Vermeidbare Kosten

Lösungspaket soll böse Überraschungen für Patienten verhindern

Medikationssicherheit, Antibiotikaresistenz, Diagnosefehler, Dekubitus, Blutvergiftung etc. werden die vermeidbare Kostenbelastung in der Gesundheit auf 383,7 Milliarden US-Dollar bis 2022 ansteigen lassen, ermittelte Frost & Sullivan.

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Die aktuelle Frost & Sullivan Studie Patient Safety in Healthcare, Forecast to 2022 untersucht die 30 wichtigsten unerwünschten Ereignisse in Bezug auf die Sicherheit von Patienten, Pflegekräften und Gesundheitsorganisationen auf der Welt. Geballt ergaben solche unerwünschten Ereignisse geschätzte 91,8 Millionen Patientenaufnahmen in den USA und Westeuropa, die in ca. 1,95 Millionen Todesfällen bei einer durchschnittlichen Sterblichkeit von 2,1 Prozent und einer signifikant höheren Mortalität resultierten. Die Studie untersucht zudem innovative und vielversprechende Lösungen, zukünftiges Marktpotenzial, die Konvergenz neuer Technologien, die wichtigsten Marktteilnehmer, die Wettbewerbslandschaft sowie Investitionstendenzen.

In den nächsten vier Jahren werden unerwünschte Ereignisse bei der Patientensicherheit, wie etwa therapieassoziierte Infektionen, Blutvergiftung, Medikationssicherheit, Dekubitus, Diagnosefehler, Antibiotikaresistenz sowie Nichteinhaltung von Handhygienevorschriften eine geschätzte Kostenbelastung von 383,7 Milliarden US-Dollar verursachen. Während einige der genannten Vorkommnisse, beispielsweise die Medikationssicherheit und der Verstoß gegen die Handhygienevorschriften, verhältnismäßig leicht mit Hilfe aktueller Branchenlösungen behoben werden können, stellen wenig berücksichtigte Bereiche wie die Antibiotikaresistenz, Dekubitus, Blutvergiftung und die unnötige Belegung der Notaufnahme vielversprechende Wachstumsmöglichkeiten für die Zukunft in Aussicht.

Bis zu 17 Prozent aller Krankenhauseinweisungen sind von einem oder mehr unerwünschten Zwischenfällen betroffen

Anuj Agarwal

Weitere Trends, die das Wachstum im Markt für Patientensicherheit anfachen werden, umfassen:

  • eine Bewegung in Richtung werte- und qualitätsorientierter Vergütungsmodelle;
  • Fortschritte bei medizinischen, chirurgischen und Patientenversorgungstechnologien;
  • die Integration von medizinisch-technischen und digitalen Gesundheitstechnologien, wie etwa Data Analytics, Fernüberwachung und -kontrolle;
  • Dateninteroperabilität und eine erweiterte Nutzung von Predictive Analytics zur Verbesserung des  Ergebnisses; sowie
  • die aufkommende Nutzung neuer Technologien wie Blockchain, künstliche Intelligenz und Wearables, die den Verstoß gegen die Patientensicherheit minimieren.

„Bis zu 17 Prozent aller Krankenhauseinweisungen sind von einem oder mehr unerwünschten Zwischenfällen betroffen und ca. 15 Prozent der Krankenhausausgaben werden darauf verwendet, diese zu unterbinden. Die Tatsache, dass 30 bis 70 Prozent davon potenziell vermeidbar wären, macht es dringend erforderlich, diese von Anfang an zu verhindern,” sagt Anuj Agarwal, Transformational Healthcare Senior Research Analyst bei Frost & Sullivan. „Um Wachstumschancen wahrzunehmen, sollten Leistungserbringer und Marktteilnehmer ihr Leistungsversprechen bei der Patientensicherheit hinsichtlich der wenig durchdrungenen Bereiche mit disruptivem Potenzial wie Antibiotikaresistenz, Cybersicherheit, vermeidbare Einweisung in die Notaufnahme, Dekubitus und Blutvergiftung ins Visier nehmen.”

Für die nächsten vier Jahre prognostiziert Frost & Sullivan die folgenden Entwicklungen:

  • der Übergang der Patientensicherheit von einem untergeordneten hin zu einem wesentlichen Leistungsversprechen für Pflegeanbieter;
  • Hohe Annahme von Patienten- und Asset Tracking sowie Identifikationstechnologien;
  • eine zunehmende Konsolidierung in der Industrie mit großen medizinisch-technischen Unternehmen, die gezielte Lösungen für wichtige, bisher ungedeckte Bereiche bereitstellen;
  • hohe Nutzung von telemedizinischen Technologien, wie das Internet der medizinischen Dinge (IoMT) in Verbindung mit zunehmendem Gesundheitsdatenaustausch, der zu einem disproportionalen Anstieg von Cybersicherheitsrisiken führen wird. Der Schutz gesundheitlicher Daten (engl. protected health information (PHI) als auch der Datenschutz in der Medizintechnik bzw. bei medizinischen Implantaten wird dadurch beeinträchtigt; und
  • Kooperationen zur Entwicklung von Leitliniendokumenten und strategischen Konzepten für Best Practices zur Risikominderung. 

„Fehlende Klarheit in Hinblick auf verfügbare Geschäftsmodelle, fragmentierte und isolierte Lösungen von Anbietern, die spezifische Probleme in einem bestimmten Segment angehen, und die Uneinigkeit in Bezug auf perfekte Lösungen in der Patientensicherheit sowie Implementierungskosten gehören zu den größten Hürden, die der Markt derzeit bewältigen muss,” schließt Agarwal.


Quelle: Frost & Sullivan

26.04.2018

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