In diesem Jahr leiten Prof. Dr. Thomas Kröncke (links) und Prof. Dr. Ansgar...
In diesem Jahr leiten Prof. Dr. Thomas Kröncke (links) und Prof. Dr. Ansgar Berlis die Jahrestagung der Bayerischen Röntgengesellschaft im Doppelpack.

Grußwort

Gemeinsam stark

In Augsburg erwarten die Besucher gleich zwei Kongresspräsidenten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Zusammenarbeit in der Radiologie vorzuleben und voranzutreiben.

Wofür steht Augsburg als diesjähriger Gastgeber des Kongresses?

Ansgar Berlis: Wer nach Augsburg kommt, denkt zunächst einmal an prachtvolle Renaissancebauten oder die weltberühmte Fuggerei. Es gibt hier aber auch die architektonische Besonderheit von Kirchengebäuden der römisch-katholischen und evangelischen Gemeinden, die Wand an Wand gebaut sind. Diese Doppelkirchen sind ein Symbol des Religionsfriedens und der Parität.

In Augsburg leben wir dieses Prinzip des „ökumenischen Zusammenstehen“ auch an unserer Klinik, die Thomas Kröncke und ich gleichrangig leiten. Auf diese Weise können wir viele Aufgaben, die unsere verschiedenen Schwerpunktbereiche gemeinsam betreffen, auch gemeinsam lösen. Dazu zählt insbesondere die Ausbildung des Nachwuchses, der in hohem Maße von der breit gefächerten Kompetenz vor Ort profitiert.

Thomas Kröncke: Als Radiologen zusammenzustehen und uns in Bayern gut zu vernetzen sind auch die Stichworte mit Blick auf die Zukunft des Universitätsklinikum Augsburg innerhalb der medizinischen Landschaft in Bayern. Durch den Ausbau des Klinikum Augsburg zum Universitätsklinikum gewinnt Augsburg als Standort für die medizinische Lehre und Forschung enorm an Bedeutung. Mit der wissenschaftlichen Schwerpunktausrichtung „Medical Information Sciences“, der sich mit der Auswertung klinischer Daten beschäftigt, wird hier etwas deutschlandweit Einzigartiges geschaffen, das uns alle in der Region voranbringen wird. Denn Daten kann man nicht horten, um sie nutzbar zu machen, man muss sie teilen. Im Rahmen des Bayerischen Krebsnetzwerkes sind wir bereits auf einem guten Weg. Dabei hat sich gezeigt, dass gerade die radiologischen Bilder mehr brauchbare Daten liefern, als es auf den ersten Blick scheint.

Was macht den Bayerischen Röntgenkongress in Ihren Augen besonders?

Wir sind in den Abteilungen auf gut geschulte Mitarbeiter angewiesen, die bereit sind, sich aktiv einzubringen

Ansgar Berlis

Thomas Kröncke: Der BRK ist eine Fortbildungsveranstaltung, der klinische und niedergelassene Ärzte gleichermaßen anspricht. Das spiegelt sich auch in den Vorträgen wider, in denen Referenten beider Bereiche vertreten sind. Auch hier lautet die Botschaft: Zusammen sind wir stärker! Auch in Hinblick auf den ökonomischen Druck und die Begehrlichkeiten anderer medizinsicher Disziplinen, denen wir uns vermehrt ausgesetzt sehen. Der Wert unserer Arbeit wird zunehmend kritisch hinterfragt. Da ist es wichtig, unsere klinischen Fähigkeiten deutlich ins Spiel zu bringen. Wenn wir dazu nicht in der Lage sind, kann auch jemand anderes oder ein Computer unseren Job erledigen.

Ansgar Berlis: Auch deshalb bietet der BRK für MTRAs Kursangebote auf extrem hohen Niveau. Wir sind in den Abteilungen auf gut geschulte Mitarbeiter angewiesen, die bereit sind, sich aktiv einzubringen. Dazu gehört es, methodische Vorgehensweisen durchaus kritisch zu hinterfragen. Das setzt natürlich voraus, dass man sich in Diagnostik und Therapie gut auskennt. Für alle im Team gilt der Grundsatz: Sie können einem Patienten nur dann helfen, wenn Sie wissen, was Sie tun.

Welche Programmhighlights erwarten die Besucher?

Nach vielen Jahren ist der Prostata-MRT der Sprung von der Diagnostik in die Diagnoseabsicherung gelungen, sodass die Radiologie in der kurativen Behandlung des Prostatakarzinoms nun ganz vorne mitspielt

Thomas Kröncke

Ansgar Berlis: Wir bieten in diesem Jahr spannende Einblicke in die Welt der Neuroradiologie. Erstmals findet ein Hands on-Workshop zur mechanischen Rekanalisation statt. Die Behandlung des akuten Schlaganfalls hat in den letzten Jahren viel dazu beigetragen, dass Allgemeinradiologie und Neuroradiologie sich näher gekommen sind.

Nachdem 2015 die empirische Evidenz für die Wirksamkeit der Behandlungsmethode endgültig erbracht worden ist, fangen nun auch die klinischen Fächer an, vermehrt Interesse an ihrer praktischen Ausübung zu zeigen. Letztlich entscheidend ist nicht die Frage, wer die Intervention durchführt, sondern was ihn dafür qualifiziert? Deshalb haben die DGNR und der DeGIR ein strukturiertes Weiterbildungskonzept ausgearbeitet, das die gleichbleibend hohe Qualität der rekanalisierenden Maßnahmen auch in Zukunft sicherstellen soll.

Wir brauchen die Spezialisierung und die klinische Erfahrung in den Teilbereichen der Radiologie. Nur dann können wir unseren Kollegen aus den „praktischen“ Fächern auf Augenhöhe zu begegnen.

Thomas Kröncke: 
Der Erwerb von Zusatzqualifikationen in den Teilbereichen der Radiologie spielt auf dem diesjährigen Kongress eine zentrale Rolle. Viele sehen die Spezialisierungen erst einmal als zusätzliche Hürde. Letztendlich stärken sie aber unser Fach, weil sie uns zu Experten auf bestimmten Gebieten machen. Neben den Neurointerventionen bieten wir erstmals auf der Jahrestagung einen zertifizierten Kurs zur Herz-CT und bundesweit zum ersten Mal einen zertifizierten Kurs zur strukturierten Befundung der Prostata an. Nach vielen Jahren ist der Prostata-MRT der Sprung von der Diagnostik in die Diagnoseabsicherung gelungen, sodass die Radiologie in der kurativen Behandlung des Prostatakarzinoms nun ganz vorne mitspielt.

Deshalb müssen wir die Allgemeine Radiologie und die Interventionelle Radiologie zusammendenken. Denn die Bildgebung öffnet uns nicht nur die Tür zur Diagnostik, sondern auch zu zahlreichen therapeutischen Optionen – wenn wir diese nutzen. Dazu müssen wir hinter unseren Bildschirmen hervorkommen und uns in den Gremien, den Tumorboards und interdisziplinären Konferenzen mit den Kollegen an einen Tisch setzen und mitdiskutieren. Diesen Schritt müssen wir aktiv wagen und nicht darauf warten, dass andere uns eine Rolle zuweisen.

27.09.2018

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