Kooperation

Datenaustausch vom Neckar bis an die Nordsee

Der Westdeutsche Teleradiologieverbund ist auf Erfolgskurs.

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Anstieg der Teilnehmer im Westdeutschen Teleradiologieverbund 2012-2016.

Inzwischen sind gut 250 Kliniken und Praxen an das Netzwerk angeschlossen und die Anzahl der monatlich zwischen ihnen ausgetauschten Untersuchungen liegt bei derzeit 19.000 und hat sich im Vergleich zu 2014 vervierfacht. Damit ist der 2010 gestartete Verbund längst der größte seiner Art in Deutschland und zum bundesweiten Vorzeigeprojekt für erfolgreiches E-Health avanciert.

Geographisch gesehen hat sich der ehemalige Teleradiologieverbund Ruhr zum Westdeutschen Teleradiologieverbund weiterentwickelt. „Wir sind in NRW sehr stark, im Ruhrgebiet nahezu flächendeckend. Aktuell haben sich gerade das UK Köln und das UK Mainz unserem Verbund angeschlossen und auch andere Unikliniken sind auf dem Sprung, es ist deshalb davon auszugehen, dass z.B. im südlichen NRW in den nächsten Monaten weitere Kliniken hinzukommen werden. Zudem sind wir in Niedersachsen stärker geworden, angefangen von der Region Osnabrück bis hin nach Friesland, wo einige Häuser angeschlossen sind. Auch in Schleswig-Holstein sind wir inzwischen vertreten, hier wird das Netz vor allem für die Zweitbefundung bei der Mammographie genutzt. Wir können festhalten, dass sich der Verbund regional weiter ausdehnt“, stellt der geschäftsführende Gesellschafter zufrieden fest.

Natürlich werden nicht alle möglichen Kommunikationsmöglichkeiten untereinander nachgefragt, aber immerhin gut 2.500 Kooperationen werden aktiv genutzt. Zu den selteneren Fällen zählt sicher auch der Datenaustausch zwischen dem Norden und NRW, aber auch hier gibt es immer wieder Anwendungsfälle wie bei verunglückten Urlaubern. Da die Infrastruktur technisch sehr stabil läuft und das Produkt so ausgereift ist, dass die Anwendungen beinahe selbsterklärend laufen, kann man sich beim Verbund um die Umsetzung neuer Projekte kümmern. Dabei kommen diese aus dem Alltag der Teilnehmer. Kremers: „Nicht alle Ideen, die bei den regelmäßigen Anwendertreffen zur Sprache kommen, können aufgegriffen werden, aber ein paar sind so interessant, dass wir sie mit unserem technischen Partner Visus umsetzen wollen.“

Am weitesten vorangeschritten ist die Portallösung für Zweitmeinungen. Nicht nur Mediziner sollen sich hierbei von Kollegen einen Rat holen können, sondern auch Patienten, die nicht über die technische Infrastruktur verfügen wie der Verbund. Über ein Internetportal können sie jedoch ihre Informationen an entsprechende Kliniken im Verbund senden und von dort eine Zweitmeinung bekommen. „Dieses Portal ist auch noch in anderen Varianten umsetzbar, so z.B. als geschlossenes Portal für einen Klinikverbund. Denkbar ist auch, dass kleine Kliniken, die nicht bei uns angeschlossen sind, diese Lösung nutzen werden. Vermutlich werden sie das aber nur sehr sporadisch tun, denn der zeitliche Aufwand ist nicht zu unterschätzen.“ Nach Abschluss der Probephase und einigen Produktverbesserungen wird das Upload-Portal im kommenden Jahr marktreif sein. Für die Teilnehmer des Verbunds sollen nur geringe Mehrkosten entstehen.

Darstellung der Datenübermittlung.
Darstellung der Datenübermittlung.

Wenn man diese Informationen aus gleichartigen Untersuchungen miteinander vergleicht, findet man schnell heraus, bei welchen Untersuchungen etwas nicht optimal gelaufen ist

Marcus Kremers

Gemeinsam mit den Unikliniken Essen und Düsseldorf sowie dem radiologischen Verbund radprax aus Wuppertal wird ein Projekt erprobt, mit dem die Strahlenbelastung der Patienten reduziert werden soll, das Strahlendosismonitoring. Den Bilddaten kann man entnehmen, wie hoch die Strahlenbelastung einer Untersuchung ist, z.B. aus der Information welches Protokoll gefahren wurde, welche Größe und Gewicht der Patient hat. „Wenn man diese Informationen aus gleichartigen Untersuchungen miteinander vergleicht, findet man schnell heraus, bei welchen Untersuchungen etwas nicht optimal gelaufen ist und eine zu hohe Strahlendosis verabreicht wurde. Natürlich kann jede Klinik oder Praxis das für sich selbst überprüfen, aber der Charme bei uns im Verbund ist die große Datenmenge aus 250 Einrichtungen, die einen übergreifenden Vergleich ermöglichen. Auf Basis der optimalen Behandlungen können so die Protokolle harmonisiert werden und die schlechteren Ergebnisse werden Anreiz für Verbesserungen in den Einrichtungen sein. In Summe dürfte das dazu führen, dass die Strahlenbelastung der Patienten weiter verringert werden kann“, freut sich der Geschäftsführer Kremers, der das Projekt gemeinsam mit dem Bundesamt für Strahlenschutz und den Strahlenschutzverantwortlichen in NRW in den Landeswettbewerb eingereicht hat, um es auf größerer Basis anzulegen.
Denn in diesem Fall ist nicht die technische Umsetzung die eigentliche Aufgabe, sondern die wissenschaftliche Begleitung. Wenn in den Häusern bei einer zu hohen Dosis gegengesteuert werden solle, dann bedürfe es Auswertungen und Vergleichbarkeiten, erst sie ermöglichten ein regelgerechtes Benchmarking.

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Marcus Kremers

Als drittes wichtiges Projekt gilt es den Austausch der Daten mit den ärztlichen Stellen zu vereinfachen. Diese fordern regelmäßig Untersuchungen aus den Einrichtungen mit Geräten mit ionisierender Strahlung an. Bislang müssen hierfür die Untersuchungen auf CDs gebrannt werden. Jetzt soll der Datentransfer auch über den Teleradiologieverbund möglich werden, wobei es allerdings einer kleinen Anpassung bedarf, denn als zwingendes Kriterium ist die ID der Geräte erforderlich, die normalerweise nicht übermittelt wird. Der Geschäftsführer „Auch hierzu laufen erste Tests und die beiden ärztlichen Stellen in Münster und Düsseldorf wurden an den Verbund angeschlossen. Wir müssen diese technische Anpassung sicher noch verbessern, hoffen aber, dass gegen Endes des Jahres die Teilnehmer ihre Untersuchungen nicht mehr per CD, sondern über den Verbund an die ärztlichen Stellen schicken können, was beiden Seiten sehr viel Zeit erspart.“


Profil:

Seit 2012 ist Marcus Kremers Geschäftsführer der MedEcon Telemedizin GmbH in Bochum. Parallel dazu ist er seit 2009 im Bereich Business Development/Professional Services bei der VISUS Transfer GmbH tätig. Bevor er nach Bochum kam, arbeitete der Diplom-Volkswirt bei der Aurubis AG und als Pressesprecher der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern.

Veranstaltungshinweis:
Raum: Tagungsraum 3
Freitag, 04.11.2016, 14:00-14:20 Uhr
Update Westdeutscher Teleradiologieverbund
Marcus Kremers, Bochum
Session: Workshop Teleradiologieverbund

02.11.2016

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