European Health Award geht an das Health Literacy Project

Gut informierte Menschen, die eigenverantwortlich die Regie über ihre Gesundheit übernehmen, entwickeln weniger chronische Krankheiten, fühlen sich gesünder und leben länger. Doch bei dieser Gesundheitskompetenz gibt es in Europa noch große Lücken, warnten Experten/-innen beim European Health Forum Gastein.

Photo: European Health Award geht an das Health Literacy Project
Photo: European Health Award geht an das Health Literacy Project

Das European Health Literacy Project (HLS-EU) wurde heute mit dem mit 10.000 Euro dotierten European Health Award ausgezeichnet. Das der Erforschung und Förderung von Gesundheitskompetenz gewidmete Projekt setzte sich damit gegen fünf andere länderübergreifende Initiativen durch, die für den renommierten Preis des European Health Forum Gastein (EHFG) nominiert waren.

„Im Namen aller Projektpartner/-innen bedanke ich mich für diese Auszeichnung. Sie ist ein wichtiges Signal, denn die Herausforderungen in Sachen Gesundheitskompetenz sind in Europa leider nicht unerheblich. 47 Prozent der Menschen in acht von uns untersuchten europäischen Ländern haben eine unzureichende oder problematische Gesundheitskompetenz. Sie haben also Probleme damit, Gesundheitsinformationen zu verstehen, zu beurteilen, sie auf gesundheitsbezogene Entscheidungen im Alltag anzuwenden und Gesundheitsangebote in adäquater Weise in Anspruch zu nehmen“, sagte HLS-EU-Koordinatorin Kristine Sørensen von der Universität Maastricht. „Mit dem European Health Award werden unsere breit angelegte Zusammenarbeit und unser Engagement für die Erforschung und Förderung von Gesundheitskompetenz in Europa anerkannt.“

Nachteile durch fehlende Gesundheitskompetenz
Wie es um diese Schlüsselkompetenz steht, hat das European Health Literacy Project (HLS-EU) in einem Survey in acht europäischen Ländern erhoben. Gesundheitskompetenz verteilt sich äußerst ungleich zwischen den Ländern. Aber auch innerhalb der Länder sind bestimmte Gruppen benachteiligt, vor allem Senioren/-innen und Menschen mit niedrigem Bildungsniveau oder sozio-ökonomischem Status, sowie tendenziell auch Personen, die ihren eigenen Gesundheitszustand als schlecht bezeichnen. In manchen Gruppen beträgt die Vulnerabilität mehr 60 als Prozent. Das Fehlen von Gesundheitskompetenz hat weitreichende Folgen: Menschen mit wenig Health Literacy werden öfter hospitalisiert, erleiden häufiger Verschreibungs- und Behandlungsfehler und betreiben selten Vorsorge.
„Wir haben den Stand der Gesundheitskompetenz in Europa erhoben, ein europäisches Netzwerk zu diesem Thema aufgebaut und bereits in acht Ländern nationale Expertengremien etabliert. Der European Health Award ist nicht nur eine Anerkennung für diese bisherige Arbeit, sondern motiviert uns auch dazu, weiter an der Verbesserung der Gesundheitskompetenz zu arbeiten“, so Kristine Sørensen.

Förderung grenzüberschreitender Initiativen
Mit dem European Health Award werden Projekte und Initiativen gewürdigt, die zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Europa beitragen. Maßgebliche Kriterien: Es müssen mehrere europäische Staaten beteiligt sein, die Ergebnisse müssen auf andere Länder übertragbar sein und für einen wesentlichen Teil der Bevölkerung oder für größere Gruppen von Menschen einen unmittelbaren Nutzen haben. Unterstützt wird der Preis vom österreichischen Gesundheitsministerium sowie dem Forum der Forschenden Pharmazeutischen Industrie (FOPI).

„Es ist ein zentrales Anliegen des European Health Award, intelligente, wirksame und umsetzbare Initiativen zu fördern, die für eine grenzüberschreitende Kooperation besonders geeignet sind“, betonte EHFG-Präsident Prof. Dr. Günther Leiner. „Das European Health Literacy Project tut dies in vorbildlicher Weise. Mehr als je zuvor müssen Menschen heute selbständig und eigenverantwortlich in gesundheitspolitischen Fragen entscheiden. Es geht unter anderem darum, Empfehlungen für die eigene Gesundheit zu verstehen und entsprechende Konsequenzen daraus zu ziehen, aber auch zu erkennen, welche Informationen relevant und qualitativ zuverlässig sind. Das ist keine einfache Aufgabe angesichts der Informationsflut. Diese Kompetenz zu fördern ist auch eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass die Ressourcen des Gesundheitssystems in effizienter und effektiver Weise genutzt werden.“

In das Finale für den European Health Award 2012 kamen insgesamt sechs grenzüberschreitende Projekte zu einer breiten Palette von Themen wie Brustkrebsvorsorge, Epidermolysis bullosa, Diabetes, Kinderernährung oder Tabaksteuern. Das EHFG ist der wichtigste gesundheitspolitische Kongress der Europäischen Union, mehr als 600 Entscheidungsträger aus 45 Ländern diskutieren vom 3. bis 6. Oktober 2012 bereits zum 15. Mal zentrale Zukunftsthemen der europäischen Gesundheitssysteme.
 

04.10.2012

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