Notfallversorgung aus der Luft

Drohnen: Fliegende Helfer für die Krankenhauslogistik

Die Bereitschaft der Deutschen zur Blutspende sinkt. Gleichzeitig steigt der Blutverbrauch auf Bundesebene kontinuierlich an. Aus diesem Grund wird es immer wichtiger, Blut- und Blutprodukte im Rahmen der Notfallversorgung zeitnah zur Verfügung zu stellen. Die Agaplesion Frankfurter Diakonie Kliniken wollen hier einen neuen Weg gehen. Für Transporte innerhalb Frankfurts soll in naher Zukunft eine Drohne eingesetzt werden, um lange Wegezeiten zu vermeiden.

Artikel: Melanie Günther

Die sechs Rotoren der Drohne können einzeln angesteuert werden. Flughöhe und...
Die sechs Rotoren der Drohne können einzeln angesteuert werden. Flughöhe und -position werden somit in Notfällen korrigiert.
Quelle: beta-web/Melanie Günther

Drei Krankenhäuser innerhalb des Stadtgebiets gehören zum Verbund der Agaplesion Frankfurter Diakonie Kliniken. Im Agaplesion Markus Krankenhaus befindet sich die Blutbank sowie das Zentrallabor, die von allen drei Betriebsstätten genutzt werden. Kommt es zu Notfalltransporten von Blut und Blutprodukten kann es bis zu 20 Minuten dauern, ehe eine Sondersignalfahrt das jeweils andere Krankenhaus erreicht. Denn der Verkehr in Frankfurt ist dicht und insbesondere zu den Stoßzeiten benötigen auch Kuriere viel Zeit.

Aus diesem Grund hat sich Dr. Dennis Göbel um eine zeitsparende Alternative bemüht: Drohnen, kleine unbemannte Luftfahrzeuge, sollen zukünftig den Transport übernehmen und Laborproben sowie Blut zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung stellen.

Kurze Transportzeiten sprechen für einen Einsatz
Müssen Laborproben aus den umliegenden Einrichtungen analysiert werden, fliegt die Drohne diese an den Standort des Zentrallabors im Agaplesion Markus Krankenhaus. „Ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin des Labors entnimmt aus der Drohne die entsprechenden Untersuchungsproben, transportiert sie zum Labor und analysiert diese. Nach Präparierung der entsprechenden Blutkonserven werden diese einzeln in Styroporkisten verpackt. Somit sind sie thermisch und gegen Stoß geschützt. Die Kiste wird wieder zum Start- und Landeplatz gebracht, entsprechend bestückt und auf den Weg zum eigentlichen Einsatzort geschickt“, beschreibt Göbel den Ablauf.

Dabei ist die Drohne bei nahezu allen Wetterbedingungen einsatzfähig. Sie kann sowohl bei Regen, Schnee als auch bei Wind eingesetzt werden. Ganz entscheidend für Notfallsituationen ist dabei der Einsatz in der Nacht. Göbel berichtet weiter: „Die Drohne hat ein Gewicht von deutlich unter fünf Kilo und kann bis zu einem Gesamtgewicht von fünf Kilogramm beladen werden. Dies ist für den Blut- oder Probentransport mehr als ausreichend. Die Reichweite beträgt ungefähr 15 Kilometer und sie kann mit einer Geschwindigkeit von 60-70 Kilometer pro Stunde fliegen, sodass wir insgesamt relativ kurze Wegezeiten haben.“

Insgesamt beträgt der Transport zwischen den einzelnen Einrichtungen ausgehend vom Agaplesion Markus Krankenhaus nun nur noch drei bis vier Minuten.

Einige rechtliche Hürden gilt es noch zu überwinden
Ministerien und Behörden haben weiterhin Bedenken hinsichtlich der Luftsicherheit. Das Hauptproblem besteht darin, dass die Drohne außerhalb des Sichtkontaktes des Piloten gesteuert wird. Momentan dürfen die unbemannten Fluggeräte außerdem eine Höhe von hundert Metern nicht überschreiten. „Die Bedenken müssen sicherlich berücksichtigt werden. Allerdings ist die technische Entwicklung mittlerweile sehr weit fortgeschritten. Die Sicherheitsüberlegungen können nahezu vollständig ausgeräumt werden“, erläutert Göbel.

Die Drohne kann sowohl über eine Kamera als auch über GPS bedient werden. Sie orientiert sich an den erreichbaren Satelliten. Das macht eine dreidimensionale Ortung und Positionierung möglich. Außerdem können die sechs Rotoren einzeln angesteuert werden. Flughöhe und -position sind somit in Notfällen korrigierbar. Sollte die Drohne – aus welchen Gründen auch immer – in Schwierigkeiten geraten, stellen diese Sicherheitsmechanismen sicher, dass sie in ihren vorbestimmten Flugkorridor zurückkehrt. Des Weiteren ist sie in der Lage bei Motorproblemen oder geringer Akkulaufzeit, selbstständig zum Ausgangsort zurückzufliegen und auch ohne Pilot zu landen.  

Testphase hat gezeigt: Der Betrieb mit der Drohne kann funktionieren
Sollte sich der Einsatz des Hexacopters weiterhin bewähren, könnte sich Göbel neben der Notfallversorgung einen regelmäßigen Shuttlebetrieb vorstellen. Langfristig könnte die Drohne dann auch Laboratorien oder andere klinische Einrichtungen des Konzernbetriebs außerhalb Frankfurts ansteuern. Gerade ländliche Gegenden sehen sich oft mit langen Wegezeiten oder mangelnder personeller Besetzung in der Nacht und am Wochenende konfrontiert. Für diese bietet das kleine Fluggerät einen großen Mehrwert.

Schon jetzt zeigen sich auch andere klinische Einrichtungen an der Drohne interessiert. Noch steht allerdings die europaweite Lockerung der Gesetze aus. Sie wird in zwei Jahren erwartet. Die Drohne der Agaplesion Frankfurter Diakonie Kliniken steht dann zumindest in den Startlöchern.

 

 

20.04.2015

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