Private und öffentliche Kliniken driften finanziell weiter auseinander

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PWC-Studie

Private und öffentliche Kliniken driften finanziell weiter auseinander

Im Hinblick auf ihre finanzielle Situation driften öffentliche und private Kliniken in Deutschland immer weiter auseinander. Ein Grund dafür sind unterschiedlich hohe Investitionen. Neben Kostendeckung und Liquidität spielen nachträgliche Rechnungskorrekturen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) eine immer größere Rolle. So lauten einige der Kernergebnisse der Studie "Krankenhäuser im Vergleich - Kennzahlen 2020" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers Deutschland (PwC).

Für die aussagekräftige Benchmark-Analyse hat PwC die Jahresabschlüsse von mehr als 100 deutschen Kliniken in öffentlicher, privater und freigemeinnütziger Trägerschaft untersucht und die relevantesten Kennzahlen des Jahres 2019 verglichen.

Die Rentabilität der Kliniken in öffentlicher, freigemeinnütziger und privater Trägerschaft fiel 2019 insgesamt relativ niedrig aus - wie bereits im Vorjahr. Obwohl private Kliniken weniger Fördermittel als die Krankenhäuser anderer Trägerschaften in Anspruch nehmen, wirtschaften sie am rentabelsten. Das zeigt die um Abschreibungen und Fördermitteleffekte bereinigte EBITDA-Quote. Sie lag 2019 bei den privaten Kliniken bei 7,8 Prozent (2018: 7,6 Prozent) - und damit deutlich vor der Rentabilität anderer Träger. So verzeichneten freigemeinnützige Krankenhäuser einen leichten Rückgang auf 2,6 Prozent (2018: 2,9 Prozent), öffentliche Kliniken dagegen mit -4,4 Prozent deutliche Einbußen (2018: 0,5 Prozent). Auch beim Cash-Management haben private Träger die Nase vorn: Zwar erhöhte sich die Forderungsreichweite leicht, aber mit einem DSO-Plus (Days Sales Outstanding) um 1,2 auf 46,4 Tage warten die privaten Kliniken deutlich kürzer auf ihr Geld als die öffentlichen mit 58,8 Tagen (2018: 58,4).

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Auch die Material- und Personalaufwandsquote ist eine wichtige Kennzahl dafür, wie effizient Krankenhäuser wirtschaften. Mit 92,1 Prozent des Umsatzes ist sie bei den öffentlichen Kliniken immer noch sehr hoch (2018: 90,5 Prozent). Von 100 Euro bleiben ihnen damit nur acht Euro für Reparaturen, Finanzierungen und andere Ausgaben. Bei freigemeinnützigen Einrichtungen beträgt die Quote 87,5 Prozent (2018: 87 Prozent). Dagegen haushalten private Krankenhäuser am effizientesten: Bei ihnen lag die Quote bei 84,2 Prozent (2018: 83,6 Prozent). Für den leichten Anstieg ist insbesondere der anhaltende Pflegekräftemangel verantwortlich, denn zusätzlich beschäftigtes Fremdpersonal gilt buchhalterisch als Materialaufwand (2019: 27,2 Prozent, 2018: 27,4 Prozent). Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC Deutschland, sagt: "Auffallend ist, dass unabhängig von der Trägerstruktur der Aufwand für Personal- und Material absolut wie relativ weiter angestiegen ist. Damit stehen alle Kliniken jedes Trägers vor massiven finanziellen Herausforderungen. Eine Revolution der Klinikfinanzierung scheint unausweichlich."

