European Health Award 2014: Sechs Projekte nominiert

Sechs grenzüberschreitende Gesundheitsprojekte wurden jetzt für die Endauswahl zum prestigeträchtigen European Health Award 2014 nominiert.

Der European Health Award Trophäe.
Der European Health Award Trophäe.

Die Themen reichen vom Management psychotischer Erkrankungen oder der Tuberkulose-Aufklärung über perinatale Gesundheit, Pharmakovigilanz und die Notfallvorsorge für den Fall von Gesundheitsbedrohungen bis hin zum plötzlichen Herztod. Aus dieser „Short List“ wird eine hochkarätige Jury das Gewinnerprojekt küren, das Anfang Oktober beim European Health Forum Gastein prämiert wird.

Sechs vorbildliche Gesundheitsprojekte wurden jetzt für den prestigeträchtigen, mit 10.000 Euro dotierten European Health Award 2014 nominiert. Der Preis wird vom österreichischen Bundesministerium für Gesundheit und vom Forum der Forschenden Pharmazeutischen Industrie (FOPI) unterstützt. Eine mit führenden europäischen Gesundheitsexperten besetzte Jury wird den Preisträger aus den Nominierungen auswählen, die Preisverleihung erfolgt im Rahmen des 17. European Health Forum Gastein (EHFG), das von 1. bis 3. Oktober in Bad Hofgastein stattfinden wird.

Mit dem European Health Award werden Projekte und Initiativen zur Förderung der öffentlichen Gesundheit und Gesundheitsversorgung in Europa gewürdigt. Maßgebliche Kriterien: Es muss mehr als ein europäisches Land an dem Projekt beteiligt sein, es muss innovativ und nachhaltig sein, die Ergebnisse müssen auf weitere Staaten übertragbar sein, das Projekt muss ein wesentliches Gesundheitsproblem ansprechen und somit für einen wesentlichen Teil der Bevölkerung oder für größere Gruppen von Patienten/-innen einen unmittelbaren Nutzen haben.

„Es ist ein zentrales Anliegen dieser Auszeichnung, intelligente und wirksame Initiativen zu unterstützen und die Entwicklung von Projekten zu fördern, die für eine effiziente grenzüberschreitende Kooperation geeignet sind”, betonte der Präsident des Internationalen Forums Gastein Prof. Helmut Brand. „In diesem Jahr werden wir im Rahmen des EHFG diskutieren, wie die Visionen eines sozialen und prosperierenden Europa umgesetzt werden können und dass wir politische Entscheidungsträger/-innen und Interessensvertreter/-innen brauchen, die sich für intelligente, nachhaltige und inklusive politische Konzepte engagieren. Der European Health Award trägt dem dadurch Rechnung, dass Projekte präsentiert und prämiert werden, die nachhaltig, innovativ, multinational und bahnbrechend in ihrem Bestreben sind, die Gesundheit in Europa zu verbessern.“ Der European Health Award und das EHFG generell zielen darauf ab, solche Bestrebungen zu fördern. „In der Gesundheitsversorgung gibt es immer das Risiko, dass kurzfristig wirksame Einschnitte gemacht werden, statt Doppelgleisigkeiten und ineffiziente Strukturen zu beseitigen. Die für den European Health Award nominierten Projekte haben Probleme der Gesundheitsversorgung oder wesentliche Bedrohungen für die Gesundheit der Bevölkerung erkannt und sprechen Themen wie Effizienz, Qualität von und Zugang zu Gesundheitsangeboten klar an. Genau das sind Aspekte, die entscheidend dafür sind, unsere Gesundheitssysteme innovativ zu machen“, erklärte Prof. Brand.

Der European Health Award wurde vom Ehrenpräsidenten und Gründer des EHFG, Prof. Dr. Günther Leiner, 2007 ins Leben gerufen. Die Förderung von grenzüberschreitenden Kooperationen in der Gesundheitspolitik sei eine wesentliche Motivation gewesen, den European Health Award ins Leben zu rufen, betonte Prof. Leiner, und heuter seine die Herausforderungen noch größer: „Die aktuellen Gesundheitsprobleme werden verschärft durch den demographischen Wandel, den zunehmenden Bedarf an Gesundheitsversorgung, die zunehmende Verbreitung chronischer Erkrankungen, steigenden Kosten und beschränkten Ressourcen. Eine grenzüberschreitende Agenda in der Gesundheitspolitik, Zusammenarbeit zwischen mehreren Ländern und die Entwicklung von übertragbaren Initiativen bleibt von zentraler Bedeutung“, sagte Prof. Leiner.

