Raus aus dem Elfenbeinturm, rein ins Getümmel

Der harmonische Macher

Als Prof. Dr. Hermann Helmberger vor zwanzig Jahren den Deutschen Röntgenkongress zum ersten Mal besuchte, ahnte er nicht, dass er einmal selbst Organisator dieser traditionsreichen Tagung sein würde.

Prof. Dr. Hermann Helmberger
Prof. Dr. Hermann Helmberger

Aber wahrscheinlich hätte er es damals als angehender Radiologe auch nicht für möglich gehalten, dass er einmal Chefarzt an demselben Klinikum in München sein würde, in dem er 38 Jahre zuvor zur Welt gekommen ist. Das Leben steckt halt voller Überraschungen. Überrascht hat es Helmberger dagegen nicht, dass die Präsidentschaft des 93. Deutschen Röntgenkongress mit einigen zusätzlichen Nachtschichten verbunden war.

In weiser Voraussicht hat sich Prof. Helmberger deshalb von der täglichen Arbeit an seiner Münchner Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie/Nuklearmedizin im Klinikum Dritter Orden eine gewisse Auszeit verordnet. „Das geht natürlich nur, wenn es von langer Hand geplant ist und man die Unterstützung der Oberärzte sicher hat, die einem den Rücken freihalten und das Projekt RöKo mit unterstützen, wofür ich sehr dankbar bin“, betont der waschechte Bayer. „Dennoch hat die Kongressvorbereitung zusätzliche Arbeitsstunden in Anspruch genommen, die ich am liebsten am Abend oder am Wochenende erledigt habe, weil sonst gar nicht die Muße dafür da war. Was es telefonisch zu besprechen galt, habe ich am Tag erledigt, was das Schreiben von E-Mails angeht, habe ich Nachtschichten eingelegt.“

Gezehrt hat Prof. Helmberger vor allem von seiner Erfahrung als Präsident des Bayerischen Röntgenkongresses 2009 – ein Deutscher Röntgenkongress in Miniaturformat sozusagen. Ansonsten sei es bei einer so traditionsreichen und historisch gewachsenen Marke wie dem RöKo wichtig, das Rad nicht komplett neu zu erfinden. „So eine Jahrestagung lebt ja auch davon, dass sie einen Wiedererkennungswert für die Menschen hat. Wir haben ungefähr 850 Vortragsveranstaltungen bei diesem Kongress. Wenn das nicht nach einem gewissen Schema abläuft, sind die Teilnehmer hoffnungslos verloren. Als Kongresspräsident kann man aber einzelne Akzente setzen. Das war eine nette Gelegenheit, das, was mir in den letzten Jahren gefallen hat und was nicht so gut war, selbst zu gestalten, schließlich bin ich selbst langjähriger RöKo-Besucher.“

Ansonsten räumt der 49-Jährige bescheiden ein, dass viele helfende Hände hinter den Kulissen für ihn gezaubert haben: „Man darf nicht glauben, dass der Kongresspräsident die organisatorische Arbeit allein stemmt. Die Geschäftsstelle, insbesondere Ulrike Schiedt, hat mich großartig unterstützt bei der Planung und sie hat den Hauptteil der Organisation getragen. Dafür ein großes Lob und ein herzliches Dankeschön.“

Als guter Gastgeber lag Helmberger vor allem am Herzen, dass auch das Drumherum stimmt und sich die Teilnehmer auf „seinem“ Kongress wohlfühlen. Die Organisation des Begleitprogramms, vor allem des Eröffnungsabends im Schuppen 52 am Hafen, hat ihm daher besondere Freude bereitet, denn keiner soll sich auf dem Meeting allein fühlen: „Es war mir ein persönliches Anliegen, dass die Besucher die Gelegenheit bekommen, sich in lockerer Atmosphäre auf die doch sehr stressigen Fortbildungstage einzustimmen und miteinander ins Gespräch zu kommen.“

Inhaltlich fand der Tagungspräsident es vor allem eine spannende Herausforderung, die Interdisziplinarität in Einklang mit dem Veranstaltungsprogramm zu bringen. So finden in diesem Jahr viele Sessions mit dem Titel „DRG trifft …“ statt, bei denen etwa die Kollegen der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie oder der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie mit dabei sind, sowie Kurse, bei denen Fachärzte aus anderen Disziplinen referieren. Für Helmberger war es ein wichtiges Statement, dass die anderen Fachdisziplinen beim RöKo mit an den Start gehen: „Denn nur durch die enge Zusammenarbeit mit den klinischen Fächern kann die Radiologie selbst ein klinisches Fach bleiben und dadurch ihre Zukunft sichern. Wenn wir uns nur in unseren Elfenbeinturm zurückziehen, wird unser Fachgebiet nicht überleben können.“

 

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Im Profil

Prof. Dr. Hermann Helmberger ist aufgewachsen, lebt und arbeitet in München. Er ist Chefarzt der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie/Nuklearmedizin im Klinikum Dritter Orden und am Zentrum für Radiologie und Nuklearmedizin Nymphenburg, München. Seine Mediziner-Laufbahn begann Prof. Helmberger 1981 an der Universität Regensburg. Während seiner klinischen Ausbildung am Klinikum rechts der Isar entschied er sich dann für das Wahlfach Radiologie. Seitdem arbeitete er zuerst als Assistenzarzt am Krankenhaus Nymphenburg und dann am Klinikum rechts der Isar. Hier agierte er von 1996 bis 2000 als Oberarzt und später als Leitender Oberarzt und Direktorenvertretung am Institut für Röntgendiagnostik, bevor er seine aktuellen Tätigkeiten aufnahm. Prof. Helmberger ist Mitglied in zahlreichen nationalen und internationalen radiologischen Fachgesellschaften.
 

09.05.2012

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