Insbesondere die nachträglichen Rechnungskorrekturen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) beschäftigen die Krankenhäuser. Dabei setzt die MDK-Umsatz-Quote die Rückstellungen ins Verhältnis zu den Erlösen aus Krankenhausleistungen - letztgenannte machen mit durchschnittlich 84,5 Prozent immer noch den größten Teil des Gesamtumsatzes der deutschen Krankenhäuser aus. Die Quote beeinflusst das Jahresergebnis: Während die Kliniken in Deutschland im Jahr 2017 noch nachträgliche Erlöskürzungen von 2,1 Prozent befürchteten, stieg die Quote bis Ende 2019 auf 2,4 Prozent. Private Krankenhäuser rechnen pro Fall mit einem Rückstellungsbetrag von 104,74 Euro, freigemeinnützige mit 111,81 Euro und öffentliche Kliniken mit 86,64 Euro. "Öffentliche Krankenhäuser sehen im Jahresabschluss ein geringeres Risiko. Die Differenzen um bis zu 30 Prozent zwischen den Trägerarten sind umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die öffentlichen Träger häufiger Maximalversorger mit hohen Schweregraden sind. Insofern ist die gefühlte Ungleichbehandlung durch den Medizinischen Dienst seitens der freigemeinnützigen und privaten Träger einerseits und der öffentlichen andererseits zumindest nachvollziehbar", kommentiert Michael Burkhart von PwC.

Man könnte vermuten, dass die Pflegekräfte in den privaten Kliniken mehr ausgelastet werden. Angesichts des Fachkräftemangels ist es aber wahrscheinlicher, dass diese bessere Strukturen haben, die effizienteres Arbeiten erlauben.

Corinna Friedl

Ein weiteres Kernergebnis: Von allen Trägern erhalten öffentliche Krankenhäuser den größten Fördermittelanteil. Bei ihnen liegt die Fördermittelquote bei 67 Prozent. Mit 62 Prozent deutlich weniger erhalten dagegen freigemeinnützige Kliniken. Die Quote bei privaten Krankenhäusern liegt sogar nur bei 49 Prozent.

Bei Investitionen setzen private Krankenhäuser vor allem auf eigene Mittel: Mit 15,5 Prozent weisen sie die höchste Investitionsquote im Vergleich zu öffentlichen (13,5 Prozent) und freigemeinnützigen Einrichtungen (12,7 Prozent) auf. Private Kliniken wollen vor allem Zeitfenster nutzen und nicht auf Fördermittel warten, so die Studienautoren. Corinna Friedl, Director Assurance Healthcare Services bei PwC Deutschland, sagt: "Die öffentlichen Kliniken kommen mit einer niedrigen Eigenkapitalquote aus. Das liegt an der kommunalen Trägerschaft, die bei Bedarf mit Eigenkapitalerhöhungen, Entschuldungsplänen oder Investitionszuschüssen einspringt."

Beim Case-Mix-Index (CMI) - ein Indikator für die durchschnittliche Schwere der behandelten Krankenhausfälle und dem damit verbundenen relativen ökonomischen Ressourcenaufwand - fällt auf, dass die privaten Häuser deutlich bessere Werte, also eine höhere Produktivität, erreichen als freigemeinnützige und öffentliche. "Man könnte vermuten, dass die Pflegekräfte dort mehr ausgelastet werden. Angesichts des Fachkräftemangels ist es aber wahrscheinlicher, dass die privaten Kliniken bessere Strukturen haben, die effizienteres Arbeiten erlauben", kommentiert PwC-Expertin Corinna Friedl. PwC-Gesundheitsexperte Michael Burkhart ergänzt: "Praktisch substituiert eine moderne Bau- und Dateninfrastruktur menschliche Tätigkeiten. Dadurch werden aber keine Arbeitsplätze abgebaut, sondern der Fachkräftemangel wird etwas gemildert."

Die Benchmark-Analyse illustriert zudem die unterschiedlichen finanziellen Ausgangslagen der Kliniken, von der aus sie in die Coronavirus-Pandemie gestartet sind. Auf der Basis dieser Kennzahlen ist es nachvollziehbar, dass die Bundesregierung das COVID19-Krankenhaus-Entlastungsgesetz auf den Weg gebracht hat. Das Gesetz sieht unter anderem vor, das Zahlungsziel der Kostenträger auf fünf Tage zu verkürzen. "Zu befürchten ist allerdings, dass die Lücke in den Liquiditätsplänen der Kliniken umso größer wird, sollte das Zahlungsziel wieder auf das Ausgangsniveau verlängert werden", resümiert Michael Burkhart.

Quelle: PWC

25.09.2020

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