Politik

Brauchen wir eine „Bad Bank“ für Krankenhäuser?

Viele deutsche Krankenhäuser erwirtschaften keine Gewinne, sondern leben seit Jahren von der Substanz – Investitionen, die eigentlich notwendig wären, unterbleiben. Schätzungen des Investitionsdefizites reichen von vorsichtigen 12 bis zu 50 Milliarden Euro. Geld, das die Bundesländer nicht zu investieren bereit oder in der Lage waren. Die Politik setzte stattdessen auf den Abbau von Überkapazitäten, die durch ständig sinkende Krankenhausverweilzeiten der Patienten kontinuierlich entstehen.

Photo: Brauchen wir eine „Bad Bank“ für Krankenhäuser?
Quelle: panthermedia.net/Feverpitch

Doch überzählige Krankenhäuser zu schließen und damit den Krankenhausmarkt gesund zu schrumpfen, ist eine politische Herkulesaufgabe. Nicht nur, weil Patienten und Personal gegen Schließungen auf die Straße gehen könnten oder weil für die Krankenhausplanung 16 Bundesländer mit unterschiedlichen Interessen zuständig sind. Sondern auch, weil ein Krankenhaus oder einzelne Abteilungen zu schließen noch einmal hohe Kosten verursacht – zunächst oft mehr als bei defizitärem Weiterbetrieb.

Das zum Jahreswechsel in Kraft getretene Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) stellt deshalb einen Strukturfonds bereit, der von Krankenkassen und Ländern nach und nach mit bis zu einer Milliarde Euro gefüllt werden soll, um dann Investitionskosten bei der Bündelung und Reduktion von Krankenhauskapazitäten zu finanzieren.

Der Betrag reiche nicht, kritisiert jetzt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung. Denn es löse das Problem fehlender Investitionen nicht.

Die Krankenkassen befürchten deshalb sogar eine Zweckentfremdung der Mittel: Ihre Sorge ist, dass mit dem Geld nicht Krankenhäuser geschlossen, sondern deren Betrieb sogar noch weiterfinanziert wird.

„Welche Krankenhäuser sind verzichtbar? Reicht der Strukturfonds oder brauchen wir eine ‚Bad Bank’ für Krankenhäuser?“ – dieses Thema diskutieren am 9. März in Köln auf dem Gesundheitskongress des Westens Prof. Dr. Boris Augurzky, Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit im Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung, Matthias Mohrman, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg, Rudolf Kösters, Ehrenpräsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, und Joachim Bovelet, Hauptgeschäftsführer der Regiomed-Kliniken.

Der Gesundheitskongress des Westens 2016 findet am 8. und 9. März im Kongresszentrum Gürzenich in Köln statt. Er werden wieder rund 900 Besucher erwartet - Klinikmanager, Ärzte, Verantwortliche aus Gesundheitspolitik und Gesundheitsunternehmen, aus Forschung und Wissenschaft.

Quelle: Gesundheitskongress des Westens

10.02.2016

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