Nachhilfe II

Die Klaviatur des Ultraschalls: Knöpfe drücken und ausprobieren

Die Ultraschalldiagnostik unterscheidet sich maßgeblich von anderen bildgebenden Verfahren darin, dass sie anwenderabhängig ist. Dank der Möglichkeit, Voreinstellungen zu verwenden, kann zwar inzwischen praktisch jeder Mediziner eine Ultraschalluntersuchung durchführen.

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Bernhard Gaßmann, Autor, Referent und Berater in der Ultraschalldiagnostik

„Doch der Untersucher muss wissen, was mit dem Ultraschallbild passiert, wenn er Knöpfe, Schalter, Hebel bewegt“, warnt der Physiker Bernhard Gaßmann, seit Jahrzehnten in der Fortbildung für Ärzte in der Ultraschalldiagnostik als Autor, Referent und Berater tätig.

Presets heißen die Voreinstellungen, gedacht als Serviceleistung der Hersteller, die es dem Anwender ermöglichen, mit dem Betätigen nur eines Knopfes eine Untersuchung, im Zweifelsfall auch mehrere nacheinander in großer Geschwindigkeit durchzuführen. Dabei sind Parameter wie Eindringtiefe, Sendeleistung und Lupenfunktion für die verschiedenen Untersuchungsarten vorgegeben. Doch Gaßmann mahnt zur Vorsicht, können damit doch lediglich suboptimale Bilder erzeugt werden.

Junge Ultraschaller haben eine große Ehrfurcht, etwas am Gerät zu verstellen.

Bernhard Gaßmann

Für ein optimales Bild muss der Untersucher noch mal selbst Hand anlegen. Neben den genannten Parametern muss „für die Optimierung der Presets die Fokussierung, die Gesamtverstärkung oder die tiefenabhängige Verstärkung nachgestellt werden“, erklärt Gaßmann und führt fort: „Zudem muss die Sendefrequenz vom Schallwandler (Sonde) optimiert werden und dessen Position für die gewählte Schnittebene muss genau abgestimmt sein. Darüber hinaus spielt auch die Lagerung und die Mitarbeit des Patienten eine große Rolle, indem er gebeten wird, sich auf die Seite zu legen, die Luft anzuhalten, tief ein- oder auszuatmen.“ Besonders die richtige Nutzung des Schallwandlers stellt jüngere Anwender vor eine Herausforderung. Es klingt einfach, wird aber trotzdem nicht immer beachtet: Der Fokuspunkt muss auf die betroffene Stelle gesetzt werden. Und wo liegt das Problem? Junge Ultraschaller haben eine große Ehrfurcht, etwas am Gerät zu verstellen.

Ultraschall der Gefäße

Bei der Gefäßdiagnostik ist es der Verlauf, der qua Ultraschall beobachtet wird. „In der Gefäßdiag-nostik suchen wir häufig nach Plaques. So gibt es Kalkablagerungen, die im B-Bild nur schwer zu erkennen sind, weil sie kein Signal zum Ultraschallgerät zurückgeben. Hier beginnt die Domäne des Farbdopplers, dank deren ich erkenne, ob der Fluss an einer bestimmten Stelle eine Beschleunigung erfährt. Wird es enger, fließt das Blut an dieser Stelle schneller. Mit dem Pulsdoppler kann dann die Strömungsgeschwindigkeit geprüft werden. Das gibt mir Hinweise darauf, ob sich die Plaques lösen und ins Herz oder noch schlimmer in den Kopf weiterziehen“, erklärt der Experte und weist auf eine weitere potenzielle Fehlerquelle hin: „Bei vorgelagerten Fettschichten ist oft das Bild dahinter nicht gut zu erkennen. Um ein qualitativ gutes Bild zu bekommen, ist Tissue Harmonic Imaging (THI) hilfreich. Diese Technik basiert darauf, mit einer fundamentalen Frequenz zu senden. Beim Durchlaufen des Gewebes entstehen harmonische Schwingungen (zweifache fundamentale Frequenz). Empfangsseitig bedeutet das eine deutliche Auflösungsverbesserung und Wiederholungsechos werden unterdrückt.“

Microbubbles

Die Diagnostik mit Kontrastmittel nimmt erfreulicherweise zu.

