Infektionen

Vorbereitung auf eine unsichtbare Gefahr

Werner Forßmann Krankenhaus in Eberswalde nimmt an Modellprojekt zur Erstversorgung von Patienten mit hochpathogenen Erregern teil

Das Werner Forßmann Krankenhaus in Eberswalde ist eines von zwei deutschen Krankenhäusern, das für ein spezielles Projekt mit der Abkürzung EKOS ausgewählt wurde. In dessen Rahmen soll bis Ende 2019 mithilfe zahlreicher Experten ein Konzept erarbeitet werden, das die Versorgung und Betreuung von Patienten regelt, die an hochpathogenen Erregern erkrankt sind und zuerst den Weg ins regionale Krankenhaus suchen.

In Zeiten, in denen aus unterschiedlichsten Gründen Migrations- und Fluchtbewegungen erfolgen oder auch Urlauber binnen weniger Stunden um den Erdball reisen, wächst weltweit die Gefahr der Verbreitung von Krankheiten durch hochpathogene Erreger. Ob SARS-Warnungen, der Ausbruch des Ebolafiebers in Westafrika 2014 und 2015 oder die erst kürzlich in Madagaskar wieder aufgetretene Pest – infizierte Personen, die nicht in einem speziellen Behandlungszentrum, sondern im Krankenhaus vor Ort auftauchen, sind zwar eine Seltenheit, aber heutzutage keineswegs vollkommen auszuschließen. Bereits ein einziger infizierter Patient würde gravierende Folgemaßnahmen erforderlich machen.

Was also tun, wenn ein solcher Patient in der Notfallaufnahme Hilfe sucht? Wie kann die bestmögliche medizinische Versorgung für den Betroffenen bei gleichzeitig höchstem Schutz für die Krankenhausbeschäftigten und andere Patienten gewährleistet werden? Wie ist umzugehen mit Ängsten und Befürchtungen in der Belegschaft und in der Bevölkerung, mit einer nach Informationen suchenden Öffentlichkeit? Mit diesen Fragen setzt sich das Modellprojekt EKOS auseinander – EKOS als Kurzform für „Entwicklung eines neuartigen Konzepts zur Sicherstellung der infektiologisch-medizinischen Versorgung von seltenen, hochkontagiösen und lebensbedrohlichen Erkrankungen in Schwerpunktkrankenhäusern“. Es steht unter Federführung des Robert Koch-Instituts sowie von Universitäten in Berlin, Jena und Braunschweig.

Das Werner Forßmann Krankenhaus in Eberswalde und das Klinikum Chemnitz wurden als Partner ausgewählt, um Strategien zur Erstversorgung von Patienten mit hochpathogenen Erregern zu entwickeln und umzusetzen. Das Werner Forßmann Krankenhaus verfügt nicht wie Spezialkliniken über eine Sonderisolierstation, und betroffene Patienten werden auch nicht dauerhaft vor Ort stationär aufgenommen. Ziel ist die Entwicklung eines Sicherungskonzeptes für das Notfallzentrum, das nach dem Projektende ab Oktober 2019 auch von anderen Krankenhäusern bundesweit übernommen und im Ernstfall umgesetzt werden kann.

Schwerpunkte des Projekts, an dem zahlreiche Wissenschaftler mitwirken, sind unter anderem die optimale Erstversorgung von Patienten mit hochpathogenen Erregern bis zu ihrer Weiterversorgung in den Spezialkliniken, die Entwicklung infrastruktureller Voraussetzungen zur Minimierung der Keimverbreitung, die Einführung eines optimierten Hygienemanagements und Trainings sowie die Einführung eines Krisenmanagements in Bezug auf medizinisches Personal, weitere Patienten und die Öffentlichkeit. Ziel ist es, eine schnelle Diagnostik auch außerhalb der sieben Spezialzentren in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Leipzig, Frankfurt/Main, Stuttgart und München zu ermöglichen, um die Infektionskette zu unterbrechen, Folgeschäden und hohe Behandlungskosten zu minimieren und nicht zuletzt medizinisches Personal und die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren.

Konkret gestartet ist das Projekt bereits mit dem Ausprobieren der persönlichen Schutzausrüstung. Seit Januar laufen Mitarbeiterbefragungen des Robert Koch-Instituts und der Friedrich-Schiller-Universität Jena am Werner Forßmann Krankenhaus. Die Erhebungen sollen dazu beitragen, den Ist-Zustand im Notfallzentrum zu analysieren. Im Fokus der Universität Jena stehen Einschätzungen und emotionale Reaktionen der Mitarbeiter, die ihr Handeln im Ernstfall beeinflussen können. Die Befragung des Robert Koch-Instituts dient dazu, Trainings vorzubereiten, die Institutsmitarbeiter Anfang März in Kooperation mit der Sonderisolierstation der Charité durchführen werden.

Quelle: GLG - Gesellschaft für Leben und Gesundheit mbH

15.02.2018

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