Professor Dr. David Duncker, Dr. Roland Merten, Professor Dr. Hans Christiansen...
Professor Dr. David Duncker, Dr. Roland Merten, Professor Dr. Hans Christiansen und Dr. Stephan Hohmann (von links) an dem Gerät für die Hochpräzisionsbestrahlung.

© Karin Kaiser / MHH

News • Strahlentherapie und Kardiologie

Hochpräzisionsbestrahlung gegen Herzrhythmusstörungen

Strahlentherapie – die meisten Menschen denken dabei an die Behandlung einer Krebserkrankung. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) werden jetzt Strahlen eingesetzt, um Patienten mit Herzrhythmusstörungen zu helfen.

Mit Hochpräzisionsbestrahlung aus Linearbeschleunigern wird genau die Stelle im Herzmuskel behandelt, die für die Rhythmusstörung verantwortlich ist. Das Verfahren ist relativ neu und wird in Deutschland nur in wenigen Kliniken durchgeführt. Es eignet sich für Betroffene, die sehr schwer erkrankt sind und bei denen die herkömmlichen Therapiemethoden nicht ausreichen. Bei der Behandlungsmethode arbeiten Experten der Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie unter der Leitung von Professor Dr. Hans Christiansen und der Klinik für Kardiologie und Angiologie unter der Leitung von Professor Dr. Johann Bauersachs eng zusammen.

Wir können die hochenergetische Strahlung mit millimetergenauer Präzision auf den gewünschten Zielpunkt bringen. So wird der Effekt auf das kranke Gewebe maximiert und das umliegende Gewebe geschont

Hans Christiansen

In Deutschland werden jedes Jahr rund 400.000 Menschen wegen Herzrhythmusstörungen in eine Klinik eingewiesen. Eine häufige Form der Erkrankung ist die sogenannte ventrikuläre Tachykardie, bei der die Rhythmusstörungen von Narbenarealen im Herzmuskel ausgehen. Für die Behandlung gibt es mehrere Möglichkeiten. Dazu gehören Medikamente, die Implantation eines Defibrillators, der bei Kammerflimmern durch Schockabgabe den Herzrhythmus wieder reguliert, sowie die Katheterablation. Bei einer Ablation werden die vernarbten Herzmuskelbereiche über spezielle Katheter verödet. „Dennoch gibt es Patientinnen und Patienten, die trotz der insgesamt sehr guten Behandlungsmöglichkeiten weiterhin lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen haben“, erklärt Professor Dr. David Duncker, Leiter des Hannover Herzrhythmus Centrums (HHC) der Klinik für Kardiologie und Angiologie. 

„Bei der Katheterablation können nicht alle Bereiche des Herzmuskels erreicht werden. Da kann die Hochpräzisionsbestrahlung ihre Vorteile ausspielen“, erläutert Dr. Stephan Hohmann, Oberarzt Rhythmologie am Hannover Herzrhythmus Centrum. Die Hochpräzisionsbestrahlung mithilfe eines Linearbeschleunigers ist bisher vor allem zur Behandlung von Tumoren, beispielsweise Hirnmetastasen, bekannt. „Wir können die hochenergetische Strahlung mit millimetergenauer Präzision auf den gewünschten Zielpunkt bringen. So wird der Effekt auf das kranke Gewebe maximiert und das umliegende Gewebe geschont“, erklärt Professor Dr. Hans Christiansen, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie. Bei der Hochpräzisionsbestrahlung gegen Herzrhythmusstörungen trifft die Strahlung exakt auf die für die Störungen verantwortlichen vernarbten Herzmuskelareale und sorgt für einen Umbau des Gewebes. Die Strahlung kann aus vielen verschiedenen Winkeln und in unterschiedlich hoher Dosis auf das Areal treffen. Der bildgeführte Eingriff dauert zwar nur wenige Minuten, muss in der Klinik für Strahlentherapie auf der Basis der 3D-Bilddaten aus der rhythmologischen Katheteruntersuchung aber aufwändig vorbereitet werden. Ein Medizinphysiker benötigt etwa einen Tag, um am Rechner ein 3D-Modell zu konstruieren, mit dessen Hilfe die Strahlung genau das gewünschte Ziel erreicht. Und die medizinisch-technischen Assistentinnen müssen die Patienten millimetergenau platzieren. 

Die Hochpräzisionsbestrahlung gegen Herzrhythmusstörungen ist ein einmaliger und schmerzloser Vorgang. „Da es sich im Gegensatz zur Katheterablation um ein nichtinvasives Verfahren handelt, eignet es sich auch für Patientinnen und Patienten, die zu krank für einen invasiven Eingriff sind“, stellt Professor Duncker fest. Die Kardiologen und die Strahlentherapeuten der MHH haben das neue Behandlungsverfahren interdisziplinär bisher bei fünf Patienten angewendet und sind damit eines der erfahrensten Zentren in Europa. „Alle haben davon profitiert. Wenn die Rhythmusstörungen auch nicht immer vollständig verschwanden, so konnten die Häufigkeit und die Stärke doch deutlich reduziert werden. Das ist ein Riesengewinn für die Betroffenen“, erklärt Professor Duncker. 


Quelle: Medizinische Hochschule Hannover

13.10.2022

Mehr aktuelle Beiträge lesen

Verwandte Artikel

Photo

News • Strahlentherapie

Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen erfolgreich behandelt

Als einer der ersten Patienten weltweit und als erster Patient in Deutschland konnte am 30. November 2018 ein 79-jähriger Mann mit lebensbedrohlichen und therapierefraktären (d.h. mit üblichen…

Photo

News • Risikomanagement

Brustkrebstherapie: Entwarnung für das Herz

Viele Brustkrebstherapien schädigen das Herz. Doch in der bislang größten Studie ihrer Art zeigen Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg nun: Die Gefahr für…

Photo

Artikel •

Moderne Strahlentherapie schädigt das Herz nicht

Im März 2013 veröffentlichten britische Forscher die Ergebnisse einer Untersuchung zum Risiko von Herzerkrankungen nach Strahlentherapie bei Brustkrebspatientinnen aus Skandinavien.

Verwandte Produkte

Canon – Alphenix Biplane High Definition Detector

Bi-Plane

Canon – Alphenix Biplane High Definition Detector

Canon Medical Systems Europe B.V.
Canon – Alphenix Core

Single Plane

Canon – Alphenix Core

Canon Medical Systems Europe B.V.
Canon – Alphenix Core+

Single Plane

Canon – Alphenix Core+

Canon Medical Systems Europe B.V.
Canon – Alphenix Core+ High Definition Detector

Single Plane

Canon – Alphenix Core+ High Definition Detector

Canon Medical Systems Europe B.V.
Canon – Vitrea Advanced Visualization

Reading

Canon – Vitrea Advanced Visualization

Canon Medical Systems Europe B.V.
Newsletter abonnieren