Matilda Forni zeigt einige der ultradünnen Mikroelektroden
Matilda Forni zeigt einige der ultradünnen Mikroelektroden

Bildquelle: Universität Lund; Foto: Agata Garpenlind

Mikroelektroden im Gehirn

Schmerzen weg ohne Nebenwirkung: Vielversprechende Forschung

Forscher der Universität Lund haben ein neues Verfahren zur Bekämpfung von chronischen Schmerzen entwickelt, das keine negativen Nebenwirkungen hat, wie es heißt. Bisher haben die Wissenschaftler allerdings nur mit Ratten experimentiert.

Die Forscher haben ihre Erkentnnisse im Fachjournal Science Advances veröffentlicht.

Das Team um Jens Schouenborg hat ultrafeine Elektroden aus einem gewebefreundlichen Material entwickelt, von denen ein ganzes Bündel ins Gehirn eingepflanzt wird. Diese lassen sich einzeln ansteuern, sodass sich mehrere Regionen des Gehirns stimulieren lassen. "Wir wählen dann bestimmte Elektroden aus, die die Stellen reizen, die Schmerzen registrieren", so Schouenborg. Dieses Verfahren ermögliche eine äußerst präzise und personalisierte Stimulationsbehandlung.

Wir haben eine fast vollständige Schmerzblockade erreicht, ohne ein anderes sensorisches System oder eine motorische Fähigkeit zu beeinträchtigen, was ein großer Durchbruch in der Schmerzforschung ist

Matilde Forni

"Wir haben eine fast vollständige Schmerzblockade erreicht, ohne ein anderes sensorisches System oder eine motorische Fähigkeit zu beeinträchtigen, was ein großer Durchbruch in der Schmerzforschung ist", sagt Schouenborgs Doktorandin Matilde Forni. Im Laufe des seit mehreren Jahren verfolgten Projekts haben die Forscher gewebefreundliche, gelatinebasierte Elektroden und Operationstechniken entwickelt, die es ermöglichten, sie mit sehr hoher Präzision zu implantieren. Die neue Methode soll bei allen Arten von Schmerzen wirken, die vom Rückenmark vermittelt werden, also den meisten.

Heute bekommen Schmerzpatienten starke Medikamente, die Sinne und geistige Funktionen beeinträchtigen und es besteht ein Risiko für eine Drogenabhängigkeit. "Wir haben unsere Methode auch mit der Anwendung von Morphin verglichen, das deutlich weniger Schmerzlinderung liefert", so Schouenborg. Forni glaubt, dass sich die Methode auf Menschen übertragen lässt. Das menschliche Gehirn habe ähnliche Kontrollsysteme wie das der Ratte. Die Elektroden könnten problemlos vergrößert und an den Menschen angepasst werden.

Die Forscher erwarten, dass sie ihre Schmerzbehandlung innerhalb von fünf bis acht Jahren bei Menschen einsetzen können, die besonders starke Schmerzen haben, wie etwa Krebs sie auslöst und bei chronischen Schmerzen in Zusammenhang mit Rückenmarksverletzungen, für die heute keine zufriedenstellende Schmerzbehandlung zur Verfügung stehe.


Quelle: Universität Lund/pressetext

16.10.2021

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