IDV-Verordnung

Diagnostika-Industrie vor hohen Investitionen

Der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) hat in Berlin die Ergebnisse seiner Branchenumfrage zu den wirtschaftlichen Erwartungen für das Jahr 2015 vorgestellt. Befragt wurden die im Verband vertretenen Hersteller von In-vitro-Diagnostika (IVD). Sie repräsentieren etwa 90 Prozent des deutschen Diagnostikamarktes.

„Das IVD-Branchenbarometer für 2015 zeigt eine verhalten optimistische Stimmung“ sagte Dr. Karl-Heinz Büscher, Vorstandsmitglied und Vorsitzender des Ausschusses Öffentlichkeitsarbeit im VDGH, auf der heutigen Pressekonferenz des Verbandes. Die wirtschaftliche Situation des eigenen Unternehmens dürfte sich für 47 Prozent der Befragten verbessern. Ein fast gleich hoher Anteil (42 Prozent)erwartet aber Stagnation. Bei den Umsatzerwartungen für das laufende Jahr ist für den deutschen Markt die optimistische Grundhaltung deutlicher zu erkennen. Mehr als 70 Prozent der Unternehmen erwarten eine Steigerung. Sieben Prozent der befragten Unternehmen gehen von rückläufigen Umsätzen aus, dieser Anteil war vor einem Jahr noch dreimal so hoch.  

Für das zurückliegende Jahr geht der VDGH von einem stagnierenden Gesamtumsatz aus. Nach den vorläufigen Zahlen wird der deutsche IVD-Markt 2014 um 0,2 Prozent auf insgesamt 2,175 Milliarden Euro zurückgehen. Deutschland bleibt der größte Diagnostikamarkt in Europa. Bei den Wachstumsraten ist Bewegung: Während sich Spanien und Portugal überraschend schnell von den zweistelligen Umsatzeinbrüchen im Vorjahr erholen und in Italien das Negativwachstum zumindest gebremst ist, verschlechtert sich dagegen die Situation in Belgien und in den Niederlanden. Frankreich, der zweitgrößte europäische IVD-Markt, dreht 2014 seit langer Zeit erstmals ins Minus. Griechenland bleibt eine Sondersituation mit einem Marktrückgang von über 13 Prozent. Die vorläufigen Zahlen für 2014 lassen darauf schließen, dass sich der europäische Diagnostikamarkt insgesamt zum dritten Mal in Folge rückläufig entwickelt.

Die IVD-Branche zeigt sich nach der Umfrage 2015 weiter als eine der innovativsten in Deutschland. Messgröße hierfür ist der Anteil der Beschäftigten in der Forschung und Entwicklung. Konstant liegt dieser Wert in der Diagnostika-Industrie bei mehr als 12 Prozent. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (55 Prozent) wollen im laufenden Jahr ihre Forschungsinvestitionen sogar ausbauen. „Wer in Deutschland forscht, bleibt dran“, sagte Büscher.

Dennoch bewegt sich die IVD-Industrie in einem hoch komplexen Markt mit besonderen Herausforderungen an die Hersteller. Zwar ist die Meinung über die Stärken des Standortes Deutschland ähnlich wie im Vorjahr geblieben. So werden z.B. die Qualifikation der Mitarbeiterschaft und zuverlässige Vertragsabwicklung nach wie vor hoch geschätzt. Die Einschätzung der IVD-Hersteller zu den Hemmnissen des Standortes haben sich jedoch verschärft: Das niedrige Erstattungsniveau wurde erstmals als größtes Hemmnis genannt. Auch die langwierigen Aufnahmeverfahren für Innovationen in die GKV-Erstattung wurden im Vergleich zu 2014 häufiger erwähnt. „Dies ist ein klares Votum über die – so muss man es nennen – desolate Vergütung ärztlicher Laborleistungen im EBM“, sagte VDGH-Vorstand Büscher. „Auch sehen wir, dass im Bewertungsausschuss von KBV und GKV-Spitzenverband ein Stau von Beratungsthemen mit Laborbezug besteht“, so Büscher weiter.

Im Hinblick auf die neue europäische IVD-Verordnung zeigt sich, dass ein neuer Rechtsrahmen teuer für die Diagnostikaunternehmen wird. 60 Prozent der Unternehmen sehen zusätzlichen Personalbedarf für die Umsetzung und haben teilweise schon begonnen, sich personell zu verstärken. Die Revision des Medizinprodukterechts wird in Brüssel intensiv beraten.

Erstmals stellte der Verband auf seiner Pressekonferenz die Positionen des VDGH zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens vor. Mit dem im Dezember 2014 verabschiedeten Neun-Punkte-Positionspapier will der Verband einen nachhaltigen Diskussionsbeitrag für die zukunftssichere Ausgestaltung des deutschen Gesundheitssystems leisten. Die Kernthemen des VDGH sind: Innovationen, Vergütung, Potenziale der Krankheitsfrüherkennung, Infektionsschutz, Labordiagnostik im Rahmen der Personalisierten Medizin, Diabetes-Selbstmanagement, regulatorische Anforderungen, steuerliche Forschungsförderung und der Umgang mit Individuellen Gesundheitsleistungen. „Mit diesen Positionen will der VDGH die Diskussion – sowohl über grundsätzliche Ausrichtungen der Gesundheitsversorgung als auch über institutionelle und instrumentelle Details – neu anstoßen“ sagte VDGH-Geschäftsführer Dr. Martin Walger. Die Positionen sind als Broschüre verfügbar und können auch auf der VDGH-Homepage heruntergeladen werden.
 

Quelle: Pressemitteilung Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH)

06.02.2015

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