Hals

Ungeliebte Raritäten am Hals

Kostbar und wertvoll sind sie nicht gerade: die Raritäten am Hals. Im Gegenteil kann einem schnell Angst und Bange werden angesichts der seltenen Erkrankungen und Tumoren, die der Hals aufzuweisen hat und die nicht immer einfach zu diagnostizieren sind, wie Prof. Holger Strunk, Radiologische Klinik an der Universitätsklinik Bonn, erklärt.

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Prof. Holger Strunk, Radiologische Klinik an der Universitätsklinik Bonn.

„Wenn Raumforderungen am Hals vorliegen, rücken schnell zwei Haupterkrankungen ins Blickfeld, die meistens einfach zu diagnostizieren sind.“ Das sind zum einen Erkrankungen der Schilddrüse, zum anderen vergrößerte Lymphknoten. Je nach Alter können sich die Lymphknoten entweder durch Infekte oder durch Absiedlungen bösartiger Tumore verdicken. Diese Tumoren erweisen sich zumeist als tastbar und die Diagnosen sind mittels Sonographie vergleichsweise leicht zu stellen.

Schwierig einzuordnen

Es gibt jedoch seltene Erkrankungen, deren Abklärung schwieriger ist: „Stellen Sie sich vor, ein Patient kommt zu Ihnen, der eine schmerzlose Schwellung am Hals hatte, die nach zwei Wochen wieder verschwand. Eine Woche später weist er diese Schwellung erneut auf, bekommt in der Folgewoche Schmerzen und kurz darauf ist auch diese Schwellung wieder abgeklungen“, so Strunk und berichtet weiter, „so etwas ist ziemlich selten, kommt aber vor. Es gibt Lymphgefäße im Hals, die anschwellen oder platzen können. An solche Raritäten denkt man im ersten Moment nicht und kann sie durch Anamnese oder Abtasten auch nicht sofort erkennen.“ Schwierig wird es auch bei folgendem Beispiel: Der Patient weist eine tastbare, spindelförmige und zylindrische Verdickung am Hals auf, ein Befund, der laut Strunk durchaus auch von den Nerven ausgehen kann. „Wenn Sie dies nicht bedenken und hier zur Diagnosesicherung eine Probeentnahme durchführen, wird der Patient große Schmerzen entwickeln. Das muss ja nun nicht sein“, erklärt Strunk.

Die anatomische Enge im Hals

Viele Strukturen und Gefäße liegen im Hals auf engstem Raum zusammen. So gibt es Tumore, die von Gefäßen ausgehen können oder von den ebenso zahlreich durchlaufenden Nerven im Hals. „Die Anzahl an Befunden ist fast unendlich“, gibt Strunk zu. „Deswegen sind die anatomischen Strukturen so wichtig. Die Halsschlagader oder die Schilddrüse kann nahezu jeder mittels Sonographie erkennen. Inzwischen kann man mit den hochauflösenden Schallgeräten allerdings auch die kleinen Strukturen sehr gut ausmachen. Und die muss man im Auge haben, denn es gibt Pathologien, die von diesen Strukturen ausgehen können“, mahnt er. Weil im Hals vieles auf engem Raum zusammen liegt, ist das nicht immer einfach und erfordert genaues Hinschauen und einige Erfahrung. „Oft kann man sich jedoch an Schlüsselbefunden orientieren“, verrät der Experte.

Vergrößerte Nebenschilddrüse links (Adenom; zwischen den Messkreuzen). Davor...
Vergrößerte Nebenschilddrüse links (Adenom; zwischen den Messkreuzen). Davor ist die Schilddrüse zu erkennen sowie etwas rechts daneben, als „schwarze Löcher“, die große Halsschlagader und die Drosselvene.

CT oder Ultraschall?

Dass man heute überhaupt so viel über die engen Räume im Hals weiß, verdanken wir dem Amerikaner Ric Harnsberger, einem weltweit anerkannten Experten auf diesem Gebiet. „Harnsberger hat bereits vor Dekaden die Computertomographie ins Spiel gebracht hat, um von Bindegewebszügeln begrenzte „Räume“ im Hals zu beschreiben. Die CT ist sicherlich sinnvoll, wenn es darum geht festzustellen, welche anatomischen Strukturen in welchen Räumen verlaufen und welche Tumoren davon ausgehen können.“ Das ist vor allem für operative Eingriffe von Bedeutung, denn „der Operateur muss beispielsweise sehen, wo die kritischen Arterien verlaufen, an welcher Stelle er sie gegebenenfalls unterbinden kann, wo die großen Nerven zu finden sind und wie diese verlaufen“, macht Strunk deutlich.

„Dennoch können viele Befunde am Hals mit der Sonographie besser erkannt werden als mit der CT“, stellt Strunk klar. Als Radiologe kann er auf beide Methoden zugreifen und hat so den direkten Vergleich: „Der Ultraschall liefert teilweise eine bessere Dichteauflösung als die CT, insbesondere bei Menschen mit wenig Fett am Hals, wie zum Beispiel Teenager“, macht Strunk deutlich. In der CT wiederum hilft Fett, weil dann die anatomischen Strukturen besser differenziert werden können („fat is your friend“).

Geht es um luftgefüllte Strukturen wie den Kehlkopf, ist die Sonographie wiederum meist nicht hilfreich. Liegt ein Tumor direkt an den Stimmbändern oder oberhalb dieser, ist die CT sogar eindeutig die bessere Methode. „Allerdings fürchte ich, dass viele Zuweiser aus Reflex insgesamt lieber an die Computertomographie überweisen – vermutlich auch deshalb, weil sie mit den CT-Bildern mehr anfangen können, als mit den sonographischen Bildern oder Berichten“, vermutet Strunk abschließend.


Profil:
Prof. Holger Strunk ist Leiter der FE Innere Medizin und der Arbeitsgruppe „Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU)“ an der Radiologischen Universitätsklinik in Bonn. 2009 erhielt der Radiologe die Ehrenmedaille der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) und war von 2002 bis 2012 im Vorstand der DEGUM. Er ist Heraus-geber mehrerer Bücher und zahlreicher
wissenschaftlicher Beiträge.

Veranstaltung
Raum: A Flüela
Freitag, 25.09.2015, 08:30 Uhr
Sonoanatomie des Halses
Holger Strunk, Deutschland
Session: RK Kopf/Hals

24.09.2015

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