Menschen bewegen, Erfolge erleben

Orthopäden und Unfallchirurgen diskutieren über die optimale Versorgung

Ob bei Unfällen, Leiden des Bewegungsapparates, Sportverletzungen oder Tumorerkrankungen: Orthopäden und Unfallchirurgen versorgen in ihrem Fach Menschen aller Altersgruppen – vom Säugling bis zum Senioren.

Photo: Menschen bewegen, Erfolge erleben
Photo: Menschen bewegen, Erfolge erleben

Das Tätigkeitsspektrum der Fachärzte reicht von der Prävention, hochspezialisierten operativen und konservativen Therapien bis hin zur Rehabilitation. Ihr Anspruch ist es, Patienten individuell mit Blick auf ihre unterschiedlichen gesundheitlichen Voraussetzungen und Erwartungen zu behandeln. Unter dem Motto „Menschen bewegen – Erfolge erleben“ diskutierten Experten vom 22. bis 25. Oktober 2013 auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin, wie sich das Fach in klinischer, wissenschaftlicher und gesundheitspolitischer Sicht vorwärts bewegt, um Erfolge für die Patienten zu erzielen. Beim weltweit zweitgrößten Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie geht es auch darum, wie die Patientenversorgung über ambulante und stationäre Grenzen hinaus reibungslos ablaufen kann.

Vor welchen Herausforderungen Orthopäden und Unfallchirurgen täglich stehen, macht sich beispielsweise an der Versorgung von Brüchen im Alter bemerkbar: Etwa 160 000 Menschen jährlich erleiden eine Schenkelhalsfraktur infolge eines Sturzes. Allein diese Unfälle belasten das Gesundheitssystem Jahr für Jahr mit etwa 2,5 Milliarden Euro direkten Kosten. Doch die Akutversorgung ist nur ein Teil des Problems. „Ein Drittel der Betroffenen leidet nach einem Knochenbruch auch unter persönlichen wie sozialen Einschränkungen, findet nicht mehr in sein Wohnumfeld zurück und ist auf ein Pflegeheim angewiesen. Ein weiteres Drittel stirbt sogar an den Folgen“, erklärt Professor Dr. med. Reinhard Hoffmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Viele durchlaufen einen Teufelskreis mit Osteoporose, Muskelabbau, Kreislauf-Problemen, kognitiven Einschränkungen und verlieren dadurch soziale Kontakte. „Es ist daher nicht nur von enormer volkswirtschaftlicher Bedeutung, sondern auch für den betroffenen Patienten besonders wichtig, dass der medizinischen Notfallversorgung eine Nachbehandlung, einschließlich der Rehabilitation zur Wiederherstellung der Selbstständigkeit, folgt“, mahnt Professor Dr. med. Bernd Kladny, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). Daher liegt ein Schwerpunkt des diesjährigen DKOU auf geeigneten Präventions-, Therapie- und Nachsorgemaßnahmen für ältere Patienten.

Außerdem tauschen sich Orthopäden und Unfallchirurgen auf dem Kongress auch über die Entwicklung der Endoprothesenversorgung in Deutschland aus. „Die Endoprothetik gehört zu den erfolgreichsten operativen Eingriffen der vergangenen Jahrzehnte“, so Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (BVOU). Dank der Fortschritte bei Kunstgelenken und Narkose können immer mehr Menschen von diesen Eingriffen profitieren und auch noch im Alter mobil bleiben. „Doch wir müssen gleichzeitig auch eine differenzierte Indikation stellen. Denn nicht jeder ältere, aber auch nicht jeder junge Mensch bringt für einen solchen Eingriff alle Voraussetzungen mit. Die individuelle, als auch die gesamtgesundheitliche Situation des Patienten ist für eine Entscheidung zur Operation unbedingt im Vorfeld abzuklären“, so Heller.

Bei Erkrankungen und Verletzungen der Wirbelsäule mit Rückenschmerzen oder Bandscheibenvorfällen sehen die Kongresspräsidenten eine große Bedeutung in Behandlungsansätzen jenseits des Skalpells, also einer gezielten nicht-operativen Therapie einschließlich der Rehabilitation. Andererseits gilt es, Patienten rechtzeitig zu identifizieren, die von einer Operation profitieren und herauszufinden, welche Verfahren besonders geeignet sind.

In diesem Jahr findet der DKOU erstmals gemeinsam mit dem 12. Deutschen Kongress für Versorgungsforschung statt. In engem Austausch mit Vertretern der Politik und der Krankenkassen ziehen die Experten beider Veranstaltungen Bilanz, in welchen Bereichen Unter-, Über- und Fehlversorgung in Deutschland stattfindet. Hierbei stellen die Fachärzte neueste Ergebnisse aus dem Endoprothesenregister Deutschland, EndoCert und dem TraumaNetzwerk DGU® vor.

Ein Höhepunkt des gemeinsam von DGU, DGOOC und BVOU ausgerichteten Kongresses ist die Festrede von Ulrich Wickert, bekannt als langjähriger Sprecher der Tagesthemen und Autor. Sein Vortrag „Werte im Wandel – erfolgreich um jeden Preis?“ wird das Kongressmotto kritisch aber auch amüsant interpretieren. Dieser sowie weitere Vorträge werden zeitgleich im Internet übertragen und sind dort im Nachgang auch in der Mediathek unter www.dkou.de abrufbar. Außerdem gehört eine Industrieausstellung an allen vier Kongresstagen mit zum Informationsangebot.

Terminhinweise:

DKOU 2013

Termin: 22. bis 25. Oktober 2013

Ort: Messegelände Süd, Berlin

 

12. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung

Termin: 23. bis 25. Oktober 2013

Ort: ICC, Berlin

 

Eröffnungsrede auf dem DKOU

Ulrich Wickert „Werte im Wandel – erfolgreich um jeden Preis?“

Termin: Dienstag, 22.10.2013, 18:15 – 20:15 Uhr

Ort: Festsaal Halle 6.2, Messegelände Süd, Berlin

 

 

05.08.2013

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