Hauptstadtkongress zeigt

Digitalisierung ist Chefsache geworden

Mit einem Teilnehmerrekord endete am Freitag in Berlin der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit. Für drei Tage waren insgesamt 8.400 Entscheider aus dem deutschen Gesundheitswesen zur größten Branchenveranstaltung zusammengekommen, um sich zu gesundheitspolitischen Fragen auszutauschen.

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Auch im Hinblick auf die Zahl der Vorträge war der 21. Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit eine Veranstaltung der Superlative: In mehr als 150 Einzelveranstaltungen traten rund 600 Referentinnen und Referenten auf.
Quelle: HSK 2018

Das Leitthema beim diesjährigen Hauptstadtkongress lautete “Digitalisierung und vernetzte Gesundheit”. In seiner Eröffnungsrede wies Bundesgesundheitsminister Jens Spahn darauf hin, dass eHealth weltweit auf einem unaufhaltsamen Vormarsch sei. „Die Angebote sind da oder kommen: Amazon, Google, Dr. Ed“, sagte Spahn und fügte hinzu: „Es ist die Frage: Gestalten wir das oder kommt das von außen?“ Spahn hob hervor, dass mittlerweile weniger die technischen Möglichkeiten noch ein Problem seien, sondern vor allem die Regulierung und Finanzierung neuer digitaler Medizin im deutschen Gesundheitswesen. In einer Videobotschaft kritisierte auch SAP-Gründer Hasso Plattner, dass die scharfen gesetzlichen Regelungen in Deutschland „den Einsatz digitaler Innovationen hemmen“.
 
Eine der spektakulärsten Präsentationen war die eines Roboterarmes durch Prof. Dr. Sami Haddadin, einen weltweit führenden Robotikspezialisten und Gewinner des Deutschen Zukunftspreises. Haddadin zeigte, wie ein solcher Arm krankengymnastische Übungen zunächst mittels entsprechender Bewegung durch einen Therapeuten beigebracht bekommt und dann mit dem Patienten selbstständig durchführt. Der Roboter ist dabei in der Lage, rücksichtsvoll auf Berührungen von Menschen zu reagieren und gegebenenfalls auch nachzugeben. Haddadin führte auch vor, dass der Roboter dabei sensibel genug reagiert, um eine Gesichtsrasur mit einem elektrischen Rasierapparat ausführen zu können. Ziel von Haddadins Entwicklungsarbeit ist, dass solche Roboter in nächster Zeit zu Preisen angeboten werden können, die eine Nutzung jedermann ermöglichen.
 
Während des gesamten Kongresses waren Veranstaltungen zu den Themenbereichen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Deep Learning und Big Data sehr gut besucht. Dabei ging es beispielsweise um die Frage, ob zur Finanzierung digitaler Versorgungsleistungen neben den Budgets für den stationären und den ambulanten Sektor noch ein eigenes Digitalbudget erforderlich ist, wie Experten fordern. Es war auch Thema, wie die Digitalisierung den Praxisalltag niedergelassener Ärzte verändert und verändern wird. Ebenso waren neue, digitale Recruiting-Methoden zur Gewinnung von Arbeitskräften in den Mangelberufen der Pflege und bei Ärzten Gegenstand einer Session.
 
Selbst der Krankenhaus Rating Report 2018, der auf dem Hauptstadtkongress der Öffentlichkeit präsentiert wurde, kam an der Digitalisierung nicht vorbei: Zwar geht es den deutschen Krankenhäuser im Durchschnitt wirtschaftlich deutlich besser als in den Vorjahren. Der Fachkräftemangel wird aber mehr und mehr zu einem Risiko für die Versorgung. “Arbeitssparende technische Innovationen werden immer wichtiger, um Ärzte und Pflegepersonal zu entlasten”, erklärte Prof. Dr. Boris Augurzky das Ergebnis seiner Untersuchung, nach der bei gleichen Rahmenbedingungen wie heute bis 2025 voraussichtlich zusätzlich 80.000 Vollkräfte in den medizinischen Diensten der Krankenhäuser und weitere 80.000 Pflegefachkräfte in der Altenpflege benötigt werden.
 
Der Hauptstadtkongress 2019 findet vom 21. bis 23. Mai 2019 im Berliner CityCube statt.

Quelle: WISO S. E. Consulting GmbH

12.06.2018

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