Kardiologie

GATA4 bietet Erholung fürs Herz

MHH-Wissenschaftler erforschen, wie sich das sehr junge Herz nach einem Infarkt regeneriert. Ist dies ein erster Schritt in Richtung Therapie für ältere Herzen?

Erstautorin der Studie Dr. Mona Malek Mohammadi und Professor Dr. Jörg Heineke.
Erstautorin der Studie Dr. Mona Malek Mohammadi und Professor Dr. Jörg Heineke.

Menschliche Herzen können sich von einem Infarkt kaum erholen, das Gewebe kann sich nicht regenerieren. Anstelle von Muskelzellen und Blutgefäßen entsteht Narbengewebe, das nicht zur Pumpleistung des Herzens beitragen kann. Häufig entwickelt sich daher eine Herzschwäche. Bei Mäusen hatten Forscher aber eine hohe Regenerationsfähigkeit beobachten können – zumindest direkt nach der Geburt: Wenn die Tiere während der ersten Lebenswoche einen Infarkt bekommen, ist ihr Herz nach 21 Tagen wieder wie neu. Auch bei einem neugeborenen Menschen hatte man dieses schon einmal beobachten können: Das Herz konnte sich von einem Infarkt, der direkt nach der Geburt passiert war, nach ein paar Monaten vollständig erholen.

Warum funktioniert die Herzregeneration nur kurz nach der Geburt, anschließend aber nicht mehr? Eine Antwort auf diese Frage hat das Team um Professor Dr. Jörg Heineke aus der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gefunden. Die Forscher konnten am Mausmodell zeigen, dass es kurz nach der Geburt in den Herzmuskelzellen sehr hohe Spiegel des Transkriptionsfaktors GATA4 gibt. Transkriptionsfaktoren sind Moleküle, die mehrere Gene an- oder abschalten und so die Entstehung von Proteinen steuern. Im Laufe einer Woche nach Geburt war von GATA4 immer weniger vorhanden und parallel dazu nahm auch die Regenerationsfähigkeit des Herzens nach und nach ab. „Wenn GATA4 auch am siebten Tag noch so hoch war wie am ersten, dann bleibt die Regenerationsfähigkeit des Herzens stabil“, erläutert Professor Heineke. Mäuseherzen ohne GATA4 konnten nach einem Infarkt nicht regenerieren, während eine Erhöhung der GATA4-Spiegel die Regenerationsfähigkeit verbesserte.

Die Wissenschaftler gingen noch einen Schritt weiter und widmeten sich dem ersten Protein, das vermehrt entsteht, wenn viel GATA4 vorhanden ist. Es heißt Interleukin 13. Bei Mäusen ohne GATA4 verbesserte sich die Regenerationsfähigkeit des Herzens, wenn sie Interleukin 13 bekamen. „Die Herz-Regeneration lässt sich durch Interleukin 13 zumindest bei Mäusen verbessern. Möglicherweise könnte dies ein erster Schritt sein, um therapeutisch auch beim Menschen die Erholungsfähigkeit des Herzens nach Infarkt zu steigern“, sagt Professor Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie.


Quelle: Medizinische Hochschule Hannover

10.01.2017

Mehr aktuelle Beiträge lesen

Verwandte Artikel

Photo

Herz im Blick

Rhythmusstörungen: Was bringen implantierbare Ereignisrekorder?

Implantierbare Ereignisrekorder erlauben die kontinuierliche Aufzeichnung von Herztönen und kommen häufig bei der Nachsorge von Patienten mit Herzrhythmusstörungen zum Einsatz. Auf den Herztagen…

Photo

Helfer im Immunsystem

Heilung nach Herzinfarkt: Forscher finden die "Nadel im Heuhaufen"

Lange hat Dr. Gustavo Ramos danach gesucht, jetzt hat er ihn gefunden: Den Teil des Proteins, der für die Bildung der T-Zellen verantwortlich ist, die als Helferzellen des Immunsystems eine frühe…

Photo

DES bei ST-Hebungs-Myokardinfarkt

BIOSTEMI-Studie: Orsiro oder Xience?

Aktuelle Daten der BIOSTEMI Studie zeigen dass Patienten, die mit Biotroniks ultradünnem Medikament-beschichteten Orsiro Stent behandelt wurden, nach zwölf Monaten deutlich weniger Fälle von…

Verwandte Produkte

Eppendorf – Mastercycler nexus X2

Research Use Only (RUO)

Eppendorf – Mastercycler nexus X2

Eppendorf AG
Sarstedt – Low DNA Binding Micro Tubes

Research Use Only (RUO)

Sarstedt – Low DNA Binding Micro Tubes

SARSTEDT AG & CO. KG
Shimadzu – CLAM-2030

Research Use Only (RUO)

Shimadzu – CLAM-2030

Shimadzu Europa GmbH