human brain figurine

Bildquelle: Unsplash/Natasha Connell

Neurodegeneration

Alzheimer: Antikörper-Therapie vielversprechend

Einen vielversprechenden Ansatz zur potenziellen Behandlung von Alzheimer und einer Impfung haben Forscher der University of Leicester und der Universitätsmedizin Göttingen sowie LifeArc entwickelt. Die auf Antikörpern basierende Behandlung und der auf Protein basierende Impfstoff verringerten die Symptome von Alzheimer bei Mausmodellen der Krankheit.

Die Forscher veröffentlichten ihre Erkenntnisse im Fachjournal Molecular Psychiatry.

Statt sich auf die Ablagerungen des Proteins Beta-Amyloid im Gehirn zu konzentrieren, die üblicherweise mit Alzheimer in Verbindung gebracht werden, zielen der Antikörper und der Impfstoff auf eine andere lösliche Form des Proteins ab. Bei dieser wird davon ausgegangen, dass sie hochgiftig ist. Das Protein Beta-Amyloid kommt natürlich als sehr flexibles, schnurähnliches Molekül gelöst vor, das sich zusammenschließen kann, um Fasern und Plaques zu bilden. Bei Alzheimer wird ein hoher Anteil dieser langgestreckten Moleküle verkürzt oder "abgeschnitten".

Unsere Idee war, dass diese konstruierte Form vom Beta-Amyloid möglicherweise als Impfstoff eingesetzt werden könnte, um das Immunsystem dazu zu bringen, Antikörper von der Art TAP01_04 zu produzieren

Mark Carr

Laut Thomas Bayer von der Universitätsmedizin Göttingen war bei klinischen Studien bisher keine der möglichen Behandlungsansätze, die die Amyloid-Plaques auflösen, in Hinblick auf die Verringerung der Alzheimer-Symptome erfolgreich. Manche hätten sogar negative Nebenwirkungen gehabt. Daher hätten die Forscher sich für einen anderen Ansatz entschieden. "Wir haben bei Mäusen einen Antikörper identifiziert, der die verkürzte Form des löslichen Beta-Amyloid neutralisieren kann, der sich aber nicht an normale Formen des Proteins oder Plaques anbinden kann." 

Das Team um Preeti Bakrania bei LifeArc hat diesen Antikörper dahingehend adaptiert, dass ein menschliches Immunsystem ihn nicht als fremd ansieht und somit akzeptiert. Als die Forscher aus Leicester untersucht haben, wie und wo sich dieser "humanisierte" Antikörper mit der Bezeichnung TAP01_04 sich an die verkürzte Form von Beta-Amyloid anband, erlebten sie eine Überraschung. Sie sahen, dass sich das Protein Beta-Amyloid in einer Struktur wie eine Haarnadel auf sich selbst zurückgeklappt hatte. 

Mark Carr vom Leicester Institute of Structural and Chemical Biology zufolge wurde diese Struktur noch nie zuvor bei Beta-Amyloid beobachtet. Dies ermöglichte es dem Team, diese Region des Proteins zu konstruieren, um die Haarnadelform zu stabilisieren und auf die gleiche Art und Weise anzubinden. "Unsere Idee war, dass diese konstruierte Form vom Beta-Amyloid möglicherweise als Impfstoff eingesetzt werden könnte, um das Immunsystem dazu zu bringen, Antikörper von der Art TAP01_04 zu produzieren." Als die Forscher das konstruierte Beta-Amyloid bei Mäusen testeten, produzierten die Mäuse, die diesen "Impfstoff" erhielten, Antikörper von der Art TAP01_04.

In Göttingen haben die Experten den "humanisierten" Antikörper getestet und konstruierten den Bety-Amyloid-Impfstoff TAPAS bei zwei verschiedenen Mausmodellen von Alzheimer. Basierend auf ähnlichen bildgebenden Verfahren, die eingesetzt werden, um Alzheimer beim Menschen zu diagnostizieren, zeigte sich, dass beide - der Antikörper und der Impfstoff - halfen, die Neuronenfunktion wiederherzustellen, den Glukosestoffwechsel im Gehirn zu verbessern, den Gedächtnisverlust wiederherzustellen und auch die Bildung der Plaques zu verringern. 


Quelle: University of Leicester/pressetext

17.11.2021

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