Bernhard Gaßmann

„Die Diagnostik mit Kontrastmittel nimmt erfreulicherweise zu“, freut sich Gaßmann. Microbubbles werden eingesetzt, um den Blutfluss zu beobachten. Das Kontrastmittel fließt mit dem Blut, eine Durchblutungslücke in einem Organ weist folglich auf ein Problem hin. Dreht der Anwender die Sendeleistung des Geräts allerdings zu hoch, können die Blasen platzen, weil die eintreffende Druckschwingung vom Schallwandler zu groß ist. „Deshalb ist das A und O der Kontrastmittelsonographie die richtige Einstellung der Sendeleistung“, betont Gaßmann. Bei zu niedriger Sendeleistung produziert das Gewebe keine harmonischen Schwingungen. „Da das Kontrastmittel durch harmonische Bildgebung zu fast 100 Prozent vom Gewebe getrennt wird, sehe ich dann nur Kontrastmittel, nicht mehr das Gewebe.“

Elastographie

„Die Anwendung der Elastographie ist wesentlich von der Erfahrung des Untersuchers abhängig“, merkt der Spezialist an. Sie bietet Vorteile insbesondere bei schweren Erkrankungen wie der Leberfibrose, bei der ein Umbau der Gewebezellen stattfindet. „Dieser Prozess kann dank Elastographie klassifiziert werden und dient der Verlaufskontrolle, denn es kann festgestellt werden, ob der Fibrosegrad unter medikamentöser Behandlung zu- oder abnimmt.

So erzeuge ich ein gutes Ultraschallbild

  • Nur Mut: Optimieren Sie die Presets!
  • Wählen Sie den richtigen Schallwandler. Heute sind Sonden hauptsächlich Breitbandwandler, die einen großen Frequenzbereich abdecken. Das bedeutet, der Anwender muss die Frequenz des Schallwandlers je nach Tiefe des zu untersuchenden Bereichs einstellen.
  • Fokussieren Sie das Schallfeld auf die zu untersuchende Stelle.
  • Nutzen Sie THI und bewegen Sie die Knöpfe. Ausprobieren ist die Devise.
  • Stellen Sie die Gesamtverstärkung richtig ein. Signale, die aus tiefem Gewebe zurückkommen, müssenhöher verstärkt werden, damit sie die gleiche Helligkeit haben.
  • Einstellen des Spatial Compoundings, also die räumliche Zusammensetzung des Ultraschallbildes aus verschiedenen Blickwinkeln. Diese Funktion ermöglicht, Ultraschallbilder aus mehreren verschiedenen Richtungen zu generieren. Das Gerät kombiniert diese zu einem Bild. Der Kontrast wird verbessert und   einige Artefakte werden unterdrückt.

Profil:
Bernhard Gaßmann studierte Physik an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale). Im Institut für Medizinische Physik und Biophysik entwickelten sich die ersten Berührungspunkte mit der Medizin. Ab 1986 war der Diplom-Physiker für die Ultraschalldiagnostik im Klinikum Berlin-Buch verantwortlich. Neben den kaufmännischen und technischen Gesichtspunkten der Ultraschall-diagnostik im Klinikum engagierte er sich bei der Aus- und Weiterbildung der Ärzte. Bis heute ist der Physiker bei der Fortbildung der Ärzte in der Ultraschalldiagnostik als Autor, Referent und Berater tätig.

Veranstaltung:
Raum: A Schwarzhorn
Mittwoch, 23.09.2015, 09:00 Uhr
Technische Fehler: Apparateeinstellung
Bernhard Gaßmann, Deutschland
Session: Anwenderseminar Gefässe: Periphere Venen – Thrombosediagnostik

Raum: A Schwarzhorn
Mittwoch, 23.09.2015, 11:00 Uhr
Technische Fehler: Apparate-einstellung und technische Fehler
Bernhard Gaßmann, Deutschland
Session: Anwenderseminar
Gefäße: Viszerale Gefäße – zu eng? zu weit? zu dick?

23.09.2015

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