Wiener Forscher entwickeln Ohr-"Piercing" gegen Schmerzen

Reizt man Nerven mit elektrischem Strom, kann das durchaus beruhigende Wirkung haben. Allerdings sollte es sich dabei um den auch als "Ruhenerv" bezeichneten Parasympathikus handeln. Forscher und Mediziner der Technischen- (TU) und Medizinischen Universitäten (Meduni) in Wien entwickeln zu diesem Zweck ein Ohr-„Piercing“. Das Gerät regt die Nervenenden im Ohr mit elektrischen Impulsen an und kann damit Schmerzen lindern und die Durchblutung fördern.

Rainer Sturm  / pixelio.de
Rainer Sturm / pixelio.de

Die Therapie bringt für die Patienten spürbare Verbesserungen und die Auswirkungen auf den Körper sind technisch messbar, so die Forscher. Je nach Krankheitsbild gibt das Gerät über Titannadeln unterschiedliche Signalmuster an die Nervenenden weiter. Der Patient spürt dabei nur ein "angenehmes Kribbeln", erklärt Eugenijus Kaniusas, Leiter der Gruppe für Biosensorik an der TU Wien.

Das daumengroße Gerät wird meistens eine Woche lang getragen, wirkt aber bereits innerhalb weniger Minuten. Die Schmerzwahrnehmung sinkt, und die Durchblutung steigt, so die Forscher. In einer kleinen Studie wurde gezeigt, dass es auch gegen Depressionen hilft. Der Parasympathikus ist ein Teil des vegetativen Nervensystems, das zum Beispiel Herzschlag, Atmung, Blutdruck, Verdauung und Stoffwechsel kontrolliert und für die Regeneration und Erholung, also für das Tanken von Energie verantwortlich ist.

Verbesserte Elektronik
Ein von Jozsef Constantin Szeles (Meduni Wien) entwickeltes Gerät ist bereits auf dem Markt und hat sich in klinischen Tests bewährt. In gemeinsamer Arbeit wurde die Elektronik verbessert. Objektivere Messtechniken sollen die Methode laut TU wirkungsvoller machen. Weiterhin gibt es große Erfolge bei Patienten mit schlechter peripherer Durchblutung. "Mit der Wundheilung gibt es bei schlechter Durchblutung oft schwere Probleme, im schlimmsten Fall müssen sogar Extremitäten amputiert werden", sagte Kaniusas. Elektrostimulation würde hier sehr hilfreich sein, die Steigerung der Durchblutung etwa im Fuß wäre nach elektrischen Impulsen sehr deutlich zu sehen.
 

16.07.2012

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