Quelle: Bundeskriminalamt, infografik.biz

Kindesmisshandlung

Unfall oder Gewalt? Bildgebende Diagnostik hilft bei der Aufklärung

Über 4.200 Opfer von Kindesmisshandlung verzeichnet die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2016. Bei der Aufdeckung einer Kindesmisshandlung kommt der Radiologie eine Schlüsselrolle zu.

Photo
Infografik zum Thema Kindesmisshandlung in Deutschland (Klicken für vergrößerte Ansicht).
Quelle: Bundeskriminalamt, infografik.biz

Denn meist können Diagnostiker erst mithilfe von Röntgen, Magnetresonanz- bzw. Computertomografie (MRT und CT) beurteilen, ob die Verletzung eines Kindes durch Unfall oder Gewalt entstanden ist.

Experten gehen davon aus, dass in Deutschland mehr als 200.000 Kinder jedes Jahr Opfer von Gewalt durch Erwachsene werden. Die meisten Fälle von Gewalt gegen Kinder werden jedoch nie entdeckt. Knochenbrüche, Verbrennungen und blaue Flecke können sichtbare Zeichen einer schweren Kindesmisshandlung sein, doch nicht jede Misshandlung weist ein typisches und eindeutiges Verletzungsmuster auf und ist ohne Hinzuziehen eines Experten nur schwer von Schädigungen durch einen Unfall abgrenzbar. Versäumnisse und Unsicherheiten bei der Diagnose könnten jedoch schwerwiegende Konsequenzen haben – für das misshandelte Kind, aber auch für eventuell zu Unrecht beschuldigte Eltern.

Die Radiologen kommen in der Regel auf zwei Wegen bei der Aufklärung einer Kindesmisshandlung ins Spiel. Entweder hat der Kinderarzt bereits einen Verdacht geäußert und möchte diesen überprüfen lassen. Oder aber die Misshandlung wurde im Rahmen einer bildgebenden Untersuchung zufällig entdeckt. Gerade bei den Zufallsbefunden gibt es eindeutige Muster, bei denen Radiologen aufmerksam werden. Zu den typischen Verletzungen zählen Frakturen bei jungen Säuglingen, die sich noch nicht drehen können und bei denen deshalb ein Unfall, beispielsweise ein Sturz vom Wickeltisch, als Ursache unwahrscheinlich ist. Klassisch sind Rippenfrakturen oder Brüche der Extremitäten, sofern keine Krankheit bekannt ist, die Einfluss auf die Knochenstabilität hat. Rippenfrakturen deuten beispielsweise häufig auf ein bewusstes Zusammendrücken des Brustkorbs hin. Aber auch kleine, subtile Verletzungen wie Absprengungen von Kanten aus den Wachstumsregionen der Knochen können auf eine Misshandlung hindeuten.

Neben den Frakturen sind es Verletzungen an Kopf und Gehirn, die auf eine Misshandlung hindeuten. Von allen Folgen körperlicher Gewalt gegen Kinder enden sie am ehesten tödlich oder mit bleibenden Behinderungen. Eine der häufigsten Folgen nach Misshandlung ist das Schütteltrauma, eine Form des Schädel-Hirn-Traumas. Das Schütteltrauma entsteht, wenn das Kind am Brustkorb gehalten und massiv geschüttelt wird, wobei der kindliche Kopf unkontrolliert Schleuderbewegungen ausgesetzt ist. Die Symptome, die in seiner Folge auftreten, sind für den Laien schwer zuzuordnen: Die Kinder sind schläfrig, geistig abwesend, sie erbrechen und bekommen Krampfanfälle. Erst in der Bildgebung, also bei einer MRT-, Ultraschall-, oder CT- Untersuchung des Kopfes zeigen sich Hirnverletzungen, die je nach Schwere des Schütteltraumas variieren. Häufig sind beispielsweise Subduralhämatome, also Blutergüsse unter der Hirnhaut, die über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben können und so auch einige Zeit nach dem Vorfall nachweisbar sind.

Das Urteil darüber, ob eine Kindesmisshandlung vorliegt, darf jedoch auch von einem Radiologen niemals alleine getroffen werden, sondern erfolgt immer in Abstimmung mit dem Kinderarzt oder einem Rechtsmediziner.


Quelle: Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

19.09.2017

Verwandte Artikel

Kindermedizin

Strahlenschäden durch CT und Röntgen vermeiden

Computertomografien (CT) erhöhen das Krebsrisiko von Kindern – anders als bei Erwachsenen – deutlich. Moderner Ultraschall und Magnetresonanztomografie (MRT) bieten strahlenfreie und schonende…

Runder Geburtstag

mediavis GmbH: 20 Jahre IT für Diagnostik in der Radiologie

Seit nun 20 Jahren perfektioniert die Karlsruher IT-Schmiede medavis GmbH die Abläufe in der Radiologie, mit dem Ziel, die Patientenversorgung zu verbessern und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit…

Automatisierung

Autofokus für die pränatale Diagnostik

Mehr PS bei der Automatisierung im Ultraschall stehen auf dem Wunschzettel von Dr. Alexander Weichert, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.…

Verwandte Produkte

Infectious diseases testing

Atlas Genetics - Atlas Genetics io system

Atlas Genetics Ltd

Clinical chemistry

DiaSys Diagnostic Systems - InnovaStar

DiaSys Diagnostic Systems GmbH

Mobile RIS/PACS Viewer

IMAGE Information Systems - Image iQ-4VIEW

IMAGE Information Systems Europe GmbH

R/F Film-Screen - Fluoroscopy

Shimadzu - Flexavision series

Shimadzu Europa GmbH

Interventional systems - BI-Plane

Shimadzu - Trinias B12 / B8 MiX package

Shimadzu Europa GmbH