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Labor-Kapazitäten aufrechterhalten

Experten fordern: Bei Corona-Tests Maß halten

Die Corona-Pandemie stellt das deutsche Gesundheitswesen und die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Insbesondere die fachärztlichen Labore arbeiten mit Hochdruck jeden Tag – zum Teil im Dreischichtbetrieb – daran, die steigenden Anforderungszahlen von Tests auf das Coronavirus SARS-CoV-2 zu bewältigen.

Dafür gab es während der jüngsten Pressekonferenz des Bundesgesundheitsministeriums auch viel Anerkennung von Minister Jens Spahn: "Im Vergleich zu anderen Ländern haben wir einen echten Mehrwert dadurch, dass wir so große Laborkapazitäten haben", so der Bundesgesundheitsminister. "Wir schaffen bis heute eine sehr hohe Testzahl in der Woche." 

Seit Ausbruch des Coronavirus in Deutschland arbeiten alle und insbesondere die Akkreditierten Labore in der Medizin daran, die Patientenversorgung mit der erforderlichen und notwendigen Labordiagnostik sicherzustellen. Dr. Michael Müller, 1. Vorsitzender des ALM (Akkreditierte Labore in der Medizin) e.V., erklärt: "Bereits im Februar haben wir eine Abfrage zu Tests und Kapazitäten bei allen Mitgliedslaboren des ALM e.V. aufgesetzt, die wöchentlich montags aktualisiert wird. Dieser Abfrage haben sich in der vergangenen Woche viele weitere Labore angeschlossen, zusammen wurden allein in der KW 12 mehr als 260.000 Tests auf Coronavirus SARS-CoV-2 durchgeführt."

CDC coronavirus test kit
Testkits wie diese kommen in medizinischen Laboren zum Einsatz, um Verdacht auf Infektionen mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 zu überprüfen

Bildquelle: U.S. Centers for Disease Control, CDC 2019-nCoV Laboratory Test Kit, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Insgesamt waren es seit Anfang März mehr als 400.000 Tests: Zahlen, die zeigen, wie leistungsfähig Deutschland im fachärztlichen Labor ist – auch und ganz besonders im Vergleich zu immer wieder zitierten Zahlen aus Südkorea. So befand sich laut aktueller ALM-Datenerhebung für die KW 12 die Tageskapazität auf einem Niveau von knapp über 58.000 Tests pro Tag. "Aus unserer Sicht ist eine ausreichende Testung möglich, sofern die RKI-Richtlinien für die Testindikation eingehalten werden und die Lieferkette seitens der Hersteller für Test-Reagenz und Laborverbrauchsmaterial funktioniert", betont Dr. Müller.

Auch Bundesgesundheitsminister Spahn verwies bei der Pressekonferenz auf die Bedeutung einer funktionierenden Lieferkette: "Engpässe entstehen im Moment an anderer Stelle – bei Reagenzien und Zubehör. Und zwar nicht, weil wir so viel mehr testen, sondern weil der Rest der Welt auch anfängt, viel umfangreicher zu testen." Darüber hinaus betonte der Bundesgesundheitsminister, wie wichtig es sei, Richtlinien im Zusammenhang mit der Testung einzuhalten: "Wir müssen uns schon die Frage stellen, wer wann idealerweise getestet werden soll", betonte er auf der Pressekonferenz. Bei begrenzten Kapazitäten, so der Minister, müsse man genau festlegen, bei wem eine Testung angezeigt ist. Darüber wolle er nochmals mit den Experten sprechen.

Nur, wenn wir als Ärzte in dieser Phase solidarisch alle Ressourcen angemessen einsetzen, kommen wir gut durch die Pandemie

Michael Müller

Die Auswertung des ALM e.V. könnte hierfür eine gute Gesprächsgrundlage sein: Die Datenanalyse zeigt, dass die relative Anzahl positiv getesteter Menschen in vielen Regionen noch immer weit unter 10 Prozent liegt. Das, so die Mitglieder des ALM e.V., sei ein Hinweis darauf, dass zu breit getestet wird und mehr Fokus auf besondere Gruppen wie z. B. Risikopatienten oder Menschen mit auf die Covid-19-Infektion hinweisenden Symptomen gelegt werden sollte.

Der ALM appelliert deshalb – wie die Fachexperten auf Bundes- und Landesebene – an Ärzte in Praxis und Klinik, die Indikationsstellung kritisch zu überprüfen und die Richtlinien des RKI und der EU-Kommission zu berücksichtigen. Denn nicht indizierte Abstriche blockierten überlebensnotwendige Kapazitäten. Keinesfalls sollte aus Sicht der Akkreditierten Labore in der Medizin eine fachärztlich ungeprüfte Selbsttestung von Patienten verfolgt werden. Und schließlich dürfe man auch in Krisenzeiten wie diesen nicht all diejenigen Patient*innen vergessen, die auf andere lebenswichtige Labordiagnostik angewiesen sind. "Nur, wenn wir als Ärzte in dieser Phase solidarisch alle Ressourcen angemessen einsetzen, kommen wir gut durch die Pandemie", mahnt der Dr. Müller.


Quelle: ALM - Akkreditierte Labore in der Medizin

25.03.2020

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