Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie

Die Bildgebung der Gallenwege mit MRCP

Nach wie vor hat die Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP) unter Nichtradiologen keinen leichten Stand, wenn es um die Darstellung und Beurteilung der Gallenwege geht.

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Prof. Dr. Hermann Helmberger

Zu Unrecht, findet Prof. Dr. Hermann Helmberger, Chefarzt des Zentrums für Radiologie und Nuklearmedizin am Klinikum Dritter Orden in München. Bei der richtigen Fragestellung und der korrekten Durchführung der Untersuchung birgt das nicht-invasive Verfahren einen hohen diagnostischen Wert, der auch von vielen Gastroenterologen geschätzt wird.

Wir können und wollen das endoskopische Verfahren nicht komplett ersetzen.

Prof. Dr. Hermann Helmberger

„Entscheidend ist die Betrachtung der MRCP als additives und nicht als alternatives Verfahren zur Endoskopisch-Retrograden Cholangiopankreatikographie (ERCP). Wir können und wollen das endoskopische Verfahren nicht komplett ersetzen. Allerdings ist die MRT bei spezifischen diagnostischen Ausschluss-Fragestellungen ein wichtiges Werkzeug im Vergleich zur invasiven Endoskopie“, so Hermann Helmberger, der das Verfahren als einer der Ersten in Deutschland einsetzte. Konkret bedeutet das: Ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass keine Steine im Gallengang lagern und somit keine Ableitung notwendig ist, stellt die MRCP eine effiziente und schonende Untersuchungsform dar. Gleiches gilt für den Fall diffuser Beschwerden, bei denen sich der Untersucher zunächst einen Überblick verschaffen muss, wonach eigentlich gesucht werden soll.

Abb. 1: 74-jähriger Patient mit Cholezystolithiasis vor laparoskopischer...
Abb. 1: 74-jähriger Patient mit Cholezystolithiasis vor laparoskopischer Cholezystektomie. Präoperativ erhöhte Transaminasen und Bilirubin.
Abb. 2: Gleicher Patient: In der ERCP analoger Befund zur MRCP. Das Konkrement wurde präoperativ entfernt.

MRCP, ERCP und Endosonographie

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68-jähriger Patient drei Jahre nach laparoskopischer Cholezystektomie. MRCP mit Lumeneinengung an der Absetzungsstelle des Ductus zysticus durch partielle Unterbindung des Ductus choledochus.

Im Falle der Diagnostik von Gallengangtumoren ist eine genaue Abwägung des diagnostischen Mittels notwendig: „Hier muss sich die MRCP dem direkten Vergleich mit der Endosonographie stellen, die besonders in papillennahen Abschnitten Vorteile besitzt, weil sie keine große Eindringtiefe erfordert. Bei Tumoren, die an der Papille oder im Pankreaskopf sitzen, ist die Endosonographie der MRCP mindestens ebenbürtig“, so der Radiologe, der in diesem Zusammenhang jedoch einen wichtigen Punkt aufgreift: die Qualität der Untersuchungsdurchführung. Denn ein Grund für die Ressentiments der Gastroenterologen gegenüber der MRCP liegt in der teilweise schlechten Qualität der Aufnahmen, die für sie eine Beurteilung erheblich erschweren. Darum lautet der Appell des Experten: „Eine MRCP muss mit Liebe und Umsicht durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass Flüssigkeiten aus dem Magen-Darmbereich nicht den eigentlichen Fluss im Gallengang überlagern; was allerdings auch für die Endosonographie gilt.“

Nüchtern oder mit Kontrastmittel

In diesem Zusammenhang spielt die Vorbereitung des Patienten eine wichtige Rolle und die Beachtung ein paar einfacher Regeln. Idealerweise werden die Aufnahmen morgens erstellt, so dass der Patient bei der Untersuchung nüchtern ist. Ist dies nicht möglich, muss ein negatives orales Kontrastmittel verabreicht werden, das die „uninteressanten“ Areale ausblendet.

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82-jährige Patientin mit schmerzlosem Ikterus. In der MRCP zeigt sich ein Klatskin-Tumor mit linksseitiger intrahepatischer Cholestase durch den zentralen Tumor.

Mit der entsprechenden Sorgfalt lassen sich so Bilder generieren, deren diagnostischer Mehrwert auch den Kritikern der Methode aus den Reihen der Gastroenterologen den Wind aus den Segeln nimmt. Und noch ein Aspekt ist bei der Überlegung zum Einsatz der MRCP wichtig: Bei MRCP handelt es sich um eine zusätzliche Sequenz, die im MRT gefahren wird, nicht etwa um eine zusätzliche Untersuchung. Hermann Helmberger: „Die MRCP ist ein Teil der Untersuchung des oberen Abdomens zur Abklärung der Leber, des Pankreas und eben der Gallenwege. Damit ist der Mehraufwand, der mit diesem Verfahren verbunden ist, wahrlich überschaubar und es spricht sehr wenig dagegen, diese Zusatzsequenz zu nutzen.“

Profil:
Prof. Dr. Hermann Helmberger ist Chefarzt am Zentrum für Radiologie und Nuklearmedizin Nymphenburg, München. Bevor er seine aktuellen Tätigkeiten aufnahm, war er von 1996 bis 2000 Oberarzt und dann Leitender Oberarzt und Direktorenvertretung am Institut für Röntgendiagnostik der TU München. 2009 war Helmberger Präsident des Bayerischen Röntgenkongresses in Murnau, 2012 Präsident des Deutschen Röntgenkongresses in Hamburg.

Veranstaltungshinweis:
Raum: Kultbox
Freitag, 14. Oktober 2016, 10:20 – 10:40 Uhr
Symposium 1: Abdomen 1 – Leber/Galle/Pankreas
Bildgebung der Gallenwege im Zeitalter der MRCP

13.10.2016

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