Interventionelle Radiologie

Spannende Zeiten in Europa

Die Interventionelle Radiologie (IR) in Europa befindet sich an einem aufregenden Punkt ihrer Entwicklung: Die Bemühungen zur Vereinheitlichung von Ausbildung und Zertifizierung tragen Früchte, das Regulierungsumfeld ist ausgesprochen innovationsfreundlich und die Forschung liefert stetig neue Belege der klinischen Effektivität.

Prof. Anna-Maria Belli
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Prof. Anna-Maria Belli

Kein Wunder also, dass sich Prof. Anna-Maria Belli, Präsidentin der Cardiovascular and Interventional Radiological Society of Europe (CIRSE), über die Dynamik ihres Faches freut – vor allem, weil diese Entwicklung durch die enge Zusammenarbeit der europäischen und weltweiten IR-Gesellschaften ermöglicht wird.

Die Innovationskraft ist für Prof. Belli herausragend: „Die Interventionelle Radiologie ist eine Disziplin, die aus der Innovation entstanden ist, und glücklicherweise fördert das derzeitige Regulierungsumfeld in Europa kontinuierliche Neuerungen. Das CE-Zeichen ist kein perfektes Instrument, aber es ermöglicht europäischen Unternehmen und Ärzten, neue Techniken zu entwickeln, die die Medizin voranbringen. Diese Tatsache zeigt sich auch in den klinischen Ergebnissen, die auf den CIRSE-Tagungen vorgestellt werden.”

Eine Novellierung der EU-Medizingeräterichtlinie wird derzeit verhandelt, und auch wenn es noch zu früh für Prognosen ist, wie sich die neue EU-Gesetzgebung auf die Innovationskraft auswirken wird, so hoffen die interventionellen Radiologen doch, dass sie ihre Arbeit an vorderster Front der medizinischen Forschung zum Wohle der Patienten ausfechten können.

Die CIRSE als Dachverband pflegt enge Beziehungen zu ihren nationalen IR-Sektionen, wobei gerade die österreichische ÖGIR und die deutsche DeGIR sehr wichtige Partner sind. Im April hatte die DeGIR, die größte nationale Sektion der CIRSE, zur jährlichen europäischen Konferenz zum Thema Interventionelle Onkologie (ECIO) in Berlin geladen.

Für Anna-Maria Belli, die selbst Professorin für Interventionelle Radiologie und Oberärztin der radiologischen Abteilung des St George’s Healthcare NHS Trust in London ist, sind die Erfolge jedoch kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Sie drängt darauf, europaweit ein einheitliches Ausbildungsniveau in der IR zu verwirklichen: „Dazu hat die CIRSE sowohl ein IR-Curriculum als auch einen Kompetenztest entwickelt. Gemeinsam sollen sie sicherstellen, dass die angehenden Ärztinnen und Ärzte eine vergleichbare Ausbildung erhalten und vergleichbare Prüfungen absolvieren müssen, bevor sie sich Experten für Interventionelle Radiologie nennen dürfen.“ Das neue europäische Curriculum, der Syllabus für Interventionelle Radiologie und die zunehmende Anerkennung des European Board of Interventional Radiology (EBIR) als internationales Qualifizierungsgremium in der IR seien dabei wichtige Schritte in die richtige Richtung, freut sich Belli: „Ohne den Input, die Unterstützung und das Engagement der nationalen IRGesellschaften in ganz Europa hätten wir das nie geschafft.“

Als nächstes muss CIRSE daran arbeiten, dass die IR in allen europäischen Ländern den Status einer Unterdisziplin erhält. Darüber hinaus hat Prof. Belli ganz klar eine Top-Priorität gesetzt: Die „Unterstützung umfassender Forschung in höchster Qualität, die bestätigt, dass neue Techniken und Technologien sicher, effizient und effektiv sind“. Dazu wurde das CIRSE Research Network gegründet – es soll nicht nur Forschern helfen, Finanzierungsanträge bei der EU zu stellen, sondern auch Register zu entwickeln und zu führen, die die Sicherheit und Wirksamkeit bestimmter Therapien prüfen und die Zusammenarbeit mit anderen klinischen Disziplinen intensivieren. So sollen alle relevanten Aspekte beleuchtet werden, bevor neue Behandlungsmethoden verbreitet werden.

Für Prof. Belli ist der CIRSE-Jahreskongress, der vom 13. bis 17. September in Glasgow statt-findet, eine hervorragende Gelegenheit, den Fortschritt der IR zu begutachten und die bisherigen Erfolge gebührend zu feiern. „Die IR gewinnt zunehmend Anerkennung, aber wir dürfen nicht selbstgefällig werden – dazu gibt es noch zu viele, die der IR skeptisch gegenüberstehen. Daher sollte es meines Erachtens eines der obersten Ziele des Kongresses sein, Allianzen mit unseren Kollegen in Europa und weltweit zu schmieden, damit wir zeigen können, welchen immensen Beitrag die Interventionelle Radiologie heute zur Patientenversorgung leistet“, schlägt Prof. Belli abschließend vor.

 

PROFIL:
Prof. Anna-Maria Belli, Präsidentin der Cardiovascular and Interventional Radiological Society of Europe (CIRSE), ist Prof.in für interventionelle Radiologie sowie Oberärztin an der radiologischen Abteilung des St George’s Healthcare NHS Trust in London. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die Vaskuläre Interventionelle Radiologie, insbesondere das endovaskuläre Management der peripheren Arterienerkankung, Embolisation obstetrischer und gynäkologischer Blutungen und die Behandlung von Gefäßfehlbildungen. Prof. Belli, die Fellow des Royal College of Radiologists ist, war von 2001 bis 2003 Präsidentin der British Society of Interventional Radiology und von 2002 bis 2008 Mitglied des Interventional Procedures Advisory Committee des National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE).

29.05.2014

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