Chemo oder Radio?

Welches Embolisationsverfahren wann bei Lebertumoren?

Nur etwa ein Viertel der Patienten, die unter Leberkrebs leiden, sind operabel. Als alternative therapeutische Möglichkeit bleibt – neben der Ablation – nur die Embolisation.

Das am häufigsten angewendete Embolisationsverfahren beim hepatozellulären Karzinom (HCC) ist die transarterielle Chemoembolisation (TACE), die eine Kombination aus gefäßverschließender Intervention und Chemotherapie darstellt. Doch in den letzten Jahren befindet sich noch ein weiteres Verfahren auf dem Vormarsch, die selektive interne Radiotherapie (SIRT), bei der die gefäßverschließende Intervention mit einer lokalen Strahlentherapie kombiniert wird. Wann welches Verfahren zum Einsatz kommt, darüber berichtet Prof. Dr. Niels Zorger, Chefarzt am Institut für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg.

Patient mit hepatocellulären Carzinom (HCC) im rechten Leberlappen.  Digitale...
Patient mit hepatocellulären Carzinom (HCC) im rechten Leberlappen. Digitale Substraktionsangiographie (DSA) des vorbehandelten hypervaskularisierten Tumors (Abbildung links).
Abbildung rechts: CT Kontrolle nach vollständiger Embolisation mit Lipiodol, Epirubicin und Gelfoam. Es zeigt sich ein vollständiges Einspeichern des Lipiodols im Tumor als Zeichen des Therapieerfolges.

„Letztendlich ist die Frage, bei welcher Indikationsstellung welche Methode anzuwenden ist, zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend geklärt“, stellt der Facharzt als Erstes klar. „Die TACE gehört zum klinischen Standardrepertoire, während die SIRT immer noch als Innovationsverfahren gilt. Zumindest beim HCC geht man jedoch davon aus, dass die TACE vor allem dann Sinn macht, wenn wenige Tumorherde vorhanden sind, sodass eine lokale Behandlung noch gut möglich ist. Bei einem globalen Organbefall tendiert man eher zur SIRT. Des Weiteren ist die SIRT bei einem Pfortaderverschluss vorzuziehen, da man bei einer Chemoembolisation Gefahr läuft, einen Leberinfarkt auszulösen.“

Zurzeit wird die Indikation für die SIRT oft erst dann gestellt, wenn der Krebs bereits zu weit fortgeschritten ist.

Prof. Dr. Niels Zorger

Erste kleinere Vergleichsstudien legen außer-dem den Schluss nahe, dass die SIRT bei bestimmten Patientengruppen längere Überlebenschancen schafft als die Chemoembolisation. Zurzeit laufen zahlreiche klinisch-wissenschaftliche Untersuchungen zur SIRT und Niels Zorger ist sich sicher, dass die Methode Eingang in die nächsten Leitlinien finden wird. An seinem Arbeitsplatz hat sie bereits einen festen Stellenwert eingenommen und auch an anderen deutschen Universitätskliniken und größeren onkologischen Zentren ist sie längst verfügbar. „Zurzeit wird die Indikation für die SIRT jedoch oft erst dann gestellt, wenn der Krebs bereits zu weit fortgeschritten ist. Das wird sich jedoch in den nächsten Jahren ändern, wenn die Methode bekannter geworden ist“, prognostiziert er.

Patient mit Lebermetastasen eines Aderhautmelanoms. Kontrastmittelgestütztes...
Patient mit Lebermetastasen eines Aderhautmelanoms. Kontrastmittelgestütztes CT vor (Abbildung A) und 3 Monate nach (Abbildung B) selektiver interner Radiotherapie (SIRT). Deutliche Größenabnahme der Metastasen im zeitlichen Verlauf.

Flächendeckend wird sich die SIRT aber wohl kaum durchsetzen, denn für ihre Durchführung braucht es nuklearmedizinische Expertise. Als Zorger vor sechs Jahren die Leitung der Radiologie im BB Krankenhaus Regensburg übernahm, musste er die nuklearmedizinische Abteilung erst wiedereröffnen, um diese Therapie anbieten zu können. „Das bringt beide Fächer wieder näher zusammen, so wie es früher schon einmal der Fall war“, freut sich der Chefarzt. „Im Übrigen verfügen beide zuständigen Kollegen an unserem Haus, Dr. Hamid-Reza Lighvani und Dr. Christian Roß, über die Doppelfacharztausbildung in Radiologie und Nuklearmedizin. Dadurch kennen und verstehen sie beide fachlichen Seiten optimal.“

Die Patienten spüren während und nach dem Eingriff nahezu keine Schmerzen, was gerade in der palliativen Situation der Patienten ein Segen bedeutet.

Prof. Dr. Niels Zorger

Das Team in Regensburg setzt – je nach Art und Stadium der Tumorerkrankung – alle verfügbaren Techniken zur Embolisation von Lebertumoren ein: Neben der fortschrittlichen SIRT sind dies die konventionelle Chemoembolisation mit Lipidol und die modernere Chemoembolisation mit Mikrosphären. Bei den sogenannten Mikrosphären, auch Beads genannt, handelt es sich um medikament-beladene Kügelchen, die auch in die allerkleinsten Arterien vordringen und so die Perfusion im Tumor sehr effektiv ausschalten. Bei definierten Herden greift Zorger deshalb bevorzugt auf diese kugelförmigen Partikel zurück, während die klassische TACE mit dem Lipidol und Gelfoam, besonders für Patienten geeignet ist, bei denen der Tumor in der Leber verstreut liegt.

„Nach der bisherigen Studienlage sieht es so aus, dass es, abgesehen von Subgruppen, für das Überleben keinen signifikanten Unterschied macht, ob man mit Kügelchen oder Lipiodol interveniert“, erläutert der Experte abschließend. „Allerdings zeigen die Kügelchen weniger Nebenwirkungen. Die Patienten spüren während und nach dem Eingriff nahezu keine Schmerzen, was gerade in der palliativen Situation der Patienten ein Segen bedeutet.“

Photo
Prof. Dr. Niels Zorger

Profil:
Prof. Dr. Niels Zorger trat im April 2010 die Chefarztstelle am Institut für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg an. Zuvor arbeitete er zehn Jahre lang am Institut für Röntgendiagnostik des Universitätsklinikums Regensburg, zuletzt als Leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor. Ende 2011 wurde der Radiologe und Neuroradiologe von der Universität Regensburg zum außerplanmäßigen Professor ernannt. 2007 und 2009 wurde ihm der Exzellenzpreis der Bayerischen Röntgengesellschaft verliehen.

Veranstaltungshinweis:
Raum: Conference 4
Samstag, 15. Oktober 2016, 13:50–14:10 Uhr
TACE und SIRT – Welche Kügelchen, und wann?
Session: Symposium 17
Intervention 2 – Tumor

13.10.2016

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