Quelle: Pixabay/PublicDomainPictures

Sicheres Böllern

Handverletzungen durch Silvester-Feuerwerk vermeiden

Durch unsachgemäßes Anzünden, illegal importierte oder selbstgemachte Feuerwerkskörper und Leichtsinn endet die Silvesterfeier für viele Menschen in der Notaufnahme:

Photo
Prof. Dr. Joachim Windolf, Direktor der Klinik für Unfall- und Handchirurgie, Universitätsklinikum Düsseldorf.
Quelle: UKD

Gerade im Bereich der Hände, des Brustkorbs und des Gesichts kommt es zum Jahreswechsel zu zahlreichen Verbrennungen und Verletzungen durch Böller. Prof. Dr. Joachim Windolf, Direktor der Klinik für Unfall- und Handchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) warnt: „Werden Feuerwerkskörper leichtsinnig genutzt, können Unfälle schwere bis irreparable Schäden auslösen. Bei Verletzungen sollte man unverzüglich einen Spezialisten aufsuchen.“

Gerade Handverletzungen durch Böller und Feuerwerk können die Lebensqualität langfristig einschränken. Neben Verbrennungen und offenen Wunden bis hin zu Amputationen, sind dies vor allem durch den Explosionsdruck der Feuerwerkskörper ausgelöste Gewebeschäden. „Diese Verletzungen sind besonders tückisch, da im ersten Moment das Ausmaß der Verletzung nicht sichtbar ist. Durch die Druckwelle der Explosion kann es zu Verletzungen der feinen Gewebestrukturen in den Händen gekommen sein“, erklärt Prof. Windolf. „Als Folge schwillt das Gewebe im Verlauf weiter an und dies führt zu einer zusätzlichen Druckerhöhung, die schließlich die Durchblutung der Hand gefährdet. Man spricht dann von einem sogenannten Kompartmentsyndrom. Wenn das nicht behandelt wird, können die Finger irreparabel geschädigt werden – da reichen die Folgen von einer Einschränkung beim Halten oder Greifen bis hin zu Taubheit und in schlimmen Fällen zur Amputation einzelner Finger.“

Die Folgen dieses Abends wird der Junge sein Leben lang spüren

Joachim Windolf

Der Leiter der Düsseldorfer Unfallchirurgie rät Betroffenen, nach einem Unfall möglichst schnell eine Klinik mit Handchirurgie aufzusuchen und die Hand von einem Spezialisten behandeln zu lassen. „Vor Ort können wir gegebenenfalls den Druck im Gewebe operativ entlasten. Spezielle Handtraumazentren, wie wir es an der Düsseldorfer Uniklinik sind, sind darauf eingestellt, Notfälle zu jeder Zeit schnell versorgen zu können. Gerade an Silvester sind wir darauf vorbereitet.“

Um Verletzungen von Anfang an zu vermeiden, raten die Experten der Düsseldorfer Klinik für Unfall- und Handchirurgie zu einem umsichtigen Umgang mit Feuerwerkskörpern:

  • Ausschließlich Feuerwerkskörper im Fachhandeln kaufen und auf das CR-Zeichen und die BAM-Prüfnummer (Bundesamt für Materialprüfung) achten
  • Keine selbst gebastelten oder manipulierten Feuerwerkskörper
  • Feuerwerkskörper verwenden, die nicht in der Hand gezündet werden müssen (Bsp. Feuerwerksbatterien)
  • Feuerwerkskörper sicher und nicht am Körper lagern
  • Blindgänger/Feuerwerkskörper, die nicht explodiert sind, nicht erneut anzünden
  • Keine Feuerwerkskörper unter Alkoholeinfluss
  • Feuerwerkskörper gehören nicht in Kinderhand – auf Altersfreigaben achten

Den unverständlichsten Fall hatte Prof. Windolf vor wenigen Jahren an Silvester: „Bei uns wurde ein Junge mit einer schweren Verletzung an der Hand eingeliefert. Sein Vater hatte ihn bei einer Art Mutprobe dazu gebracht, den Böller so lange wie möglich brennend in der Hand zu halten. Er ist in der Hand des Jungen explodiert“, erinnert sich der Handchirurg. „Das macht uns dann auch fassungslos. Feuerwerkskörper sind unberechenbar, können jederzeit explodieren und erheblichen Schaden anrichten. Die Folgen dieses Abends wird der Junge sein Leben lang spüren.“


Quelle: Universitätsklinikum Düsseldorf

31.12.2017

Mehr aktuelle Beiträge lesen

Verwandte Artikel

Feuerwerk

Wenn Silvester beim Augenarzt endet: Jeder dritte Betroffene ist ein Kind

Verletzungen durch Silvesterraketen und Böller betreffen vor allem Kinder und junge Erwachsene bis 25 Jahre. Das ergab eine Erhebung der DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft an deutschen…

EU

Grenzüberschreitend gegen Gesundheitsgefahren

Wie Expertenen beim European Health Forum Gastein berichten, soll eine neue, grenzüberschreitende Initiative zur Gesundheitssicherheit dafür sorgen, dass die EU besser auf grenzüberschreitende…

Weltschlaganfalltag

Mit dem Start ihrer Kampagne „One in Six“ anlässlich des Weltschlaganfalltages am 29. Oktober 2010 fordert die World Stroke Organization (WSO) zum schnellen Handeln im globalen Kampf gegen den…