Überaltertes Equipment

Radiologische Geräte: mehr als zehn Prozent Schrott

In Europa ist mehr als jedes zehnte CT-Gerät und fast jeder fünfte MR-Scanner technisch überholt. Die European Society of Radiology (ESR) schlägt Alarm.

Bericht: Michael Krassnitzer

1977 stellte Siemens seinen Ganzkörper-CT Somatom vor, der damals Nieren, die...
1977 stellte Siemens seinen Ganzkörper-CT Somatom vor, der damals Nieren, die Bauchschlagader oder Details der Muskulatur mit bisher nicht dagewesenem Kontrast aufnahm. Das Thema Strahlendosis war zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht relevant.
Quelle: Siemens
Prof. Dr. Boris Brkljačić
Prof. Dr. Boris Brkljačić

Das in Europa eingesetzte radiologische Equipment wird statistisch immer älter. Im Jahr 2008 waren rund 60 Prozent aller CT-Geräte sowie 55 Prozent aller MR-Geräte bis zu fünf Jahre alt, 31 Prozent aller CT-Geräte sowie 32 Prozent aller MR-Geräte zwischen fünf und zehn Jahre alt, und schließlich neun Prozent aller CT-Geräte sowie 16 Prozent aller MR-Geräte über zehn Jahre alt. Das entspricht einigermaßen der vom European Coordination Committee of the Radiological, Electromedical and Healthcare IT Industry (COCIR) aufgestellten Goldenen Regel, demnach das Verhältnis von bis zu fünf Jahre alten, zwischen fünf und zehn Jahre alten sowie über zehn Jahre alten radiologischen Geräten in einem Land 60 zu 30 zu zehn Prozent betragen sollte.

„Im Jahr 2008 brach die globale Wirtschaftskrise voll aus“, erinnert Prof. Dr. Boris Brkljačić, Radiologe an der University of Zagreb School of Medicine und Vorstandsmitglied (member of the Board of Directors) der European Society of Radiology (ESR). Und fünf Jahre später sah die Situation in Europa ganz anders aus: Im Jahr 2013 waren rund 50 Prozent aller CT-Geräte sowie 47 Prozent aller MR-Geräte bis zu fünf Jahre alt, 38 Prozent aller CT-Geräte sowie 34 Prozent aller MR-Geräte zwischen fünf und zehn Jahre alt, und 13 Prozent aller CT-Geräte sowie 19 Prozent aller MR-Geräte über zehn Jahre alt. Insgesamt sind in Europa rund 3.000 CT-Einheiten technisch überholt, rechnet COCIR vor. Die meisten dieser Geräte finden sich in Deutschland, Italien, Polen, Spanien und UK.

Dass in Europa immer ältere CT- und MR-Geräte verwendet werden, läuft einer anderen Entwicklung zuwider: „Der laufende technische Fortschritt in der Radiologie führt dazu, dass Geräte immer schneller ersetzt werden müssen“, betont Brkljačić: „Geräte, die älter als zehn Jahre sind, sind nicht mehr als state of the art zu betrachten und müssen durch neue ersetzt werden.“ Mit anderen Worten: Ein beträchtlicher Teil der europaweit durchgeführten CT- und MR-Untersuchungen entspricht nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft.

Radiologisches Equipment hat nur eine begrenzte Lebensdauer. Je älter das Gerät, desto größer das Risiko von Fehlfunktionen oder komplettem Ausfall. Mit zunehmendem Alter der Geräte sinkt auch die Qualität der Bildgebung. „Das ist nicht vermeidbar“, unterstreicht Brkljačić. Weiters gilt: Je neuer das Gerät, desto geringer die Strahlenbelastung. Ältere Geräte können die Richtlinien des Eurosafe Imaging Programms der ESR, die sich stets an den jüngsten technischen Entwicklungen orientieren, nicht mehr erfüllen. Deutlich wird das etwa bei Herz-CTs: Bei Geräten der neuesten Generation beträgt die Strahlenbelastung nur noch zehn bis 30 Prozent der Belastung, der jene Herzpatienten ausgesetzt sind, die mit fünf bis sechs Jahre alten Geräten untersucht werden. „In der pädiatrischen Bildgebung sind niedrig-dosige Protokolle und state of the art Equipment besonders wichtig“, betont der kroatische Radiologe.

Um die notwendigen Erneuerungen zu managen, empfiehlt die ESR allen Gesundheitseinrichtungen bzw. –behörden entsprechende Planungen durchzuführen, die mindestens fünf Jahre in die Zukunft reichen und alljährlich auf den neuesten Stand gebracht werden. Zu bedenken sei dabei, dass die Lebensdauer von Geräten, die weniger oft im Einsatz sind, bis zu 50 Prozent höher ist – und dass sich die Lebensdauer von Geräten, die etwa aus Sparsamkeitsgründen nicht gewartet werden, um bis zu 50 Prozent verringert.

Profil: Prof. Dr. Boris Brkljačić ist Vizepräsident der Zagreb School of Medicine (UZSM), Professor der Radiologie und Vorsitzender der kirchlichen Radiologie an der UZSM sowie Vorstandsmitglied der Abteilung Diagnostische und Interventionale Radiologie am Dubrava Universitätsklinikum in Zagreb. Er ist darüberhinaus Zweiter Vizepräsident der European Society of Radiology (ESR). Der in Zagreb geborene Radiologe widmet sich vor allem der Brust- und Urogenital-Bildgebung sowie der vaskulären und interventionellen Radiologie.

 

06.04.2017

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