Schutz vor lebensgefährlichen Infektionen

Um Mitarbeiter vor gefährlichen Nadelstichverletzungen zu schützen, müssen in medizinischen Einrichtungen seit 2008 Spritzen und Kanülen mit Schutzvorrichtung verwendet werden. Eine Umfrage des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) und der Initiative SAFETY FIRST! bestätigt: Sichere Instrumente verringern das Verletzungsrisiko und werden von den Anwendern gut angenommen. Allerdings zeigte die Umfrage auch, dass noch nicht alle Kliniken auf Sichere Instrumente umgestellt haben.

Photo: Schutz vor lebensgefährlichen Infektionen

Darüber hinaus wurden die Befragten häufig nicht ausreichend an den neuen Instrumenten geschult.

„Nadelstichverletzungen sind vor allem für Pflegekräfte ein Problem: Sie sind die Berufsgruppe mit dem größten Risiko, sich an scharfen oder spitzen Medizingeräten zu verletzen“, sagt Johanna Knüppel, Referentin für Pflege im Krankenhaus des DBfK. Sichere Instrumente verhindern Nadelstichverletzungen. In der Praxis haben sie sich bewährt: 80% der Befragten gaben an, dass die neuen Instrumente das Verletzungsrisiko verringern. Und: Die Sicheren Instrumente werden zunehmend genutzt. Über 87% der Befragten sagten aus, dass sie verletzungssichere Injektions- und Venenverweilkanülen teilweise oder sogar ausschließlich verwenden. Eine Komplettumstellung ist jedoch in vielen Kliniken noch nicht erreicht. „Es besteht hier noch immer Handlungsbedarf, denn eine parallele Nutzung der alten und neuen Instrumente ist problematisch“, sagt Prof. Dr. Andreas Wittmann, Bergische Universität Wuppertal, Fachbereich Sicherheitstechnik, und wissenschaftlicher Leiter von SAFETY FIRST! „Bei dieser doppelten Lagerhaltung ist die Gefahr von Bedienungsfehlern und somit von Verletzungen groß.“

Außerdem mangelt es noch an Schulungen zur richtigen Handhabung der neuen Instrumente: Nur die Hälfte der Befragten nahm bisher an einer Schulung teil. Auch Ärzte und Teilzeitkräfte – so die Umfrageergebnisse – müssten verpflichtet werden, ein Training zu durchlaufen. „Sinnvoll wäre es zudem, wenn Pflegekräfte in die Auswahl der Instrumente einbezogen würden. Von ihren Anwenderkenntnissen können die Einkäufer durchaus profitieren“, sagt Knüppel.

Die „Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 250“ legt Arbeitsschutzmaßnahmen für Beschäftigte im Gesundheitswesen fest und verpflichtet Arbeitgeber unter anderem zum Einsatz verletzungssicherer Instrumente. Die Prüfung der Qualitätskriterien ist grundlegend für eine verletzungssichere Nutzung der neuen Instrumente. „Die TRBA 250 enthält genaue Kriterien, was ein sicheres Instrument können muss“, so Wittmann. Nur bei kompletter Umstellung auf Sichere Instrumente mit entsprechenden Qualitätskriterien und ausreichenden Schulungen für das Pflegepersonal könne das Verletzungsrisiko nachhaltig verringert werden. „Die Umsetzung der TRBA 250 muss stärker kontrolliert werden“, fordert deshalb Wittmann.

 

 

 

 

An der Online-Umfrage beteiligten sich insgesamt 460 Mitarbeiter verschiedener Kliniken und Fachgebiete. Der DBfK führte gemeinsam mit der Initiative SAFETY FIRST! die Umfrage im April und Mai 2011 durch. Dabei gaben über 70% der Befragten an, während ihrer bisherigen Berufstätigkeit mindestens eine Nadelstichverletzung erlitten zu haben, über 45% sogar mehrere.
Nadelstichverletzungen zählen zu den häufigsten Arbeitsunfällen im Gesundheitswesen. Besonders gefährlich sind sie für medizinisches Personal, wenn der Patient mit einer lebensbedrohlichen Krankheit, wie HIV oder Hepatitis, infiziert ist.
Der DBfK und SAFETY FIRST! sehen die Umfrageergebnisse als Appell, den Arbeitsschutz für Pflegekräfte zu verbessern und dem Thema weiterhin hohe Aufmerksamkeit zu widmen.

 

16.08.2011

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