Life-Science-Research

Wer und was ist die LSR-Industrie?

Die Life-Science-Research-Industrie ist in Deutschland wenig bekannt. Dabei stellt ihr Inlandsmarkt mehr als 7 Prozent des Weltmarktes und Forscher gewinnen mit Hilfe ihrer Entwicklungen und Produkte Nobelpreise. Wer und was ist die LSR-Industrie? Diese und andere Fragen beantwortet Dr. Peter Quick, Vorstandsmitglied des Verbandes der Diagnostica-Industrie (VDGH) und Vorsitzender des Ausschusses Marktforschung der Fachabteilung Life Science Research (LSR) im VDGH.

Dr. Peter Quick
Dr. Peter Quick
Quelle: Henning Schacht

Herr Dr. Quick, was genau ist die Life-Science-Research-Industrie?

Peter Quick: Die Life-Science-Research-Branche (LSR) ist eine „versteckte“ Industrie, denn es ist kaum bekannt, in welchen Lebensbereichen sich LSR-Know-how verbirgt. Dies ist auch ein Zeichen, wie selbstverständlich viele dieser Entwicklungen für uns tagtäglich sind: Ob sichere       Lebensmittel, restaurierte Bauwerke oder gezielte Seuchenbekämpfung – die Leistungen der LSR-Industrie sind unsere „Komfortzone“ des Lebens. Die LSR-Unternehmen entwickeln und produzieren Instrumente, Reagenzien und Verbrauchsmaterialien, die in der Grundlagen- und angewandten Forschung aller Lebensbereiche zum Einsatz kommen, zum Beispiel empfindliche Nachweissysteme, spezielle biomolekulare Forschungsreagenzien, smart Consumables, Lab-on- a-Chip-Technologien und Detektoren/Sensoren für das Forschungslabor.

2.  Warum ist eine differenzierte Darstellung der LSR-Industrie notwendig?

Quick: Während der inländisch deutsche Markt für Pharmaprodukte beispielsweise nur 4,4 Prozent des globalen Pharmamarktes repräsentiert und der analoge deutsche Inlandsmarkt für nur 1,6 – 2,1 Prozent des Weltverbrauches an Chemieprodukten steht (je nachdem, ob der VCI exklusive oder inklusive Pharma rechnet), stellt der deutsche Inlandsmarkt > 7 Prozent des weltweiten LSR-Marktes. Dies beruht zunächst auf der Stärke der öffentlich finanzierten Forschungseinrichtungen in Deutschland, wie zum Beispiel Universitäten, Universitätskliniken, Helmholtz- oder Max-Planck-Institute, die in Summe für über 59 Prozent der LSR-Umsatzerlöse in Deutschland stehen. Zum Vergleich: Die forschende Pharmaindustrie repräsentiert < 16 Prozent, gefolgt vom Bedarf der privaten analytischen und diagnostischen Labors mit > 11 Prozent, den Biotech-Unternehmen mit knapp 10 Prozent und anderen Industrieunternehmen mit knapp 4 Prozent (s. Abbildung 1).

Die Marktsegmente der deutschen LSR-Branche 2016
Abbildung 1
VDGH

3.  Worin unterscheidet sich die LSR-Branche konkret von der Biotechnologie-Branche?

Quick: Ein Biotechnologie-Unternehmen arbeitet vorrangig an einzelnen Projekten und Produkten, die z. B. die Arbeit an Medikamentenvorläufern für die Pharma unterstützen. Als Partner der Pharma- oder in Zukunft stärker auch der Chemieindustrie sind Biotechnologie-Unternehmen häufig sehr stark abhängig von einzelnen großen Unternehmen oder „Deals“, aber auch von Risikokapitalgebern. Dagegen entwickeln und liefern LSR-Unternehmen tausende molekularbiologische, biochemische oder instrumentelle Produkte, die eine jeweilige experimentelle Forschungsgruppe zu einem Workflow kombinieren kann, die dem jeweils einzigartigen Forschungsthema entspricht – denn jeder Forscher stellt eine andere Frage: Dies ist die Voraussetzung für alle Publikationen! Das Geschäftsmodell ist allerdings aufgrund dieser großen Portfolien und der großen Anzahl von Forschern in Biologie und Medizin als Endkunden der LSR-Industrie außerordentlich robust. Die Innovationskraft der LSR-Unternehmen – die im VDGH organisierten LSR-Firmen reinvestieren zum Beispiel 9 Prozent ihrer Umsatzerlöse in F&E – richtet sich auf breitere Technologieplattformen als Grundlage für hunderte abgeleitete Produkte. Dies sind Plattformen, die so direkt und indirekt die Innovation in den anderen Branchen ermöglichen (Beispiel Gen-Editierung). Das Motto lautet: Forschung kann nicht warten – LSR-Unternehmen ticken im 24-Stunden-Rhythmus, Biotechnologieunternehmen dagegen in Jahren, bestenfalls in Quartalen. Bestes Beispiel für den 24-Stunden-Takt ist die Trockeneis-Logistik: Biochemikalien werden heute bestellt und sind schon am nächsten Tag beim Kunden. Darüber hinaus bieten LSR-Firmen rund um die Uhr technischen Support und sind für ihre Kunden weltweit jederzeit erreichbar. Aber auch während eines Forschungsweges stehen die LSR-Unternehmen an der Seite ihrer Kunden, wenn es darum geht, auf die Bedürfnisse des Forschers oder der forschenden Abteilung eines Unternehmens unmittelbar zu reagieren, z. B. bei der Anpassung eines Verfahrens oder anderer gewünschter Lösungen.

Das vollständige Interview finden Sie hier

Quelle: VDGH

24.10.2017

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