© Westfalenhallen Dortmund GmbH

Sehenswert

Wo der Ball ins Rollen kam – der Goldene Saal

Wenn vom Dortmunder Goldsaal die Rede ist, bekommen Fußballfans leuchtende Augen: Immerhin wurde hier 1962 die Deutsche Bundesliga ins Leben gerufen. Doch nicht nur für Anhänger des runden Leders ist die historische Lokalität einen Besuch wert.

Das ist wahrhaft Dortmunds gute Stube, die uns seit Kriegsende gefehlt hat

Joseph Scherer

Der Goldsaal ist Teil der rund 60.000 Quadratmeter umfassenden Westfalenhallen und war in seiner Geschichte bereits häufiger Austragungsort besonderer Tagungen und weiterer Events. Die aus Glas, Beton und Stahl erbaute Westfalenhalle verfügt über eine freitragende Dachkonstruktion, dank der es in dem weiten Rund keine störenden Stützpfeiler gibt, die den Zuschauern die Blicke versperren. Die 118 Meter lange, 98 Meter breite und 29 Meter hohe Halle bietet je nach Bühnenaufbau und Bestuhlung Platz für bis zu 15.400 Zuschauer. Ob Sechstagerennen oder Oper, Rock-Konzert, Parteitag oder Kongress – die neun Hallen sind in der Welt von Veranstaltungen, Messen und Kongressen eine ganz feste Größe.

„Das ist wahrhaft Dortmunds gute Stube, die uns seit Kriegsende gefehlt hat“, hob der damalige stellvertretende Bürgermeister Joseph Scherer bereits bei der feierlichen Eröffnung im Januar 1952 hervor. Und er sollte Recht behalten: Mit Theateraufführungen und Modeschauen entwickelt sich der Goldsaal zu großer Bedeutung innerhalb des gesellschaftlichen Lebens in Dortmund. Bereits im Jahr 1954 gibt es hier über 100 Belegungstermine.

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© Horstmüller Pressebilderdienst

Weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde der Goldsaal spätestens am 28. Juli 1962. An diesem Tag traten hier die wichtigsten Fußballfunktionäre aus der Bundesrepublik zusammen und hoben die Bundesliga aus der Taufe. Doch es war eine schwere Geburt, denn unter den 129 Delegierten gab es große Vorbehalte, den Amateursport in eine Profisportart umzuwandeln. Nötig war für die Einführung der Bundesliga eine Zweidrittel-Mehrheit, doch die stand im Goldsaal lange auf der Kippe. Dem Einsatz von Hermann Neuberger – seinerzeit als Vertreter des Saarlandes auf der Tagung, später wurde er DFB-Präsident – ist es zu verdanken, dass die Bevollmächtigten einlenkten und der heutigen Bundesliga den Weg bahnten. Zusammen mit FC-Köln-Präsident Franz Kremer setzte sich Neuberger vehement für die Gründung der Bundesliga ein, die schließlich mit einem Ergebnis von 103:26 Stimmen beschlossen wurde. Es gab für die Fußballer mit dem neuen „Profi-Status“ fortan keine bindende Verpflichtung mehr, nebenbei noch arbeiten zu gehen. Denn einfache Bundesligaspieler bekamen damals etwa 1.200 DM als Grundgehalt pro Monat ausgezahlt.

Doch nicht nur der Profi-Fußball verdankt dem Goldsaal seine bis heute gültige Bedeutung. Dieser Prachtsaal gab schon vielen Veranstaltungen einen gebührenden Rahmen. Der Saal umfasst eine Fläche von 490 Quadratmetern und besitzt eine theatergerechte Bühne, die mit Scheinwerfern und Spots beleuchtet werden kann. Je nach Bedarf können die Stuhlreihen variiert werden: parlamentarische Sitzreihen bieten 250 Personen Platz, aber es können die Reihen so gestellt werden, das bis zu 700 Personen tagen können.

Aber es gibt auch Veranstaltungen ganz ohne Stühle. Die beliebten Plattenbörsen zum Beispiel. Dabei handelt es sich um Fachmessen für Musikfans aus nah und fern, die im gesamten Goldsaal und dem weitläufigen Foyer stattfinden. Dort finden die Fans dann auf über 300 Metern Ausstellungstischen eine Auswahl an über einer Million Tonträgern, Musikbüchern und Fan-Souvenirs. Etwas trockener und unaufgeregter geht es im Goldsaal zu, wenn unter dem Titel „Mietgerichtstage“ etwa 140 Richter und Rechtsanwälte wichtige Fragen des Wohn- und Mietrechts diskutieren. Auch für 2019 und 2020 stehen die nächsten Juristen-Meetings schon fest, dann wird das wichtige Thema „Mietrecht in Zeiten des Wohnungsmangels“ neu verhandelt.

Manchmal wird es auch ziemlich „jeck“ hier: Denn ob Prunksitzung oder Kinder-Karneval, mit großem Helau findet die alljährliche Prinzenproklamation und der Prinzenball natürlich im Goldsaal statt. Auch alle Dortmunder Tanzschulen, wie Conradi, Suhrmann oder Gödde, haben die Prachtstube für ihre Abschlussbälle gemietet – und bringen hochwertige Tanzshows von Discofox bis zum langsamen Walzer auf den Saalboden. Ob Kongress, Versammlung oder buntes Fest – der Goldsaal bietet für die unterschiedlichsten Veranstaltungen ein repräsentatives Ambiente.


Text: Peter Hesse

09.11.2018

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