Im Vorjahr ging der European Health Award an das „Recreational Drugs European Network” (ReDNet), ein multizentrisches Projekt in acht EU-Ländern. Es zielt auf die Identifizierung neuer psychoaktiver Substanzen ab, die online erhältlich sind, und soll vor allem junge Menschen und mit ihnen arbeitende Experten/-innen über die Auswirkungen dieser Substanzen und ihre möglichen Gesundheitsrisiken durch innovative Kommunikationskanäle informieren. 2012 gewann das HLS-EU – European Health Literacy Project den Preis. In einem Survey wurde die Gesundheitskompetenz in acht Ländern erhoben, ein europäisches Netzwerk zu diesem Thema aufgebaut, außerdem wurden nationale Experten/-innen-Gremien etabliert, um kulturelle, soziale und politische Einflüsse auf die Gesundheitskompetenz zu erfassen.


Die sechs Projekte auf der „Short List“ 2014:

1. ITAREPS (Information Technology Aided Relapse Prevention Programme in Schizophrenia)
ITAREPS (Information Technology Aided Relapse Prevention Programme in Schizophrenia) ist eine Mobilitelefon-basierte e-Health Lösung für das Krankheitsmanagement und Monitoring von Patienten/-innen mit Schizophrenie oder generell mit psychotischen Erkrankungen. Das Konzept beruht auf Telemonitoring durch Gesundheitsdienstleisterinnen über eine PC-Telefonbasierte SMS-Plattform, über die Vorläufersymptome eines möglichen Rückfalls identifiziert werden können. Das ermöglicht eine frühe Intervention und die Vermeidung von stationären Aufnahmen. Die Teilnehmer/-innen sind Patienten/-innen und ihre Angehörigen. Das Programm wurde vom Psychiatrischen Zentrum Prag 2005 entwickelt, der vorliegenden Evidenz zufolge lässt sich das Rehospitalisierungsrisiko auf ein Fünftel reduzieren.
Teilnehmende Länder: Slowakische Republik, Tschechische Republik und Japan


2. SALUS (Scalable, Standard based Interoperability Framework for Sustainable Pro-active Post Market Safety Studies)
Das vorrangige Ziel von SALUS ist es, laufende Studien zur Medikamentensicherheit durch eine Software-unterstützte Analyse von Pharmakovigilanz-Aktivitäten nach der Zulassung einer Substanz zu ergänzen. Bei der Pharmakovigilanz geht es um die Identifizierung, Bewertung, Analyse und Vorbeugung von unerwünschten Wirkungen eines Medikaments, das bereits auf dem Markt ist. Das Projekt SALUS fordert die Integration von klinischen Routinenformationen aus elektronischen Gesundheitsdatenbanken mit klinischen Forschungssystemen, um proaktive Sicherheitsstudien zu ermöglichen, die zu einer Früherkennung von Sicherheitsproblemen beitragen.
Teilnehmende Länder: Deutschland und Italien mit Partnern aus der Schweiz, Frankreich, Schweden, Belgien, den Niederlanden und der Türkei.

3. ExplainTB
ExplainTB ist ein gemeinnütziges Crowd-Projekt, das kostenlose Aufklärungsvideos über Tuberkolose in mehreren Sprachen anbietet. Mehr als 300 Freiwillige weltweit haben Inhalte beigetragen, Übersetzungen und Korrekturen durchgeführt, Synchronisierungen gemacht oder die Rolle von Darstellern übernommen. Die Videos können auf Smartphones abgerufen werden, Filme und schriftliches Begleitmaterial sind in 28 Sprachen verfügbar. Die audiovisuellen Materialien haben den Vorteil, dass auch Bevölkerungsgruppen erreicht werden können, für die schriftliches Informationsmaterial nicht geeignet ist. ExplainTB unterstützt Behandler/-innen bei Sprachbarrieren, ermöglicht es TB-Patienten/-innen Informationen über ihre Erkrankung in ihrer Muttersprache zu erhalten und stattet Angehörige mit dem wesentlichen Basiswissen zur Vermeidung von Ansteckungen aus. Gesundheitsbehörden können auf der Plattform nationale Leitlinien oder länderspezifische Informationen publizieren. Der Zugang zu den Videos erfolgt via App oder über einen QR Code, der von einem Plakat gescannt werden kann. Die Plakate sind unter www.explaintb.org verfügbar. Die Website des Projekts ermöglicht die Zusammenstellung zweisprachiger schriftlicher Informationen nach dem jeweiligen Bedarf. ExplainTB ist seit November 2013 verfügbar und hat Online-Zugriffe aus mehr als 80 Ländern registriert. Mehr als 2.500 regelmäßige User nutzen die Informationen.
Teilnehmende Länder: Nicht anwendbar, Videos sind in 16 Sprachen verfügbar, schriftliche Materialien in 33 Sprachen, 12.000 Besucher aus mehr als 80 Ländern wurden bisher registriert.

