MRT deckt Risiken für einen plötzlichen Herztod auf

Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) oder eine verschleppte Herzmuskelentzündung (Myokarditis) sind häufige Ursachen eines plötzlichen Herztodes bei Sportlern. Die Magnetresonanztomografie (MRT) gilt als eine sichere Methode, um Hauptrisiken möglichst frühzeitig zu identifizieren. Um das Krankheitsbild weiter zu erforschen, hat ein Team um Studienleiterin Dr. Stefanie Mangold von der Universitätsklinik Tübingen dazu mehrere Studien erstellt. Die Ergebnisse wurden auf dem Röntgenkongress, der heute in Hamburg zu Ende ging. Vorgestellt.

Das Studienteam aus Tübingen (von links): PD Dr. Ulrich Kramer, Dr. Stefanie...
Das Studienteam aus Tübingen (von links): PD Dr. Ulrich Kramer, Dr. Stefanie Mangold, Dr. Christiane Bretschneider.
Das Studienteam aus Tübingen (von links): PD Dr. Ulrich Kramer, Dr. Stefanie...
Das Studienteam aus Tübingen (von links): PD Dr. Ulrich Kramer, Dr. Stefanie Mangold, Dr. Christiane Bretschneider.

Das gesundheitliche Risiko der Hochleistungssportler kann mit dem Trainingsprogramm wachsen. Denn, so Studienleiterin Dr. Stefanie Mangold, das Wachstum des Herzmuskels ist ein physiologischer Anpassungsvorgang an intensivierte Trainingsleistungen. Gefährlich aber wird es, wenn es zu einer asymmetrischen Verdickung des Ventrikelseptums, der Scheidewand von linker und rechter Herzkammer, kommt. Dadurch kann der Blutfluss aus der linken Herzkammer in die Hauptschlagader behindert werden. „Dies kann bei hoher körperlicher Belastung unter Umständen tödliche Folgen haben“, erläuterte Mangold. Oberarzt PD Dr. Ulrich Kramer, der die Studie mit verantwortet hat, fügte hinzu: „Das unregelmäßige Wachstum des Herzmuskels kann bereits genetisch bedingt sein.“

Die größte Gefahr an der HCM ist die Unkenntnis: Der Sportler selbst merkt zunächst nichts von diesem ungleichmäßigen Muskelwachstum. Selbst im Ultraschall und EKG lässt sich die HCM nicht immer eindeutig nachweisen. „Eine sichere Diagnosestellung ist häufig erst durch die Magnetresonanztomografie möglich“, sagt Stefanie Mangold. Sie hat zusammen mit ihrem Team 51 Leistungssportler und 25 weitere Probanden mit Hilfe der MRT untersucht. „Die MRT stellt die Organstrukturen sehr genau dar, sodass wir auf den Bildern sehen können, ob das Ventrikelseptum unnatürlich verdickt ist und somit beurteilen können, ob der Befund physiologisch auf die sportliche Belastung zurückzuführen ist oder eine genetisch bedingte Hypertrophie vorliegt.“

Und weitere Risiken erwachsen aus übertriebenen Ehrgeiz: Hochleistungssportler neigen dazu, sich nach einer schweren Erkältung nicht ausreichend zu schonen und zu rasch das Training wieder aufzunehmen. Das kann gefährlich werden, wenn hinter einer scheinbar harmlosen Grippe eine Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) lauert. Unter körperlicher Belastung kann diese in den meisten Fällen durch Viren ausgelöste Entzündung zu schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand führen. „Auch eine Myokarditis ist mitunter schwer mit EKG oder Echokardiographie alleine zu diagnostizieren“, sagt PD Dr. Kramer. In der MRT sehen die Experten allerdings narbige Veränderungen des Herzmuskels mit charakteristischem Verteilungsmuster, in der akuten Phase der Entzündung auch die für die Myokarditis typischen Wasssereinlagerungen (Ödem) am Herzmuskelgewebe.

Dr. Christiane Bretschneider, die als Assistenzärztin zum Studienteam gehörte, hat in einer eigenen Forschung den gesundheitlichen Status von 14 Handballerinnen untersucht. Ihr Ziel war es herauszufinden, ob und in welchem Ausmaß Ballsportarten, die differente Anforderungen an das körperliche Leistungsprofil aufweisen, ebenfalls zu vergleichbaren Anpassungsreaktionen des Myokards führen. Sie untersuchte ebenfalls zwei Gruppen: 14 Bundesliga-Handballspielerinnen mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren und einer Vergleichsgruppe von 14 weibliche Probanden im gleichen Alter. Das Ergebnis am Ende der Forschung fügt sich in das Bild der gesamten Studie und belegt den Wert der MRT. „Die kardiale MRT ermöglicht eine exakte Quantifizierung der Adaptationsvorgänge bei Profi-Sportlerinnen, die sich signifikant von Funktionsparametern eines Probandenkollektives unterscheiden“, sagte Bretschneider in ihrem Vortrag.
Sollte sich aufgrund dieser diagnostischen Genauigkeit jeder Sportler regelmäßig einer MRT unterziehen? „Die regelmäßige Anwendung der MRT ist sicher übertrieben“, sagt Kramer, „allerdings wäre es vorstellbar, dass zukünftig Profisportler wie etwa Fußballer im Rahmen der medizinischen Untersuchungen einer Kardio-MRT zugeführt werden. Und auch der engagierte Amateursportler tut gut daran, im Rahmen eines Check-ups auch über eine MRT-Untersuchung des Herzens nachzudenken – immerhin haben wir in unserem Studienkollektiv bei vier Teilnehmern entzündliche Prozesse des Herzmuskels und bei einem Sportler eine HCM nachweisen können. Alle Teilnehmer fühlten sich dabei subjektiv beschwerdefrei und körperlich fit.“

Autoren: DRG/ Susanne Werner

 

04.06.2011

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