur Verfügung stellen. Auch die Bereitstellung neuer Dokumente ist nur mit der gültigen Einwilligungserklärung der betroffenen Person möglich. Die Dokumente bzw. Daten werden nicht zentral, sondern bei dem jeweils bereitstellenden Teilnehmer, zum Beispiel dem Krankenhaus, gespeichert. Ziel ist also nicht, eine weitere digitale Aktenlösung zu etablieren.

Aus Sicherheitsgründen teilen die Unternehmen die Dienste auf zwei in Deutschland befindliche Rechenzentren auf. Siemens betreibt das Patientenregister und IBM den Dokumentenindex. „Das Patientenregister kennt den Patienten zwar, erzeugt aber ein Pseudonym. Dieses wird benutzt, um angemeldete Dokumente entsprechend zu adressieren bzw. zu organisieren. IBM erhält keinen Aufschluss darüber, welche Dokumente zu welchen Patienten gehören. IBM kann auch kein sogenanntes Profiling durchführen“, erklärte Saboor.

Zudem stellt die Aufteilung sicher, dass im Fall eines Hackerangriffs nur ein Teil der Daten kompromittiert wird. Eventuell erbeutete Daten sind ohne das jeweils passende Gegenstück für den Angreifer wertlos.

Erste Anwendungen

„Patienten interessieren sich nicht für die Hindernisse im Gesundheitswesen – sie brauchen schnelle Lösungen“, sagte Prof. Dr. Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. „Der innovative Mehrfachstecker kann zur digitalen Evolution verschiedenster Anbieter und Anwendungen beitragen. Ziel ist es, mit hochpersonalisierten Angeboten und gewonnener Zeit für menschliche Zuwendung die Effizienz eines Krankenhauses für den Patienten fühlbar zu steigern. Das Konzept aus Vernetzung, Mehrwert für den Patienten und Informationsgewinn für Arzt und Pflege kann dazu beitragen“, so Scholz.

Das Universitätsklinikum zählt zu den ersten Nutzern der Plattform, die ebenfalls an der Berliner Charité getestet wird. „Digitalisierung steht bei uns weit oben auf der Agenda. Dabei spielt der Datenaustausch regional oder – zum Beispiel im Rahmen der Forschung – auch überregional eine ganz zentrale Rolle. Dazu nutzen oder testen wir verschiedene Plattformtechnologien, auch die digitale Plattform von Siemens Healthineers“, sagte Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité - Universitätsmedizin Berlin.

11.01.2021

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