Öfter mal abschalten!

Energieeffizienz im Krankenhaus leicht gemacht

von Karoline Laarmann

Manchmal sind es schon kleine Dinge, die große Wirkung zeigen können. So lassen sich Wege zur effektiven Nachhaltigkeit im Krankenhaus bereits durch kleine Veränderungen im Nutzerverhalten erfolgreich etablieren. Welche Kosteneinsparungen sich durch einfache Energiereduzierungsmaßnahmen tatsächlich erzielen lassen und wer die wahren Stromfresser am Arbeitsplatz sind, wird zurzeit in einem Pilotprojekt an der Universität Heidelberg untersucht.

Photo: Öfter mal abschalten!
Photo: Öfter mal abschalten!

Eigentlich gibt Dr.-Ing. Mandana Banedj-Schafii, Geschäftsführerin der Beratungsfirma Mandamehr, einmal im Jahr einen 14-tägigen Shortkurs zum Thema „Facility Management“ im Rahmen des Masterstudiengangs „International Health“ des Instituts für Public Health der Universität Heidelberg. Da ihr das Thema Nachhaltigkeit jedoch besonders am Herzen liegt, widmete die Expertin für Facility Management in Gesundheitseinrichtungen im letzten Jahr einen Vortragstag dem Thema „Green Hospital“ und stieß bei den Kursteilnehmern auf offene Ohren. Die Initialzündung zum Projekt „Green Institute“ gaben die engagierten Mitarbeiter vom Institut für Public Health selbst vor, die ihren Arbeitsplatz umweltbewusster gestalten wollten. Dazu gehörten zunächst die Papierreduzierung sowie der Wechsel von weißem zu Umweltschutzpapier. Desweiteren wurden durch die Einführung von Multimedia-Konferenzen u.ä. Reisewege eingespart, die Zeit, Kosten und CO₂-Emissionen in Anspruch nehmen.

Seitdem steht Dr. Banedj-Schafii dem Energiesparprojekt an der Heidelberger Universität und Klinikum, dessen Pilotphase in den nächsten Wochen abgeschlossen ist, beratend zur Seite. Als langfristiges Ziel ist es geplant, die gewonnen Erkenntnisse und umgesetzten Strategien zum Umwelt- und Klimaschutz auf die gesamte Einrichtung auszuweiten.

„Der Nachhaltigkeitsansatz geht weit über die Umweltfreundlichkeit eines Bauwerks hinaus“, weiß Dr. Banedj-Schafii. „Er umfasst den gesamten Lebenszyklus eines Objekts. Dieser erstreckt sich von der Planung über den Entwurf, den Bau bis hin zur Nutzung und dem Abriss sowie dem Recycling. Natürlich hat man nicht immer hat man die Möglichkeit, bei einem „grünen“ Projekt in der Planungsphase einzusteigen und den Raum aktiv mitzugestalten. Viele glauben aber, sie hätten deswegen keinen Spielraum für ein „grüneres“ Arbeitsumfeld, weil sie keinen Einfluss auf die Gebäudehülle oder vorgegebene Stromverträge nehmen können. Tatsächlich kann jedoch jeder Einzelne etwas für die Nachhaltigkeit leisten.“ Denn tatsächlich bedeutet jede nicht erzeugte Kilowattstunde Strom ein halbes Kilogramm klimaschädigendes Kohlendioxid (CO₂) weniger für die Umwelt.

Von Anfang an war beim Green-Institute-Projekt die Integration mehrerer Partner wie beispielsweise des Energiebeauftragten der Universität oder der Technik des gesamten Klinikums wichtig für den Erfolg, erklärt Banedj-Schafii. Um den konkreten Nutzen der Maßnahmen auch in finanzieller Hinsicht dokumentieren zu können, war das Green-Institute-Team vor allem auf die Hilfe der Technischen Abteilung des Universitätsklinikums angewiesen: „Wir brauchten konkrete Daten, um den Stromverbrauch vor und nach der Einführung der Energiemaßnahmen zu vergleichen. Bislang gab es im Institut weder Werte noch ein Gefühl dafür, wie viel Strom jeder einzelne Mitarbeiter verbraucht.“

Um sich noch strukturierter zu organisieren, wurden fünf verschieden Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, die sich in den kommenden Monaten mit den verschiedenen Säulen der Nachhaltigkeit beschäftigten sollten:
Während Arbeitsgruppe I (object-/building analyses) die zum Institut gehörigen Gebäudedaten erfasste und Mustergebäude und -räume für die späteren Messungen bestimmte, hielt die Arbeitsgruppe II (equipment analyses) die genauen Zahlen der vorhandenen stromfressenden Geräte fest, um den Ist-Verbrauch zu ermitteln. Dabei stellte sich heraus, dass der meiste Strom von Computern, Laptops und Druckern angezapft wird. „Dabei haben wir festgestellt, dass die wenigsten User den Energiesparmodus ihres Rechners verwenden“, kommentiert Dr. Banedj-Schafii. Arbeitsgruppe III (users behavior) entwarf darüber hinaus Ideen, um die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter auf das Thema Stromsparen zu lenken und setzte beispielsweise im gesamten Institut die Einstellung auf den besagten Energiesparmodus auf den Institutsrechnern durch. Die Arbeitsgruppe IV (organisation/management) beschäftigte sich mit Ressourcen aller Art: Von der Aufteilung der Mitarbeiter in den Räumen bis zur Anschaffung, Wartung und Reparatur der Geräte. Arbeitsgruppe V (PR/politics) kümmerte sich zu guter Letzt um die Kommunikation und Weitergabe der Informationen. So wurden die wertvollen Tipps zum Energiesparen während der monatlichen Institutssitzung schnell weitervermittelt.

Zwar liegen endgültige Vorher-Nachher-Ergebnisse zum Green-Institut-Pilotprojekt noch nicht vor, anhand der bis jetzt ermittelten Daten konnten aber bereits verschiedene Szenarien durchgespielt werden, die die Auswirkungen einer kleinen Investition (Szenario 1), z.B. in Steckerleisten, und einer größeren Investition (Szenario 2), darunter die Anschaffung neuer Geräte, anzeigen. Als Ergebnis werden Einsparungen von 44 % für Szenario 1 und bis zu 55 % für Szenario 2 erwartet. Bei einer kleinen Investition von ca. 280 Euro könnte das Institut somit innerhalb von drei Jahren bereits 3800 Euro und 14,520 kg CO₂ einsparen.

„Das mag aus wirtschaftlicher Sicht zunächst nicht viel erscheinen“, so Dr. Banedj-Schafii, „wenn man dies aber auf alle Instiute der Universität und des Klinikums umrechnet, kommt eine Menge zusammen.“ Und da das ökologische Nachhaltigkeitsmanagement in Zukunft auch eine immer größere Rolle bei der Imagepflege spielen wird, bietet das „grüne“ Krankenhaus nicht nur ein gutes Gefühl für die Mitarbeiter, sondern auch für die Patienten.

 

Hinweis:

Dr.-Ing. Mandana Banedj-Schafii wird am 23. Mai über das Projekt "Green Institute" auf dem diesjährigen WÜMEK Kongress referieren / Weitere Informationen unter http://wuemek.org/

 

19.04.2011

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