Neues aus der Thermoküche?

Gibt es wenig – dafür umso mehr Handlungsbedarf bei der Werbung für die Methoden. Prof. Dr. Thomas Helmberger, Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin im Klinikum Bogenhausen, ist ein anerkannter Gesprächspartner für Belange der interventionellen Radiologie. Auch wir haben ihn schon häufiger befragt, zuletzt für die „Radiologia bavarica“.

Prof. Dr. Thomas Helmberger
Prof. Dr. Thomas Helmberger

 

RöKo Heute: In unserem letzten Gespräch war die Mikrowelle das Neueste vom Neuen bei der Therapie von Leber-, Nieren- und Lungentumoren. Wie hat sich das Verfahren entwickelt?
Helmberger: Bahnbrechend Neues gibt es nicht zu berichten – und das, was wir an innovativen Entwicklungen testen, sind Geräte der dritten Generation, die höhere Leistungen oder eine bessere Ablationskontrolle erlauben. Aber auch in der kalten Küche gibt es neue Entwicklungen. Die Kryo-Ablation ist ja nicht wirklich neu, neue Sondenentwicklungen in Richtung kleinerer Sonden und verbesserter Kühlung sind jedoch sehr vielversprechend. Abgesehen von technischen Neuerungen im Kleinen liegt die Problematik vielmehr darin, die Palette der Methoden überhaupt publik zu machen und zu einer stabilen Datenlage zu kommen. Das ist unser großes Thema.

Wie wollen Sie dafür sorgen?
Zum einen durch die Einflussnahme bei radiologischen und interventionellen Kongressen und zum anderen durch den Schulterschluss mit den onkologischen und chirurgischen Fachgesellschaften, um die Indikationen besser zu definieren und zu etablieren. Damit die Methoden einen Widerhall in den Leitlinien finden, muss die entsprechende Evidenz vorhanden sein, die nur durch solide Studien – wobei die Studienlage mittlerweile schon sehr gefestigt ist – erzeugt werden kann. Um diese voranzutreiben, sind die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) und die Deutsche Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR) in verschiedenen Gremien interdisziplinärer Fachgesellschaften vertreten, darunter in der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und in der Arbeitsgemeinschaft Interventionelle Onkologie (AIO). Sie stellten außerdem Vertreter in Gremien zur Leitlinienerstellung beim HCC und bei der Behandlung des kolorektalen Karzinoms. Diese Gremienarbeit muss unbedingt intensiviert werden, um die Methoden insbesondere bei Nichtradiologen als Therapieoptionen bekannter zu machen. Und nicht nur das! Sie sollen bitte genutzt werden, damit der Patient in Abwägung der individuellen Situation auch in den Genuss dieser neuen Verfahren kommt.

Warum ist die Studien- beziehungsweise Datenlage so schwierig?
Das liegt am onkologischen Thema und daran, dass der Radiologe einen Krebspatienten nicht zuallererst und schon gar nicht allein behandelt. Der Radiologe wird nur in wenigen großen Zentren direkt angesprochen. Ansonsten ist der Patient in den Händen des Onkologen oder des onkologischen Chirurgen und wir machen Bilder. Bietet der Radiologe interventionelle Leistungen an, auf die der Onkologe nicht zurückgreift, oder werden diese beispielsweise nicht in einem interdisziplinären Tumorboard diskutiert, dann werden interventionell onkologische Verfahren auch nicht berücksichtigt. Das lokale Setting muss so aussehen, dass der Interventionelle Radiologe auch zum Zug kommen kann. Bei den thermoablativen Verfahren, für die mittlerweile exzellente Daten für die Behandlung von Leber- oder Nierentumoren vorliegen, sehen wir, dass von einer breitflächigen Verbreitung der Methode keine Rede sein kann.

Aber gerade die Tumorboards könnten da Abhilfe schaffen, denn dort sprechen doch alle mit allen?
Das ist richtig. Sie sind sozusagen eine Conditio sine qua non – ganz besonders, wenn sich Institutionen als Tumorzentrum von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizieren lassen wollen. Nur werden diese Tumorboards sehr unterschiedlich gelebt. Stellt der Radiologe im Board die Intervention als therapeutische Möglichkeit nicht vor, wird es sie dort auch nicht geben. Wir müssen deshalb an dieser Stelle viel proaktiver werden. Da ist vom Radiologen mehr gefordert als bisher: Er muss mit dem Patienten sprechen, die Anamnese durchführen, ihn auf Station betreuen, die Nachsorge im Auge haben und sich mit den anderen ärztlichen Partnern abstimmen – eine beträchtliche Ausweitung der Aufgaben unseres Faches, die Einsatz erfordert, sich aber auch für das Krankenhaus lohnt.

Veranstaltung
Raum Eberlein
Mi., 28.05.2014,
14:10 - 14:35 Uhr
Ablation & Embolisation von Lungentumoren
Helmberger T. / München
Session: DeGIR-Spezialkurs – Onkologische Interventionen (Modul D)

23.05.2014

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