4. EpiSouth-plus Project
Das Projekt EpiSouth-plus soll die Notfallvorsorge für den Fall von Gesundheitsbedrohungen auf nationaler und regionaler Ebene in der Mittelmeerregion und auf dem Balkan stärken, wobei internationale Regelungen implementiert werden. Es setzt auf das Netzwerk von 27 EU- und Drittstaaten auf, das im Rahmen des Vorgängerprojekts EpiSouth (2006-2010) aufgebaut wurde. EpiSouth-plus stärkt die Kapazitäten der beteiligten Länder, Gesundheitsgefahren angemessen zu begegnen: dies unter anderem durch koordiniertes und konzertiertes Vorgehen beim Aufbau von Ressourcen, einschließlich des Aufbaus eines regionalen mediterranen Labor-Netzwerks; durch die Förderung gemeinsamer Methoden im Rahmen eines interoperablen Bereitschafts- und Risikomanagements in den beteiligten Ländern; durch eine Stärkung der Frühwarnsysteme des Mittelmeerraums (Mediterranean Early Warning Systems, EWS), die vor allem den Austausch von Informationen über Epidemien unterstützten; sowie dadurch, Kompatibilität der regionalen Systeme mit anderen Frühwarnsystemen zu erreichen, wie etwa dem europäischen Frühwarnsystem EWRS. Neben Aus- und Fortbildung für Epidemiologen/-innen und Laborexperten/-innen wurden im Rahmen des Projekts auch Leitlinien für Labor-Netzwerke oder ein Tool für die Entwicklung oder Verbesserung nationaler Notfallpläne entwickelt.
Teilnehmende Länder: Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Malta, Rumänien, Slowenien, Spanien und Zypern sowie 17 Nicht-EU-Staaten aus dem Mittelmeerraum bzw. Südost-Europa (Ägypten, Albanien, Algerien, Bosnien-Herzegowina, FYROM, Israel, Jordanien, Kosovo, Libanon, Libyen, Marokko, Montenegro, Palästina, Serbien, Syrien, Tunesien, und die Türkei).


5. Euro-Peristat
Das Projekt Euro-Peristat zielt darauf ab, ein qualitative hochwertiges, innovatives, international anerkanntes und nachhaltiges europäisches Informationssystem für perinatale Gesundheit zu entwickeln, das Angehörige der beteiligten Gesundheitsberufe (Geburtshelfer/-innen, Neonatologen/-innen, Hebammen und Pflegepersonen in der Neonatologie), politische Entscheidungsträger/-innen in Gesundheitsministerien, Organisationen im Bereich der Müttergesundheit und des Kinderschutzes, Versicherungen, Qualitätseinrichtungen sowie Schwangere und ihre Angehörigen mit Daten und Analysen versorgt. Das Projekt startete ursprünglich als Teil des Gesundheitsmonitoring-Programms der EU und stützt sich auf ein aktives Netzwerk von europäischen Perinatal-Experten/-innen (Kliniker/-innen, Epidemiologen/-innen, Statistiker/-innen). Die Daten von Euro-Peristat dienen als politische Entscheidungsgrundlage im Bereich Mütter- und Kindergesundheit. Jeder der bisherigen Berichte wurde im Internet rund 3000 Mal abgerufen, in einer online-Evaluierung unter Stakeholdern bezeichneten 80 Prozent der Teilnehmer/-innen die Publikationen als nützlich für ihre Arbeit. Mehr als 200 Artikel über die Ergebnisse führten zu zahlreichen Diskussionen über die Gesundheitsversorgung von Müttern und Kindern.
Teilnehmende Länder: Derzeit nehmen 29 Länder an Euro-Peristat teil, darunter die 26 EU-Mitgliedsstaaten sowie Island, Norwegen und die Schweiz.

6. EUTrigTreat
Herzrhythmusstörungen sind ein wichtiges Thema für die Gesundheitssysteme, weil sie das Risiko eines plötzlichen Herztods (sudden cardiac death, SCD) erhöhen können. Aktuelle SCD-Präventionsstrategien mit Medikamenten oder implantierbaren Geräten zielen nicht auf die den Störungen zugrundeliegenden Mechanismen ab. Das EUTrigTreat Projekt untersucht molekulare und Umweltmechanismen, die lebensbedrohlichen Arrhythmien zugrunde liegen, und geht der Frage nach, wie Gene und externe Faktoren gefährliche elektrische Krankheitsereignisse des Herzens initiieren und modulieren. Ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen ermöglicht es den EUTrigTreat Forschern/-innen, auf genau diese Mechanismen abzielende diagnostische und therapeutische Ansätze zu entwickeln, darunter auch neuartige Arzneimittel und implantierbare Geräte. Diese Ziele werden im Rahmen des kollaborativen Exzellenzprojekts von einem multidisziplinären Forschungsteam verfolgt, dem klinische und Grundlagenforscher/-innen angehören, gemeinsam mit einigen mittelständischen Unternehmen.?

28.08.2014

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